SPD: Steinbrück prangert Umgang mit Sarrazin an

In weiten Teilen könne man seiner Analyse kaum widersprechen: Ex-Finanzminister Steinbrück hat an den meisten Kapiteln von Thilo Sarrazins Buch nichts auszusetzen. Den geplanten SPD-Ausschluss des Ex-Bundesbankers kritisierte Steinbrück abermals scharf. Die SPD vermittle den Eindruck, sie wolle die Debatte loswerden.

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Ex-Minister Steinbrück: "Sarrazin beschwert die Debatte mit einem verquasten Überbau"

Berlin - Ex-Bundesbanker und SPD-Mann Thilo Sarrazin hat mit seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" die Politik aufgeschreckt - Parteifreunde aus der SPD grenzten sich scharf von seinen Thesen ab. Sarrazin soll jetzt aus der Partei ausgeschlossen werden, das Verfahren läuft.

Unterstützung bekommt Sarrazin in dieser Hinsicht von einem prominenten SPDler: Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hat den Umgang seiner Partei mit dem ehemaligen Berliner Finanzsenator scharf kritisiert. Der "Bild"-Zeitung sagte Steinbrück: "Ich bin gegen einen Parteiausschluss. Die SPD vermittelt dadurch dem breiten Publikum den falschen Eindruck, sie wolle die Debatte loswerden. Das Echo zeigt aber, dass viele Bürger über Zuwanderung und vermurkste Integration reden wollen, auch in der SPD." Abgesehen von den letzten Kapiteln könne man weiten Teilen von Sarrazins Analyse kaum widersprechen. Das Echo auf sein Buch gehe darauf zurück, dass sich viele Menschen in ihren Alltagserfahrungen mit konkreten Integrationsproblemen wiedererkennen.

Im Grundsatz richtig, im Detail problematisch: Sarrazin beschwere die Debatte um Integration "mit einem verquasten Überbau, der nichts anderes ist als platter Sozialdarwinismus", so Steinbrück weiter. "Mit ethnischen, genetischen oder biologischen Kriterien hat das nichts zu tun. Hier vergiftet Sarrazin die Debatte."

Deutliche Worte fand der Ex-Minister zur bisherigen Integrationspolitik: "Bis heute haben wir kein vernünftiges Zuwanderungskonzept. Wir haben zugelassen, dass Millionen Menschen geringer Qualifikation direkt in die Sozialsysteme einwanderten und vom Staat - also der Solidargemeinschaft - unterstützt wurden. Zuwanderer mit vielen Kindern können - ebenso wie Deutsche - über Sozialleistungen ein Familieneinkommen erzielen, das nahe oder sogar über dem Erwerbseinkommen eines arbeitenden Bürgers liegt", sagte Steinbrück. Das schaffe eine gefährliche Schieflage. Manche Zuwanderer könnten sogar Geld an Angehörige in der alten Heimat überweisen. Das seien Fehlanreize, die sich Einwanderungsländer wie Kanada oder Australien nicht leisteten.

anr/dapd

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  • Montag, 15.11.2010 – 09:49 Uhr
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