Partei-Vize Schäfer-Gümbel "Wissen nicht, was die SPD will"

Die SPD fuhr bei der Landtagswahl in Hessen eine heftige Niederlage ein. Wahlverlierer Schäfer-Gümbel übt nun Kritik am Bundesvorstand - und fordert einen Linksschwenk für seine Partei.

Thorsten Schäfer-Gümbel
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Thorsten Schäfer-Gümbel


Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel hat seine Partei aufgefordert, erkennbare Positionen zu beziehen, um wieder attraktiver für die Wähler zu werden. "64 Prozent der Menschen im Land sagen, sie wüssten nicht mehr, wofür die SPD noch steht", sagte Schäfer-Gümbel dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

"Wir haben ja tatsächlich in vielem keine erkennbare Position. Nicht mal im Parteivorstand." Das müsse sich schnellstens ändern, forderte Schäfer-Gümbel, dessen Partei vergangene Woche bei der Hessen-Wahl starke Verluste einstecken musste. Am Sonntag und Montag beraten die Spitzengremien der Bundes-SPD in Berlin über die künftige Strategie.

Auch wenn viele Menschen "nicht mehr wissen, was die SPD will", habe die Partei dennoch ein großes Wählerpotenzial. "80 Prozent wären grundsätzlich bereit, die Sozialdemokratie zu wählen. Sie brauchen nur mal einen guten Grund, und den gibt es eben nicht wirklich", sagte Schäfer-Gümbel.

Schärfere Attacken und Pöbeleien gegen die Union würden das Problem der SPD kaum lösen. Die Partei müsse "auf die vernichtenden Zahlen" inhaltlich antworten. Der SPD-Vize forderte eine Erbschaftsteuerreform, um Bildung zu bezahlen, und eine Vermögensteuer, um die Pflege finanzieren. Damit könne verhindert werden, dass die Schere zwischen Arm und Reich sich immer weiter öffne und die Ungleichverteilung von Vermögen immer krasser werde.

"Lassen wir zu, dass die Schere zwischen Arm und Reich sich immer weiter öffnet und die Ungleichverteilung von Vermögen in unserer Gesellschaft immer krasser wird? Oder trauen wir uns endlich, Springer-Presse und Superreiche bei dem Thema zu verprellen und die Einnahmen dann einzusetzen für Bildungsausgaben oder um endlich schlecht bezahlte Dienstleistungsberufe kraftvoll und spürbar aufzuwerten?" Diese Frage müsse die SPD nun beantworten.



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tin/Reuters

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insgesamt 67 Beiträge
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Worldwatch 03.11.2018
1. Klar ist nur, wofür die alte Tante SPD mal stand
SPD war mal eine politische Vertretung der Arbeiter und Angestellten und Kleinbuerger. Seit geraumer Zeit bis heute vertritt sie diese Interessen eben nicht mehr. Im Gegenteil. Dann brauchen die Wähler eben einen interessenausgerichteten Ausweich, ein Parteisubstitut. Und der sieht Links oder Alternativ aus.
trex#1 03.11.2018
2.
Doch, die SPD hat sehr wohl erkennbare Positionen. Ehe für alle, Umleitung von Steuergeldern für europäische Arbeitslose, Gründung eines europäischen Staates, in dem Deutschland aufgeht, weiterhin ungesteuerte Migration zulasten der hart arbeitenden Menschen, höhere Belastung gut verdienender Facharbeiter etc. Wenn die SPD glaubt, mit einer Handvoll Euro mehr Mindestrente die Massen zu gewinnen, ist das völlig naiv. Bei der Hessenwahl verlor die SPD 297.000 Stimmen, davon an die Linke nur 25.000, aber insgesamt 187.000 nach rechts. Links sind kaum Stimmen zu gewinnen.
RalfHenrichs 03.11.2018
3. Man hat ja gesehen,
als es so aussah, als würde Schulz zu Beginn seiner Kanzlerkandidatur einen wirklich linken Wahlkampf führen, gingen die Umfragewerte für die SPD quasi durch die Decke. Als Schulz dies wieder zurücknahm und Schröder auf dem Parteitag reden durfte, fielen die Umfragewerte noch tiefer als sie zu Beginn gestartet waren. Insofern ist dies der richtige Weg. Nur braucht man dann auch noch Personen, die diese Positionen glaubwürdig vertreten können.
freidenker49 03.11.2018
4. Richtig,
aber links von derzeit SPD gibt es schon eine Partei. Und die angeblich rechte AfD stellt ihr Programm auf rechts-links um.
skywalkerffm 03.11.2018
5. Wer hat denn allers versucht, nach der Wahschlappe der Bundestagswahl die SPD in diese unsagliche GrKo zu drängen?
Doch mit als allererstes TSG! Jetzt bekommt er dafür die Quittung und heult wie ein Mädchen, die Partei müsse mehr Profil zeigen. Wäre er den Visionen von Juso-Chef Kühnert gefogt, und hätte sich gegrn die Große Koalition im Bund entschieden, wäre TSG jetzt Ministerpräsident von Hessen. Aber dafür hätte er ja eine eigene Meinung haben, und diese gegen Pateivorsitzende Nahles begründen müssen! Das kann man von einen Führungsmitglid der SPD heutzutage wohl nicht erwarten. Traurig.
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