Kampf um den Vorsitz Udo Schmitz will auch SPD-Chef werden

Erst Simone Lange, dann Dirk Diedrich, jetzt will auch ein Rechtsanwalt aus Stadland bei Bremerhaven Andrea Nahles bei der Kandidatur um den SPD-Vorsitz herausfordern. Sein Landesverband hat dazu allerdings eine klare Haltung.

SPD-Symbolbild (von Udo Schmitz gibt es keine verfügbaren Bilder)
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SPD-Symbolbild (von Udo Schmitz gibt es keine verfügbaren Bilder)


Ist der Kampf um den SPD-Parteivorsitz bereits entschieden? Wenn es nach Udo Schmitz aus Stadland bei Bremerhaven geht, dann nicht. Der 59-jährige Rechtsanwalt will gegen Andrea Nahles antreten. Dies hat er am Mittwoch in einem Brief an den SPD-Vorstand angekündigt.

Er könne nicht mit ansehen, "wie der komplette Parteivorstand die SPD im freien Fall abstürzen lässt", heißt es in dem Schreiben. "Anscheinend habt Ihr komplett jegliche Form von Bodenhaftung verloren." Zunächst hatte die "Bild"-Zeitung über die Pläne des Lokalpolitikers berichtet.

Schmitz hat früher für verschiedene SPD-Politiker wie Hans-Jochen Vogel und Renate Schmidt gearbeitet. "Der Fisch fängt immer am Kopf an zu stinken", sagte Schmitz über die Parteiführung, "deswegen muss man da oben anfangen." Die Niedersachsen-SPD unterstützt Schmitz' Kandidatur allerdings nicht. "Der Landesverband unterstützt Andrea Nahles", sagte der Sprecher der Landes-SPD, Axel Rienhoff, der Deutschen Presse-Agentur.

Neben seiner Bewerbung als Bundesvorsitzender beantragte Schmitz zugleich, die SPD-Satzung zu ändern und damit jeder Wahl zum Parteichef ein obligatorisches Mitgliederbegehren voranzustellen. Vor Schmitz hatten bereits die Bürgermeisterin von Flensburg, Simone Lange, und ein Berufsschullehrer aus Dithmarschen bekanntgegeben, dass sie sich ebenfalls um den Parteivorsitz bewerben wollen.

mja/dpa



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jejay 14.02.2018
1. Prearranged
Der Grund, dass das hier in Deutschland eine Meldung wert ist, ist dass solche Posten nicht ernsthaft basisdemokratisch ausgehandelt werden, sondern prearranged sind. Daher mutet es absurd an, was eigentlich ganz normal sein sollte: Ein Kandidat (ein aussichtsloser) meldet sich für eine Wahl an. Ich kann verstehen dass die leute Politikverdrossen, wenn alle Posten durch langjährige Parteisoldatenlaufbahnen und dem Austausch von Gefallen ausgehandelt werden. In den USA wäre es völlig absurd, wenn der Demokraten-Bundesverband New York stellung dazu nimmt, welchen Präsidentschaftskanditaten er untzerstützt. Hier traut sich nichtmal jemand sich als Gegenkandidat aufzustellen ohne implizit als Nestbeschmutzer zu gelten. Das System des Posten-hin-und-her-schiebens macht es auch unheimlich schwer für Quereinsteiger fuß zu fassen. Nahezu jeder Ministerkandidat hat all seine Erfahrung in Ministerien und Parteiarbeit gesammelt. Das ist nahezug weltfemd. Ich bin kein Freund der AfD, aber alleine dadurch, dass es sie noch nicht so lange gibt, findet man dort sehr viel mehr Leute mit interessanten Lebensläufen mit Erfahrung aus der echten Welt.
gammoncrack 14.02.2018
2. Man kommt ja überhaupt nicht mehr hinterher mit der
Beschäftigung mit den Bewerbern. Gott sei Dank ist dem mit der jetzigen Mitgliederanzahl eine natürliche Grenze gesetzt. Das lässt hoffen.
fvaderno 14.02.2018
3. Gegen die Parteispitze zu argumentieren ...
... das hat sicher Berechtigung. Aber ob dies als Befähigung zu einer solchen Aufgabe genügt?
kuestenvogel 15.02.2018
4. Grundsätzliches Problem seit Jahrzehnten
Unabhängig von der Partei, die Piraten hatten vielleicht eine Vision, beginnt der Machtkampf bereits auf Kreisebene. Politikinteressierte halten sich nach den ersten Versuchen fern, wenn sie keine Ellenbogenkämpfer/-Schleimer sind. Schade, dass Kompetenz nicht zählt. Ich finde es somit sehr gut, dass "No-Name-Politiker" dieses Problem jetzt zumindest im Ansatz auf der politischen Bühne aufzeigen.
hansriedl 15.02.2018
5. "Wir werden nicht verschwinden in dieser Regierung"
Weg vom Berliner SPD-Personalchaos nach NRW: Nahles versucht an Aschermittwoch vergeblich, die Genossen mitzureißen. Selbst als die designierte Parteichefin eine merkelsche "Göttinnendämmerung" ausruft, ist die Begeisterung verhalten. Olaf Scholz, ganz langsam Tschüs von Hamburg. Beim Neujahrsempfang der Hamburger Sozialdemokraten sagt Bürgermeister Scholz nichts zu seinen Wechselplänen nach Berlin, lässt daran aber wenig Zweifel, er will Fr. Nahles beerben.
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