Dreierbündnis Spitzen von SPD und FDP werben für Ampelkoalition

Wer mit wem nach der Bundestagswahl? Führende Politiker von SPD und FDP sprechen sich im SPIEGEL für eine gemeinsame Koalition mit den Grünen aus.

SPD-Chef Schulz, Vorgänger Gabriel
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SPD-Chef Schulz, Vorgänger Gabriel


In die Debatte über mögliche Regierungskonstellationen kommt Schwung. Sowohl SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz als auch der frühere Parteichef Sigmar Gabriel haben in den eigenen Reihen klar betont, dass eine Ampelkoalition ihr präferiertes Bündnis nach der Bundestagswahl ist.

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Heft 14/2017
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Unterstützung bekommen sie dabei von einflussreichen Bundestagsabgeordneten. "Die Ampelkoalition passt für uns am besten, weil die Gemeinsamkeiten mit Grünen und FDP am größten sind", sagte SPD-Fraktionsvize Carsten Schneider dem SPIEGEL.

"Wir führen zwar keinen Koalitionswahlkampf", sagte auch sein Kollege Sören Bartol, die Partei sollte aber alle Gesprächskanäle offen halten. "Das gilt besonders auch für Grüne und Liberale." (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

"Die Ampel funktioniert in unserem Land sehr, sehr gut"

In Rheinland-Pfalz, wo SPD, Grüne und FDP gemeinsam regieren, läuft seit einem Jahr der Test für ein Ampelbündnis Bund. Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) betonte gegenüber dem SPIEGEL, sie könne die Dreierkonstellation als Modell für die Republik durchaus empfehlen: "Die Ampel funktioniert in unserem Land sehr, sehr gut. Wir zeigen, dass gerade das Zusammenspiel unterschiedlicher Positionen eine konstruktive und zukunftsfähige Politik ermöglicht." Dreyer weiter: "Natürlich kann das auch eine Möglichkeit für die Bundesebene sein."

Ganz anders als in der Vergangenheit, als die Liberalen die Ampel noch kategorisch ausgeschlossen hatten, werben nun auch führende FDP-Politiker für ein Bündnis mit SPD und Grünen.

"Die Ampelkoalition treibt mir keine Schweißperlen auf die Stirn", sagt Parteivize Wolfgang Kubicki. Ein Bündnis mit der Union hält er nach den Erfahrungen der letzten schwarz-gelben Koalition im Bund für schwierig: "Die Union ist unser größter politischer Konkurrent im Wählermarkt, und so behandelt sie uns auch."

Der Europaabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff ging im SPIEGEL sogar noch weiter: "Ich persönlich finde, dass die große Zukunftsfrage am sinnvollsten sozialliberal beantwortet wird: Wie erhalten wir unsere wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und organisieren gleichzeitig die Verteilung der Gewinne aus der Globalisierung so, dass die Gesellschaft zusammenhält?"

Für beide Parteien, SPD und FDP, könnte die Ampel-Option Sinn machen. Die SPD entginge so dem Gerede über ein rot-rot-grünes Bündnis mit der Linkspartei, das sie zuletzt im Saarland wohl Stimmen gekostet hat. Die FDP könnte unter Beweis stellen, dass sie sich inzwischen vom früheren Koalitionspartner, den Unionsparteien, emanzipiert hat.

Insbesondere die schwarz-gelbe Koalition im Bund zwischen 2009 und 2013 wurde von den Liberalen als schwere Demütigung durch die Union verstanden. Am Ende der vier gemeinsamen Jahre in der Regierung verlor die FDP bei der nächsten Bundestagswahl fast zehn Prozentpunkte und schaffte es erstmals in ihrer Geschichte nicht in den Bundestag.


Hier können Sie die Frage nach der besten Koalition selbst beantworten. Mehr über die Civey-Methodik erfahren Sie weiter unten in diesem Artikel.

Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 12.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 12.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass viele unterschiedliche Nutzer erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Man kann nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. In unserem Fall heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.
Wer steckt hinter Civey?
Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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Seite 1
mischamai 31.03.2017
1. schon verloren
Also,eine Verbindung mit den Grünen werden ich in keiner Weise unterstützen.Dafür ist mir das Land zu schade um es komplett in Berliner Zustände zu stürzen.Die Grünen haben bei mir restlos jede Sympathie verspielt,aus,vorbei und Ende!
franz.xaver 31.03.2017
2. Seeheimer at their best
Wenigstens sind sie jetzt ehrlich. Bin aber gespannt ob sie jetzt noch ihren Werbegag mit der sozialen Gerechtigkeit weiter verwenden...
Schlaflöwe 31.03.2017
3. wie will denn die SPD mit der
Lobby-Partei der Oberschicht die schlimmsten Steuerungerechtigkeiten beseitigen?
Natan_der_Weise 31.03.2017
4. Prozente?
Soweit ich weiß brauch man für eine Koalition im Bundestag eine Mehrheit und die ist bei den jetzigen Werten eher unrealistisch. FDP befindet sich ungefähr bei 5% und auch die Grünen konnten bisher kaum überzeugen. Ich denke nicht das man die erforderlichen Stimmen erhalten wird, viel mehr wird es auf eine neue GroKo (leider) hinauslaufen.
dreamrohr2 31.03.2017
5.
sollte die SPD mit der FDP eine Koalition tatsächlich bilden wollen, ist diese Partei für mich gestorben und meine bislang mit "ja" bedachte Wahl dieser, kann als Geschichte betrachtet werden. Mit der FDP kann es keine Koalition geben, wenn man soziale Gerechtigkeit erreichen möchte!
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