06. Januar 2013, 17:12 Uhr

Dreikönigstreffen in Stuttgart

Opposition sieht Ende der Ära Rösler

Philipp Rösler ist schwer angeschlagen - und ein dankbares Ziel für Angriffe aus der Opposition. Grüne und SPD sehen im Dreikönigstreffen eine Abschiedsveranstaltung für den FDP-Chef. Rösler, so die Opposition, werde spätestens nach der Landtagswahl in Niedersachsen abgelöst.

Berlin/Stuttgart - Die FDP bereitet sich nach Einschätzung von SPD und Grünen auf den Abgang von Parteichef Philipp Rösler vor. "Nach dem Dreikönigstreffen ist klar: Philipp Rösler wird nach der verlorenen Niedersachsen-Wahl schnell abgelöst", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann. Neuer "Übergangs-Parteivorsitzender" werde wohl FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle, der "die Scherben der jungen Garde aufzusammeln" habe.

Die Grünen teilen diese Einschätzung. "Stuttgart ist die Abschiedsveranstaltung für Rösler. Seine Tage und die der FDP sind gezählt", sagte Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. Die aufmunternden Worte für Rösler bei dem Treffen seien "an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten". Die Liberalen hätten im Umgang mit Rösler jeden Anstand vermissen lassen.

Nach heftiger innerparteilicher Kritik an Rösler hatte ihm die Parteispitze in Stuttgart größtenteils den Rücken gestärkt. Allerdings hatte es auch Kritik gegeben, besonders Entwicklungsminister Dirk Niebel rechnete mit der Parteiführung ab. Eine direkte Ablösung Röslers forderte er aber auch nicht.

In Stuttgart trat die Nervosität der Partei offen zutage. Rösler rief seine parteiinternen Kritiker zur Ordnung und warnte sie davor, die Chancen der FDP bei der Niedersachsen-Wahl zu gefährden. Die Abstimmung am 20. Januar gilt auch als entscheidend für Röslers Zukunft an der Parteispitze. Sollte die FDP den Einzug in den Landtag verpassen, gilt sein Rücktritt als kaum noch zu vermeiden. Für den Fall, dass Rösler auch bei einer Pleite weitermachen sollte, erwägen mehrere FDP-Landesverbände offenbar, nach der Niedersachsen-Wahl einen Sonderparteitag einzuberufen.

In seinem Redemanuskript hatte Rösler ursprünglich eine schärfere Mahnung formuliert. Dort war von der "Profilierungssucht Einzelner" die Rede, die die Wahlaussichten der FDP gefährde. In seiner Ansprache griff Rösler diese Formulierung aber nicht mehr auf, mit der er auf den offenen Streit der vergangenen Tage über seine Führungsqualitäten anspielte.

ulz/dpa/dapd


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