Kanzlerkandidatur: SPD-Landeschefs stützen Urwahl-Vorstoß von Gabriel

Es wäre ein interessantes Modell: Im Falle mehrerer Bewerber für die Kanzlerkandidatur will SPD-Chef Gabriel die Mitglieder über den Merkel-Herausforderer abstimmen lassen. Seit langem schon treibt ihn dieser Wunsch um - jetzt wächst in den Ländern die Zustimmung.

SPD-Troika aus Steinmeier, Gabriel, Steinbrück: Wer macht das Rennen? Zur Großansicht
REUTERS

SPD-Troika aus Steinmeier, Gabriel, Steinbrück: Wer macht das Rennen?

Berlin - Mehrere SPD-Landesverbände haben den neuerlichen Vorstoß von Parteichef Sigmar Gabriel begrüßt, den SPD-Kanzlerkandidaten im Falle mehrerer Bewerber per Mitgliederentscheid zu bestimmen. "Das ist eine gute Idee", sagte Schleswig-Holsteins Landeschef Ralf Stegner SPIEGEL ONLINE. Ein solches Modell würde der Öffentlichkeit signalisieren, dass die SPD eine stärkere Beteiligung der Mitglieder nicht nur theoretisch beschließe, sondern auch wirklich umsetze. "Ein Mitgliederentscheid über die Kanzlerkandidatur kann einen erheblichen mobilisierenden Effekt haben in Richtung Bundestagswahl."

Ähnlich äußerte sich Stegners bayerischer Kollege Florian Pronold. "Wenn es zwei Kandidaten gibt, ist das sicher eine belebende, innerparteiliche Mobilisierung", sagte Pronold. Nils Schmid, SPD-Landeschef von Baden-Württemberg, sprach sich für einen noch weitergehenden Schritt aus. "Wenn man sich die französischen Sozialisten als Vorbild nimmt, kann man sich überlegen, auch Nicht-SPD-Mitglieder abstimmen zu lassen. Dies gäbe der Volkspartei SPD einen breiteren Resonanzboden."

Einen Mitgliederentscheid im Falle mehrerer Bewerber hatte am Mittwoch Parteichef Gabriel bei einem Auftritt mit Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück zum wiederholten Mal ins Spiel gebracht. Alle drei werden innerparteilich als mögliche Kanzlerkandidaten gehandelt. Vor allem Steinmeier und Steinbrück gelten jedoch als Gegner einer Urwahl. Sie halten das Risiko für zu hoch und fürchten, dass der Verlierer in einem Duell politisch schwer beschädigt wäre.

Stegner sagte, er teile diese Skepsis nicht. "Das Argument ist nicht stichhaltig", sagte er. "Wenn man sagt, der Verlierer wäre später politisch erledigt, würde man das Instrument diskreditieren." Wettbewerb bedeute stets, dass nicht jeder gewinnen könne. "Abstimmungsniederlagen gehören zudem zur politischen Biografie. Sie müssen einen nicht schwächen, sondern können einen auch stärken", so Stegner. Stegner verlor im vergangenen Jahr einen Mitgliederentscheid über die Spitzenkandidatur in Schleswig-Holstein. Seine Funktion als Landeschef konnte er jedoch behalten.

vme

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insgesamt 10 Beiträge
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1. echt gut!
explorer 2 26.04.2012
endlich mal eine gute Nachricht bei den Sozis. die Genossen wählen dann ihren Vorsitzenden Sigi-Pop zum Kanzlerkandidaten mit der sicheren Gewissheit, dass unser Schaumschläger nicht über 25% kommt.
2. SPD, die Partei der neuen Mitte.
naklar? 26.04.2012
Pech gehabt; die Mitte schrumpft ständig (dank eurer grandiosen Vorarbeit). Bald nur noch Bodensatz oder Top als mögliche, gesellschaftliche Alternativen. Keine Sorge, die meisten Arbeitnehmer sind inzwischen aufgewacht. Die SPD dürfte wohl die 2te Adios-Amigos_Partei nach der FDP werden. Es war schön mit euch, aber jetzt reichts!!! Also was braucht Ihr noch einen KK.
3.
meinmein 26.04.2012
Ja, so funktioniert Demokratie! Die Mitglieder abstimmen lassen! (Zumindest dann, wenns eh wurscht ist, weil Mutti es wieder wird.)
4. Die schein Sozen!
unixv 26.04.2012
haben mit dem S in SPD doch nichts mehr am Hut! Die drei von der Zankstelle wollen sich in ergebener Haltung Frau Merkel unterwerfen! Ganz übel kann einem da werden, zu sehen wie z.B. Steinbrück auf jeder Wirtschaftsmafia-Party seine bezahlten Vorträge hält! Diese SPD ist auf dem allerbesten FDP weg, nach gaaaaaaanzzzz unten! Weg mit den üblen Seeheimern, zurück zu euren Wurzeln SPD, ihr wart mal eine Arbeiter-Partei! von der seid ihr allerdings Meilenweit entfernt! Schröder hat die Sozialverträge gekündigt, und ihr merkwürdigen SpezialDemokraten gebt dieser ehemaligen Volkspartei den Rest! Nie wieder SPD!
5. Na und?
artusdanielhoerfeld 26.04.2012
Zitat von explorer 2endlich mal eine gute Nachricht bei den Sozis. die Genossen wählen dann ihren Vorsitzenden Sigi-Pop zum Kanzlerkandidaten mit der sicheren Gewissheit, dass unser Schaumschläger nicht über 25% kommt.
Dann gibt es eben eine große Koalition aus CDU/CSU und den Piraten.
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