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SPD-Wahlkampfteam: Steinmeiers Mittelstandsexperte löscht seine Internetauftritte

Säuberungsaktion im Netz: Nach SPIEGEL-Informationen hat Multimillionär Harald Christ - im Kompetenzteam von Kanzlerkandidat Steinmeier für den Mittelstand zuständig - seine Internetpräsenzen gelöscht. Sie waren wohl alles andere als sozialdemokratisch.

Hamburg - Die Genossen sind irritiert. Harald Christ, SPD-Mittelstandsbeauftragter im Kompetenzteam des Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier, hat nach SPIEGEL-Informationen eine groß angelegte Säuberungsaktion im Internet durchgeführt. Seit der Nominierung des Multimillionärs Ende Juli galt die Webseite www.belair-constantia.com unter Genossen als Geheimtipp für gehoben-sozialdemokratische Lebensart.

SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier mit Wahlkampfteam: "Under Construction"
DDP

SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier mit Wahlkampfteam: "Under Construction"

Dort offerierte der Multimillionär seine in den Hügeln über Kapstadt in Südafrika gelegene Villa für "kleine kulinarische Events" und "formelle Empfänge" oder als Feriendomizil "mit Butler-Service".

Auch als Location für Werbeaufnahmen sei der weitläufige Besitz mit "tropischem Garten" bestens geeignet. Kurze, mit Lounge-Music unterlegte Videos zeigten exklusive Räumlichkeiten, in denen afrikanische Diener in weißen Handschuhen Champagner umhertragen.

Seit vergangenen Donnerstag aber erscheint auf der Seite nur noch ein stilisierter gelber Notizzettel , auf dem "… under construction" - im Umbau - steht. "Vermutlich weil so ein Lebensstil nicht zu seiner neuen Rolle als Arbeiterführer passt", wie ein Genosse unkt. "Seit meiner Berufung ins Steinmeier-Team", erklärt Christ dazu, "habe ich lernen müssen, dass man als Unternehmer in Deutschland nicht nur Freunde hat. Deshalb habe ich die Belair-Constantia-Seite, wie alle meine privaten Aktivitäten, auch die in Netzwerken wie Xing oder Facebook, bis auf weiteres vom Netz genommen."

Christ ist die vielleicht schillerndste Figur in Steinmeiers Team: 37 Jahre alt, bekennend schwul, Unternehmer, Millionär. Vor wenigen Tagen berichtete SPIEGEL ONLINE über die Diskrepanz zwischen SPD-Wahlprogramm und einer Christ-Äußerung in Sachen Mindestlohn. "Unser Ziel ist ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn, der eine Grenze markiert, unter die Löhne nicht fallen dürfen", heißt es bei der SPD.

Ein solcher aber treibe die Personalkosten derart in die Höhe, dass man auf Dauer nicht um eine Reduzierung der Belegschaft herumkomme - so das gern von Union und FDP benutzte Gegenargument. Branchenübergreifend könnten da einige hunderttausend Arbeitsplätze draufgehen, vermuten sie.

Harald Christ hat sich 2005 zum Mindestlohn geäußert, in einem Aufsatz in dem Buch "Auf der Höhe der Zeit", herausgegeben von Mathias Platzeck, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier. Darin warnt Christ seine Partei ausdrücklich davor, "die Mitte der Gesellschaft" aus den Augen zu verlieren.

Die programmatische Glaubwürdigkeit von Parteien hänge entscheidend davon ab, ob ihre Ideen dem "Prüfstand der Realitäten" standhalten. "Die SPD muss ihre Positionen zu Ende denken", schreibt Christ. "Ich meine, es genügt nicht, lediglich pauschal die CDU-These zurückzuweisen, die Einführung des von der SPD verlangten Mindestlohns werde Hunderttausende von Arbeitsplätzen kosten. Bei einem so sensiblen Thema ist, so meine ich, mehr und vor allem gründliche Recherche gefordert." Im Interview mit der "Rheinischen Post" dagegen stellte Christ jüngst klar: "Ich stehe voll hinter dem SPD-Programm und der Einführung eines Mindestlohns."

sef

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