SPD-Wahlkampfwerbung NDR will Spot mit stotterndem Stoiber verhindern

Die Wahlkampfstrategen der SPD wollen den Auftritt des Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber bei Sabine Christiansen für einen Wahlspot benutzen. Die Talkshow-Moderatorin ist empört und will notfalls gerichtlich dagegen vorgehen.


Kein gelungener Auftritt: Edmund Stoiber bei Sabine Christiansen
DPA

Kein gelungener Auftritt: Edmund Stoiber bei Sabine Christiansen

Hamburg - Wie die "Bild am Sonntag" berichtete, habe der SPD-Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter Matthias Machnig einen Kinospot in Auftrag gegeben, der Ausschnitte vom Auftritt Stoibers in der ARD-Talkshow "Christiansen" enthält. Diese zeigten einen stotternden und sich versprechenden bayerischen Ministerpräsidenten. Einen ersten Rohschnitt des Spots habe Machnig bereits am vergangenen Wochenende im neuen NDR-Medienmagazin "Zapp" präsentiert.

Christiansen äußerte sich gegenüber der "Bild am Sonntag" empört: "Hier wird widerrechtlich ein überparteiisches und unabhängiges Diskussionsforum für den Wahlkampf missbraucht." Sie sehe ihr Recht am eigenen Bild verletzt und habe einen Rechtsanwalt beauftragt, eine Unterlassungserklärung zu erwirken, sagte Christiansen.

Auch NDR-Programmdirektor Jürgen Kellermeier kündigte an, Machnig zu verklagen, wenn dieser für SPD-Wahlkampfzwecke NDR-Material benutze. "Der NDR gibt grundsätzlich keine Ausschnitte aus Sendungen für werbliche Zwecke frei und schon gar nicht für Wahlwerbung. Wenn wir das zulassen, würden wir uns dem Vorwurf aussetzen, uns für parteiliche Zwecke benutzen zu lassen. Das geht nicht", sagte er der Zeitung. Er habe den Justiziar des Senders beauftragt, eine Unterlassungsverpflichtungserklärung der SPD bis Montagnachmittag, 16.00 Uhr zu erwirken.

SPD-Bundesgeschäftsführer Machnig versicherte, dass man selbstverständlich die Persönlichkeitsrechte von Frau Christiansen achten und alle anderen rechtlichen Fragen sorgfältig bedenken werde. Er wolle jedoch nicht darauf verzichten, "Herrn Stoiber mit Original-Ton" vorzuführen, es gebe genügend andere Auftritte des Unions-Kanzlerkandidaten, mit denen sich Wahlkampf für die SPD machen lasse, sagte Machnig.



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