Parteiführung: Wowereit zieht sich aus SPD-Spitze zurück

Klaus Wowereit: "Ganz persönliche Entscheidung" Zur Großansicht
DPA

Klaus Wowereit: "Ganz persönliche Entscheidung"

Klaus Wowereit ist diese Woche 60 Jahre alt geworden - und will in der SPD-Spitze Platz für andere machen. In einem Interview kündigte Berlins Regierender Bürgermeister an, nicht wieder für den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden kandidieren zu wollen.

Berlin - Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit zieht sich aus der SPD-Führung zurück. Er werde beim Parteitag im November nicht mehr als stellvertretender Vorsitzender kandidieren, sagte Wowereit der "Berliner Morgenpost". "Das war eine ganz persönliche Entscheidung, die nichts mit den Ergebnissen des 22. September zu tun hat." Sie sei schon vor der Bundestagswahl gefallen.

Wowereit ist mit mehr als zwölf Amtsjahren derzeit der dienstälteste Ministerpräsident. Es gibt wohl keinen anderen Länder-Regierungschef mit so vielen Facetten - einer, der deswegen oft polarisiert. Vom Tabu-Brecher ist die Rede, der 2001 eine Koalition mit der SED-Nachfolgerin PDS wagte, vom "Regierenden Partymeister", vom profunden Kenner der Haushaltszahlen, vom strengen bis cholerischen Senatschef, vom "Sonnenkönig" (O-Ton Opposition), vom Homosexuellen, der als erster deutscher Spitzenpolitiker den Mut hatte, sich vor seiner Wahl 2001 zu outen. Mit diesem Mix schaffte er es 2005 auch auf das Titelbild des US-Magazins "Time".

Doch nun soll zumindest in der Parteispitze Schluss sein. "Es sind nun mal andere dran, das ist doch auch nicht schlecht." Es handele sich nicht um einen Rückzug aus der Bundespolitik, sagte Wowereit. Als Regierender Bürgermeister sitze er im Bundesrat und nehme auch in Zukunft an Sitzungen der Parteispitze teil. Dort werde er sich weiter in die Debatten einmischen.

Große Skepsis gegen Große Koalition

Kurz vor dem Beginn der Sondierungsgespräche zwischen seiner Partei und der Union am Nachmittag äußerte sich Wowereit, der selbst mit der CDU regiert, skeptisch, ob eine Große Koalition zustande kommen kann. "Was in Berlin funktioniert, lässt sich nicht einfach auf den Bund übertragen." Die Skepsis an der Basis sei groß. Nach dem Ende der letzten Großen Koalition im Bund habe die SPD das schlechteste Bundestagswahlergebnis ihrer Geschichte erlebt. Ein derartiges Bündnis sollte ohnehin die Ausnahme bleiben, sagte der Regierungschef.

Auf Einladung von Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel loten 21 Spitzenpolitiker von CDU, CSU und SPD am Freitagnachmittag die Chancen für eine Große Koalition aus.

SPD-Chef Sigmar Gabriel rief zu gründlichen Verhandlungen seiner Partei mit der Union auf. Dies ginge vor Schnelligkeit, sagte Gabriel der "Süddeutschen Zeitung" unmittelbar vor Beginn der Gespräche. "Aber die Parteien dürfen auch nicht taktieren und die Verhandlungen mutwillig verschleppen." Das Letzte, was die Menschen wollen, sei die Fortsetzung des Wahlkampfs, an dessen Ende Neuwahlen stehen.

Auch Merkel hatte zuvor eine zügige Regierungsbildung angemahnt. "Wir haben eine gemeinsame Verantwortung, eine stabile Regierung zu bilden", sagte sie am Donnerstag bei der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit in Stuttgart. Sie sicherte SPD und Grünen "faire Gespräche" zu.

Die Union hatte bei der Wahl am 22. September die absolute Mehrheit knapp verpasst und ist daher auf einen Koalitionspartner angewiesen. Da die FDP nicht mehr im Bundestag vertreten ist, will die Union zunächst mit der SPD und am kommenden Donnerstag mit den Grünen sprechen. Erst danach will die Union entscheiden, wem sie Koalitionsverhandlungen anbietet.

ler/Reuters/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 55 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
bert1966 04.10.2013
Kein Wunder: Herr Wowereit kann ja auf ein "erfülltes politisches Leben" zurückblicken. "Leistungen" wie der Neubau des Berliner Flughafens werden auf ewig mit seinem Namen verbunden bleiben !
2.
bert1966 04.10.2013
@SPON: wie praktisch: die letzten Absätze des Artikels liessen sich gleich nochmal in einem anderen Artikel nutzen. DAS ist effizienter Journalismus !
3. Wowereit konzentriert sich...
Adrianstein 04.10.2013
Zitat von sysopKlaus Wowereit ist diese Woche 60 Jahre alt geworden - und will in der SPD-Spitze Platz für andere machen. In einem Interview kündigte Berlins Regierender Bürgermeister an, nicht wieder für den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden kandidieren zu wollen. SPD: Wowereit zieht sich aus der Partei-Spitze zurück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-wowereit-zieht-sich-aus-der-partei-spitze-zurueck-a-926020.html)
...wohl ganz auf seine besonderen Aufgaben im Aufsichtsrat der Berlin-Brandenburgischen Flughafengesellschaft. Das fordert ihn total. Nachvollziehbar, dass Windbeutel fliegen wollen. Und doch nicht können.
4. Und das ist auch gut so,
Alfred Ahrens 04.10.2013
was haben die Berliner auf diesen Tag gewartet ! Hoffentlich ist er auch in Berlin bald nicht mehr Regierender Bürgermeister damit diese Stadt endlich voran kommt und nicht mehr vom Rest der Republik finanziert werden muss. Auf alle Fälle fängt jetzt das Ende der Party an !
5.
rieberger 04.10.2013
Zitat von sysopKlaus Wowereit ist diese Woche 60 Jahre alt geworden - und will in der SPD-Spitze Platz für andere machen. In einem Interview kündigte Berlins Regierender Bürgermeister an, nicht wieder für den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden kandidieren zu wollen. SPD: Wowereit zieht sich aus der Partei-Spitze zurück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-wowereit-zieht-sich-aus-der-partei-spitze-zurueck-a-926020.html)
Spät, viel zu spät. Man trägt Verantwortung, baut Mist, will sagen einen Flughafen und - tritt zurück. Die Brocken bleiben liegen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Deutschland nach der Bundestagswahl
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 55 Kommentare