Nach Gabriels Besuch in Heidenau SPD-Zentrale musste wegen Bombendrohung geräumt werden

Er nannte die rechten Randalierer von Heidenau "Pack": Nach dem Besuch von SPD-Chef Gabriel in Sachsen schlägt der Partei eine Hasswelle entgegen. Vorübergehend musste die Parteizentrale in Berlin wegen einer Bombendrohung evakuiert werden.

Willy-Brandt-Haus in Berlin: Räumung nach einer Bombendrohung
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Willy-Brandt-Haus in Berlin: Räumung nach einer Bombendrohung


Die SPD-Zentrale in Berlin ist wegen einer Bombendrohung vorübergehend geräumt worden. "Das Willy-Brandt-Haus hat heute Nachmittag gegen 15 Uhr eine telefonische Bombendrohung erhalten", sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Die Partei gehe damit mit aller Ernsthaftigkeit um und habe das Haus zum Schutz der Beschäftigten zwischenzeitlich räumen lassen.

Mittlerweile sind die Mitarbeiter nach Angaben einer Parteisprecherin wieder in die Zentrale zurückgekehrt. Bei einer Durchsuchung habe die Polizei nichts Verdächtiges gefunden. Laut einem Bericht der "Berliner Morgenpost" wurde auch das Gebäude des Berliner Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) evakuiert. Dort sei ebenfalls eine Bombendrohung eingegangen, berichtet das Blatt auf seiner Webseite unter Berufung auf die Polizei.

"Seit Sigmar Gabriels Besuch in Heidenau erreicht das Willy-Brandt-Haus eine Flut von Bedrohungen verbunden mit fremdenfeindlicher Hetze", sagte SPD-Generalsekretärin Fahimi. "Wir müssen davon ausgehen, dass es sich um einen rein politischen Akt handelt." Die SPD werde keinen Millimeter von ihrer klaren Haltung abweichen.

Parteichef Gabriel hatte am Montag die Flüchtlingsnotunterkunft im sächsischen Heidenau besucht, vor der es am Wochenende zu Krawallen von Rechtsextremen gekommen war. Er hatte die Ausschreitungen scharf verurteilt und die Akteure als "Pack" bezeichnet. Seitdem sieht sich die SPD-Zentrale mit einer Masse an rassistischen Pöbeleien in Form von E-Mails und Anrufen konfrontiert. "Die Anrufe sind mitunter von einer solchen Hetze, dass unsere Mitarbeiter schockiert sind", sagte eine Parteisprecherin. Bei 14 E-Mails prüfe man eine Anzeige, hieß es.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière warnte davor, den Tätern hinter den Bombendrohungen zu viel Öffentlichkeit zu bescheren. "So schlimm wie das alles ist: Mit dem Aufbauschen all dieser Dinge machen wir die interessant, die so etwas tun", sagte der CDU-Politiker in Magdeburg. Es sei "supereinfach", ans Telefon zu gehen und eine solche Drohung auszusprechen. Dann müsse ernsthaft gehandelt werden, sagte de Maiziere.

kev/flo/dpa/Reuters

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