Spekulationen um Ministerablösung Kanzlerin rettet "Problembär" Glos

Er ist Merkels schwacher Mann im Kabinett: Schon machten Gerüchte über die Ablösung des Wirtschaftministers die Runde. Doch nun erhielt Michael Glos, der sich selbst mit Problembär Bruno verglich, Rückendeckung von der Kanzlerin.

Von , München


München - Der Vergleich ging kräftig daneben. "Der Bär ist seinen Häschern bisher auch stets entkommen", sagte Michael Glos (CSU) am Wochenende zu Spekulationen, er werde als Wirtschaftsminister abgelöst. Mehr noch, grinste Glos schelmisch, Bayerns sogenannter "Problembär" Bruno habe "beim Publikum sogar Sympathien gewonnen".

Angela Merkels schwächster Mann: Michael Glos
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Angela Merkels schwächster Mann: Michael Glos

Wenige Stunden nach dieser Glos-Äußerung trafen Bär Bruno in der Nähe des bayerischen Spitzingsees die todbringenden Kugeln aus den Gewehren dreier Jäger.

Seit Anbeginn der Großen Koalition in Berlin ist der standhafte Müllermeister Michael Glos aus Unterfranken für Medien und Opposition der Buhmann im Kabinett Merkel. Anfangs stellte er sich selbst ein Bein, verwendete etwa eine falsche Zahl beim prognostizierten Wirtschaftswachstum.

"Problembär der Regierung"

Dann schoss sich auch die Opposition auf Merkels schwächsten Mann ein: Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn bezeichnete Glos jüngst als "Konjunkturrisiko". Und FDP-Fraktionsvize Rainer Brüderle lieferte die Vorlage mit dem durchs deutsch-österreichische Grenzgebiet streunenden Bären: "Manche sehen in Michael Glos ja schon den Problembären der Regierung, so eine Art Bruno der deutschen Volkswirtschaft."

Darauf die "Bild"-Zeitung: "Der glücklose Glos - droht ihm bald der Abschuss?" Selbst der Koalitionspartner schreckte nicht mehr vor Kritik zurück. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil fragte rhetorisch: "Wer ist eigentlich Wirtschaftsminister in diesem Land?" Am vergangenen Wochenende berichtete die "Wirtschaftswoche", der glücklose Glos solle "nach dem Willen von hohen CSU-Funktionären bald abgelöst werden".

Da bäumte sich die CSU unisono auf: "Das ist der allergrößte Blödsinn aller Zeiten", sagte CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer, Glos habe das "volle Vertrauen der CSU". Und CSU-Generalsekretär Markus Söder assistierte gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Die gesamte Partei steht voll und ganz hinter Michael Glos." Nach sieben Jahren rot-grüner Regierung stehe Glos "für mehr Wachstum und mehr Arbeitsplätze".

CSU: "Da versucht jemand, ein Spiel zu treiben"

Neben Bayerns Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU) handelt Glos für die Christsozialen die kommende Steuerreform in der Großen Koalition aus. Deshalb "wäre die CSU schlecht beraten, einen ihrer Hauptverhandler zu beschädigen", sagte Georg Fahrenschon, junger CSU-Bundestagsabgeordneter zu SPIEGEL ONLINE. "Wir sind sauer, weil da jemand versucht, ein Spiel zu treiben", so Finanzpolitiker Fahrenschon, der in der CSU zu den Zukunftshoffnungen zählt.

Erstaunlich, dass die Bundeskanzlerin lange wartete, ehe sie die Ablösegerüchte um Michael Glos öffentlich beendete. Georg Fahrenschon forderte sie am Mittag gegenüber SPIEGEL ONLINE sehr deutlich dazu auf: "Es wäre an der Zeit, dass Frau Merkel dem Spuk ein Ende bereitet."

Als Merkels Sprecher Ulrich Wilhelm dann kurz darauf die Gerüchte endlich als "abwegige Spekulationen" bezeichnete und Glos den Rücken stärkte ("Er leistet hervorragende Arbeit in einem sehr schwierigen Spannungsfeld"), atmeten die Christsozialen in der Münchner Parteizentrale auf.

Personell nicht wackeln

Denn für die CSU als kleinstem Koalitionspartner in Berlin ist es schon schwer genug, das eigene Profil deutlich zu machen. Am Rande eines Kleinen Parteitags am Samstag in Amberg etwa sagte die CSU-Bundestagsabgeordnete Ilse Aigner, "unsere Leute" seien "nur sehr halbherzig zufrieden". Und wenn sich die bayerische Partei schon inhaltlich nicht klar erkennbar positionieren kann, darf sie im personellen Bereich erst recht nicht wackeln: Glos darf nicht fallen.

Parallel will die CSU jetzt auf ihre Linie achten. Vergangene Woche wurde dies beim unionsinternen Streit ums Ehegattensplitting überdeutlich. Während in der CDU eine Überführung dieses Steuersparmodells in eine Art Familiensplitting diskutiert wurde, machte die CSU sofort dicht: Von christsozialem Kernelement und absolutem No-Go war die Rede.

Zwar werden die Probleme des Wirtschaftsministers Glos im inneren Parteizirkel diskutiert, doch darf davon nichts nach außen dringen. Immerhin gab Michael Glos im vergangenen Jahr den Lückenbüßer für Parteichef Edmund Stoiber, er übernahm jenen Berliner Ministersessel, den Stoiber in letzter Minute ausschlug. Deshalb betonen CSU-Führungsakteure, dass man "dem Michel noch Zeit lassen müsse", dass es sich beim Wirtschaftsministerium um "schwieriges, glanzloses Terrain" handele: Dort gehe es nicht um "harte Kompetenzen, sondern um Emotionen und Gefühle". Und das sei eben schwieriger. Für jeden.



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