Spekulationen um Roland Koch: Schäuble-Nachfolger im Wartestand

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Wie angeschlagen ist der Finanzminister? Wochenlang hatte Wolfgang Schäuble mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, nun zeigt er wieder Präsenz. Trotzdem gibt es Spekulationen, ob der CDU-Politiker auf Dauer die Kraft für sein Amt hat. Als Nachfolger steht angeblich Roland Koch bereit.

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Roland Koch lauert: Steht er als Schäuble-Nachfolger bereit?

Berlin - Roland Koch geht nach Berlin. Dieses Gerücht wird in der Hauptstadt in schöner Regelmäßigkeit immer dann aufgewärmt, wenn dort einflussreiche Posten zu verteilen sind. Der Hesse galt schon als potentieller Kanzlerkandidat, als Kronprinz der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel, als heißer Ministeranwärter, als künftiger EU-Kommissar.

Geworden ist daraus nie etwas, auch nicht, als er im Herbst während der Koalitionsverhandlungen mit der FDP aussichtsreich für das Finanzressort im Gespräch war. Am Ende übernahm Wolfgang Schäuble den Job - und Beobachter lobten das als klugen Schachzug der Kanzlerin.

Doch jetzt ist Roland Koch wieder im Spiel. Angeblich. Wenn man dem Raunen im Berliner Regierungsviertel ein wenig Glauben schenkt.

Wieder geht es um das Amt des Bundesfinanzministers. Koch wird als möglicher Nachfolger Schäubles gehandelt, sollte dieser nicht mehr die Kraft für seine Aufgabe haben.

Schäuble, 67, kämpft seit Wochen mit gesundheitlichen Problemen. Er hat sich nach einer Routineoperation offenbar übernommen, gegen den Rat der Ärzte zu früh das Krankenhaus verlassen. Die Wunde brach wieder auf, der CDU-Politiker musste erneut in die Klinik. Mitten in der dramatischen Euro-Krise war der wichtigste Minister in Angela Merkels Kabinett ans Bett gefesselt, musste zu einigen wichtigen internationalen Konferenzen seinen Staatssekretär als Vertreter schicken.

Seitdem wird häufiger, auch in den Reihen der schwarz-gelben Koalition, mehr oder weniger verschämt die Frage in den Raum gestellt, ob Schäuble seinem Amt auf Dauer gewachsen ist. An seiner Kompetenz besteht nicht der geringste Zweifel. Aber hat Schäuble, seit dem Attentat auf ihn im Jahr 1990 querschnittsgelähmt, auch die physischen Reserven für das, was da noch auf ihn zukommt: eine Führungsrolle bei der Bewältigung des Griechenland-Dramas zu übernehmen; die Haushaltskonsolidierung voranzutreiben?

Pointierte Interviews des Finanzexperten

An dieser Stelle fällt der Name Roland Koch. Müsste Schäuble passen, weil sein Körper in den kommenden aufreibenden und zehrenden Wochen und Monaten erneut aufbegehrt, stünde Hessens Ministerpräsident bereit, so die Lesart.

Tatsächlich war auffällig, dass sich Koch in diesen Tagen sehr pointiert zur Griechenland-Krise zu Wort gemeldet hat. Am Donnerstag war der CDU-Vize zunächst mit einem Interview in der "Berliner Zeitung" und der "Frankfurter Rundschau" vertreten - während am gleichen Tag in einem "Stern"-Kommentar zu lesen war, in der Union werde getuschelt, dass sich Koch bereithalte, "ihn (Schäuble) im Notfall zu ersetzen". Am Freitag dann folgte ein weiteres Koch-Gespräch im "Handelsblatt".

Die Aussagen des Ministerpräsidenten lassen sich durchaus als kleine Spitzen gegen das Krisenmanagement der Bundesregierung interpretieren. Die Geduld der Märkte dürfe man nicht überstrapazieren, mahnte Koch da. "Jeder Tag, den wir nicht sagen, ob wir helfen oder nicht, ist ein schöner Tag für die Spekulanten." Im Begleittext merkte die Wirtschaftszeitung noch an, dass der Gesprächspartner "längst als Bundesfinanzminister in Wartestellung" gelte.

Die Wiesbadener Staatskanzlei winkt ab. Offiziell will man solche Spekulationen nicht kommentieren. Das Koch-Lager verweist darauf, dass die Wortmeldungen des hessischen Regierungschefs völlig normal seien. Schließlich gehörten die Wirtschafts- und Finanzpolitik schon immer zu dessen besonderer Kompetenz.

Das ist nicht von der Hand zu weisen - allerdings auch nicht gerade ein Beleg dafür, dass Koch nicht doch nach höheren fachlichen Weihen strebt. Oder einen Ruf nach Berlin ausschlagen würde. In Hessen herrscht schon länger der Eindruck, dass dem Ministerpräsidenten seine Heimat politisch zu klein geworden ist. Vom "lustlosen Landesvater" schrieb die "Frankfurter Rundschau" im Oktober vergangenen Jahres.

Schäuble zeigt wieder Präsenz

In der hessischen Landesgruppe der CDU-Bundestagsabgeordneten wundert sich mancher, warum Koch beim Angebot Merkels, EU-Kommissar in Brüssel zu werden, nicht zugegriffen hat. Seine Familie war dagegen, wird erzählt. Jetzt muss sich Koch daheim mit Affären und Affärchen herumschlagen: Sein Finanz- und sein Innenminister müssen in Untersuchungsausschüssen Rede und Antwort stehen, sein Fraktionsvize im Landtag fiel unangenehm auf, weil dieser angesichts der Berufung Aygül Özkans zur Ministerin in Niedersachsen vor einer Islamisierung Deutschlands warnte.

Wolfgang Schäuble beantwortet die Spekulationen um seine Person in diesen Tagen auf seine Weise. Hatte er sich schon vom Krankenbett aus regelmäßig in Interviews zu Wort gemeldet, startete er Anfang der Woche eine regelrechte PR-Offensive, zeigte Präsenz auf allen Kanälen. Auch die Kanzlerin stellt zufrieden fest, dass ihr Finanzminister rechtzeitig zum Höhepunkt der Griechen-Krise wieder alle Termine persönlich wahrnimmt.

Das kann mal wohl sagen. Am Donnerstag beerdigte er bei einem Auftritt vor dem Handwerksverband für diese Wahlperiode ganz nebenbei die Steuerträume der FDP. Die Botschaft ist klar: Ich bin wieder da. Und Koch muss warten. Womöglich sehr lange.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 84 Beiträge
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1. Welcher Roland Koch?
unente 30.04.2010
Doch nicht etwa der "Schwarze-Kassen-Koch", der "brutalstmögliche Aufklärer"? Noch so ein Finanzalzheimer, der sich nicht an Schwarzgeldkoffer erinnern können will... - aber passt ins Schema, nach dem in der CDU "Finanzexperten" ausgewählt werden.
2. Koch? Der Roland Koch..
ingo w 30.04.2010
der in seinem Land dafür Mitverantwortung trägt das Finanzbeamte nicht gegen Banken und Einzelpersonen ermitteln? Mit diesem brutalstmöglichen Unsympathen macht man sicher genau den richtigen zum Finanzminister!
3. Koch zum Kellner machen
Andreas Heil 30.04.2010
Zitat von sysopWie angeschlagen ist der Finanzminister? Wochenlang hatte der Wolfgang Schäuble mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, nun zeigt er wieder Präsenz. Trotzdem gibt es Spekulationen, ob der CDU-Politiker auf Dauer die Kraft für sein Amt hat. Als Nachfolger steht angeblich Roland Koch bereit. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,692226,00.html
Sehr cool. Die hessischen Finanzbehörden sind ja für griechischen Umgang mit Steuerhinterziehung bekannt. Kommentar: Das Tollhaus beweist, das es lebt. Schönen "Tag der Arbeit".
4. Stinkefinger
Rainer Daeschler 30.04.2010
Roland Koch als Finanzminister? So sieht es aus, wenn die Politik ihren Wählern den Stinkefinger zeigt.
5. Nachfolge
Dr_Lecter 30.04.2010
Zitat von sysopWie angeschlagen ist der Finanzminister? Wochenlang hatte der Wolfgang Schäuble mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, nun zeigt er wieder Präsenz. Trotzdem gibt es Spekulationen, ob der CDU-Politiker auf Dauer die Kraft für sein Amt hat. Als Nachfolger steht angeblich Roland Koch bereit. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,692226,00.html
Klar steht er bereit. Aber will sich die Kanzlerin etwa einen der unbeliebtesten CDU-Politiker ins Haus holen? Noch dazu einen, der an ihrem Stuhl kratzt und dadurch wieder aufgewertet würde? Und was ist mit dem Proporz? Man hat ja extra Frau Köhler / jetzt Schröder als Ministerinnenauszubildende genommen, damit Hessen wieder im Kabinett vertreten ist. Also hoffen wir, dass der Kelch an uns vorübergeht. Ich bin nicht gerade ein Freund der Koalition - und Schäuble war mir als Innenminister (und wegen des von ihm mitzverantwortetem Spendenskandals der CDU) suspekt. Aber als Finanzminister hat er bisher wenigstens der FDP Paroli geboten. Zudem tut er mir leid. Es muss furchtbar sein so gehandicapt zu sein. Ich hoffe, dass es ihm bald besser geht.
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