Betrifft Claudia Roth, Mathematik, Sibirien, Augstein/Dutschke


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Heft 31/2018
Die Özil-Affäre und das Problem mit der Integration

Nach der Kanzlerin ist Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth die größte Hassfigur der AfD und ihrer Anhänger. Hauptstadtkorrespondentin Ann-Katrin Müller wollte daher mit der Grünenpolitikerin darüber sprechen, wie sie es schaffen will, sich nicht von den Rechtspopulisten provozieren zu lassen, obwohl die AfD-Abgeordneten genau dies permanent tun. Keine Zeit, sagte Roths Büro. Keine Lust, der AfD so viel Raum zu geben, erklärte Roth selbst. Am Ende wurden es doch fünf Treffen. "Roth spricht einfach leidenschaftlich gern über Demokratie", sagt Müller, "sie macht sich viele Gedanken darüber, wie sich der Bundestag verändern muss, um wehrhaft zu bleiben."

Müller
Maurice Weiss / OSTKREUZ

Müller


Der junge Bonner Mathematiker Peter Scholze, 30, wird weltweit gefeiert für seine oft verblüffenden Ideen. Er könnte längst auf hoch dotierter Stelle in Paris oder Boston forschen, aber er zieht die rheinische Provinz vor - wo wenig ablenkt, lässt sich umso tiefer grübeln. Verschlafenheit ist für Scholze ein Standortfaktor. Wissenschaftsredakteur Manfred Dworschak traf sich in Bonn mit Kollegen und Wegbegleitern des Zahlenzauberers, der als Jahrhunderttalent gilt. Sie bestätigten ihm, dass der Meister seine Theorien komplett im Kopf entwerfe; er mache sich nicht einmal Notizen. "Schon allein das Aufschreiben stört ihn offenbar beim Denken", sagt Dworschak, der wiederum bei Interviews nie ohne Block und Stift unterwegs ist.


Was passiert mit einem gewöhnlichen Bürger, der in Putins Russland aufbegehrt? Igor Wostrikow, 31, ein Schuhhändler aus dem sibirischen Kemerowo, hat das versucht. Sein Antrieb: die Wut. Beim Brand eines Einkaufszentrums Ende März verlor Wostrikow seine Familie. Erst gab er Präsident Putin die Schuld, dann "dem System", dann ging er in die Lokalpolitik - ausgerechnet auf der Liste der Regierungspartei. SPIEGEL-Redakteur Timofey Neshitov hat Wostrikow in Kemerowo und im Urlaub auf der annektierten Krim begleitet. "Er ist unheimlich stark in seinem Umgang mit Schmerz", sagt Neshitov. "Aber auch verunsichert, von Selbstzweifeln geplagt und misstrauisch." Bei einem gemeinsamen Badeausflug fragte Wostrikow den Reporter: "Warum hat mich der SPIEGEL kontaktiert? Haben mich auch deutsche Geheimdienste auf dem Radar?"


Rudi Dutschke (l.), Rudolf Augstein (1967)
AP

Rudi Dutschke (l.), Rudolf Augstein (1967)

Manchmal liefern Recherchen Antworten auf Fragen, die man gar nicht gestellt hat. SPIEGEL-Mitarbeiter Michael Sontheimer wollte beim Berliner Landesarchiv die Akten des Berliner Verfassungsschutzes über sich selbst und andere Gründer der "taz" einsehen. Die Akten waren offenbar vernichtet, aber das Landesarchiv bot ihm Teile der Verfassungsschutzakte über Rudi Dutschke an, den Kopf der Studentenbewegung von 1968. Sontheimer fand Beweise dafür, dass SPIEGEL-Gründer Rudolf Augstein nach dem Attentat auf Dutschke diesen drei Jahre lang finanziell unterstützt hat. Hauke Janssen, Leiter der SPIEGEL-Dokumentation, steuerte aus den Tiefen des Hausarchivs den bislang unbekannten Briefwechsel zwischen Augstein und Dutschke bei. "Der Austausch zeigt: Die beiden hatten nicht nur den Vornamen Rudolf gemeinsam, sondern waren sich - trotz klarer politischer Unterschiede - in Sympathie zugetan", sagt Sontheimer.

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