Spionageverdacht BND sucht nach weiteren Maulwürfen

Der Spionagefall beim BND sorgt für große Nervosität. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE lässt Chef Schindler seinen Dienst nach weiteren Spitzeln durchsuchen. Der zweite Maulwurf-Verdacht im Wehrressort bleibt undurchsichtig.

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Bundesnachrichtendienst: Gab es noch mehr Maulwürfe?
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Bundesnachrichtendienst: Gab es noch mehr Maulwürfe?


Berlin - Als Reaktion auf die mutmaßlichen Spionagefälle hat der Bundesnachrichtendienst (BND) nach Informationen von SPIEGEL ONLINE eine umfangreiche Suche nach möglichen weiteren Maulwürfen in den eigenen Reihen gestartet. BND-Präsident Gerhard Schindler informierte am Mittwoch das Kontrollgremium des Bundestags, dass er für seinen Dienst eine Prüfung auf Auffälligkeiten im internen Datensystem angeordnet hat.

Die neue Recherche kann laut Schindler Monate dauern. Sie illustriert die Nervosität beim Dienst nach der Entdeckung eines mutmaßlichen Spions, der über zwei Jahre unentdeckt geheime Dokumente aus seiner Fachabteilung mitnahm, zu Hause einscannte und dann gegen Lohn an einen US-Kontaktmann weiterverkaufte. Der Fall hat die wohl schwerste Belastungsprobe der deutsch-amerikanischen Beziehungen ausgelöst.

Nun will Schindler auf Nummer sicher gehen - schon jetzt ist die Affäre für seinen Dienst peinlich genug. Bei der Suche in den eigenen Reihen soll eine Ermittlergruppe der Frage nachgehen, ob sich möglicherweise weitere Spione Zugang zu geheimen Dokumenten verschafft haben, diese aus dem System heruntergeladen oder ausgedruckt haben. In Nachrichtendienstkreisen wurde betont, bisher habe man nur nach Spionen der Russen oder Chinesen gesucht. Der neue Fall erweitere den Blick aber nach Westen.

Rein technisch ist die Suche aufwendig, aber möglich. Wer ins BND-System eingeloggt ist, dessen Schritte sind - auch im Nachhinein - genau nachvollziehbar. Theoretisch kann jeder Klick der 6000 Mitarbeiter rekonstruiert werden. Hätte jemand verdächtig häufig Dokumente geöffnet, die ihn eigentlich nicht betreffen, oder gar gezielt nach sensiblem Material gesucht, könnten die Fahnder dies auch heute nachvollziehen.

BND-Mitarbeiter verschleierte Herkunft der Dokumente

Ein Fall wie der des 31-jährigen Mitarbeiters hingegen wäre selbst mit solchen Sicherheitsmaßnahmen wohl nicht entdeckt worden. Der Mann aus der Abteilung Auslandsbeziehungen schmuggelte laut den internen Ermittlungen fünf Aktenordner mit Geheimmaterial auf Papier aus der Pullacher BND-Zentrale, scannte sie zu Hause ein und bearbeitete sie sogar technisch auf, um ihre Herkunft zu verschleiern. Dann nahm er die "geheim" oder "vertraulich" gestempelten Dokumente wieder mit an seinen Arbeitsplatz.

Der Schaden durch den mutmaßlichen Spion, der die Weitergabe an die USA eingeräumt hat, ist bisher kaum zu ermessen. Im Kontrollgremium wurde berichtet, unter den 218 entwendeten Dokumenten sei Schriftverkehr zwischen BND und Kanzleramt, Gesprächsprotokolle, aber auch ein Jahresbericht des Dienstes oder eine Karte der BND-Auslandsstationen gewesen. Überraschenderweise hatte Innenminister Thomas de Maizière trotz Kenntnis der Ermittlungsdetails gesagt, der Schaden durch den Spitzel sei "lächerlich".

So gut wie ausgeräumt scheint der Verdacht, dass die Führer des BND-Spitzels ihren Mann direkt auf Informationen über den NSA-Untersuchungsausschuss angesetzt hätten. Mittlerweile ist klar, dass sich auf dem USB-Stick des Verdächtigen nur ein Dokument befindet, das sich auf den Ausschuss bezieht. Ironischerweise handelt es sich um eine interne Anweisung von BND-Präsident Schindler, vorerst keine internen Akten mehr zu vernichten. Diese könnten potenziell für den Ausschuss interessant sein.

Mutmaßlicher Spion im Wehrressort: Heikle Zahlung

Die Mitglieder des Kontrollgremiums wurden am Donnerstag zudem über den Fall des mutmaßlichen Spions im Verteidigungsministerium unterrichtet. Der Beamte aus der Politikabteilung des Ministeriums wurde demnach durch ein anonymes Schreiben angeschwärzt, als er noch im Kosovo als politischer Berater für die Kfor-Mission arbeitete. So geriet er unter Beobachtung des Bundeskriminalamts und des Militärischen Abschirmdienstes.

Sein regelmäßiger Kontakt zu einem US-Amerikaner, der als Berater im Kosovo Behördenstrukturen, darunter auch einen Geheimdienst, aufbauen sollte, erschien den Ermittlern verdächtig. Seit 2010 hatten sich die beiden häufig getroffen, auch im Ausland.

Die Beweislage scheint jedoch noch nicht ganz klar zu sein. In seiner Vernehmung soll der Beamte aus dem Haus von Ministerin Ursula von der Leyen jede Spionagetätigkeit abgestritten haben. Seine Beziehung zu dem Amerikaner bezeichnete der Beamte als reine Männerfreundschaft. Bei den von ihm übergebenen Dokumenten habe es sich nur um öffentliche Informationen gehandelt, Presseüberblicke etwa.

Doch die Ermittlungen gehen weiter. Verdächtig erscheint den Fahndern etwa eine Überweisung des Amerikaners in Höhe von 2000 Euro, die offenbar im vergangenen Jahr auf dem Konto des Deutschen einging. Der Ministeriumsmitarbeiter bestreitet zwar auch hier geheimdienstliche Hintergründe. Das Geld, so erklärte der Mann in seiner Aussage, sei im Zusammenhang mit einer Hochzeitfeier geflossen und teilweise auch zurückgezahlt worden. Überzeugt sind die Ermittler davon aber offenbar noch nicht.



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Seite 1
eonyx81 10.07.2014
1. Soso
der BND sucht also nach Spitzeln. Man macht also den Bock zum Gärtner. Der bnd IST ein Spitzelverein. Ich könnte mein Hab und Gut darauf verwetten, dass jegliche geheimdienstliche Erkenntnisse automatisch an den CIA weitergeleiter werden. Und der Anruf des CIA-Chefs Bremer vorgestern? Eine Abstimmung damit die Regierung so reagiert, so das die Bevölkerung durch die pseudo-Reaktion beruhigt wird. Eine einzige Farce. Die gesamte Regierung sollte automatisch zurücktreten. Sämtliche Mitglieder der Transatlantik-Brücke ist aus JEGLICHEN Ämtern zu entfernen. Lächerlich das alles. Eine echte FARCE.
z_beeblebrox 10.07.2014
2.
Zitat von eonyx81der BND sucht also nach Spitzeln. Man macht also den Bock zum Gärtner. Der bnd IST ein Spitzelverein. Ich könnte mein Hab und Gut darauf verwetten, dass jegliche geheimdienstliche Erkenntnisse automatisch an den CIA weitergeleiter werden. Und der Anruf des CIA-Chefs Bremer vorgestern? Eine Abstimmung damit die Regierung so reagiert, so das die Bevölkerung durch die pseudo-Reaktion beruhigt wird. Eine einzige Farce. Die gesamte Regierung sollte automatisch zurücktreten. Sämtliche Mitglieder der Transatlantik-Brücke ist aus JEGLICHEN Ämtern zu entfernen. Lächerlich das alles. Eine echte FARCE.
Leider muss ich Ihnen vollumfänglich zustimmen. Wir werden für dumm verkauft. Nach allem, was sich die USA mit all ihren unsäglichen und eigenmächtigen Geheimdiensten geleistet haben, wären mal richtig harte Konsequenzen angebracht. Die Ausweisung des US-Botschafters inkl. seinem Personal und die Schließung der Spionage-US-Botschaft in Berlin wäre das Mindeste. Der Dagger-Komplex in Darmstadt gehört sofort geschlossen, ebenso die "Drohnen-Steuerzentrale" in / bei Stuttgart. Ich als Deutscher finde es nicht lustig, sondern absolut widerlich, dass von unserem Gebiet aus zig tausende unschuldiger Menschen weltweit so mir nichts dir nichts durch US-Drohnen getötet werden. Wie gesagt, das wären die ersten Maßnahmen und weitere sollten folgen.
nano-thermit 10.07.2014
3. Die an die die Bundeskanzlerin wöchentlich Bericht erstattet.
Diese Personen gibt es nicht, aber hört man jessy ventura und seine Erlebnisse als einfacher Gouverneur von Minnesota, schaudert man. Also Mutti muss Bericht ablegen und diese Leute sind von BND. Die wären mal interessant zu "interviewen". Aber bis auf einen halben Prozent glaubt das hier ja eh keiner. :)
mirdochwurscht 10.07.2014
4. Der BND wird nix finden
Der BND ist die ABM für ehemalige Zeitsoldaten, d.h. Leute denen selbständiges Denken fremd ist. Die haben sich es gemütlich gemacht und wenn nicht irgendjemand von der Presse etwas aufdeckt wird der BND nicht aktiv. Habe immer den Eindruck, dass die BND-Mitarbeiter immer total erschrocken bzw. verstört sind , wenn etwas um sie geschieht über das Sie nicht informiert sind.
malro75 10.07.2014
5. #bring back our Gold
wäre eventuell die Richtige Antwort, nachdem das Vertrauen angekratzt ist ? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/gold-reserven-der-bundesbank-sollen-bei-fed-in-new-york-usa-bleiben-a-977080.html das würde endlich auch den Goldpreis dahin bringen, wo er wirklich sein sollte
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