SPON-Regierungsmonitor Giffey vorn, Spahn abgeschlagen

Die GroKo trifft sich in Meseberg, Zeit für ein Stimmungsbild: Im ersten SPON-Regierungsmonitor landet eine neue Ministerin auf Platz eins. Für CDU-Mann Spahn sieht es dagegen nicht so gut aus.

Jens Spahn, Franziska Giffey
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Jens Spahn, Franziska Giffey


Nach der Klausur auf Schloss Meseberg soll es so richtig losgehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre neuen Minister in Brandenburg zusammengetrommelt. Die frisch gewählte Regierung will über ihre Agenda diskutieren, vor allem aber geht es darum, sich als Mannschaft einzuschwören.

Denn von Teamgeist war in den vergangenen Wochen nicht allzu viel zu spüren. Vor allem CSU-Innenminister Horst Seehofer und sein CDU-Kollege Jens Spahn, der das Gesundheitsressort leitet, preschten immer wieder vor. Sie traten Debatten los zum Islam, zu Hartz IV, zu rechtsfreien Zonen. Klar ist: Da versuchen sich zwei als besonders konservative Kräfte zu profilieren - und widersprechen mitunter auch dem Kurs der Kanzlerin.

Kommt das in der Bevölkerung an?

Die erste Auswertung des SPON-Regierungsmonitors könnte darauf eine Antwort liefern. Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey haben wir gefragt: "Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der jeweiligen Minister?" Dabei geht es um die 14 Fachminister sowie die Kanzlerin. Kanzleramtschef Helge Braun ist nicht Teil des Regierungsmonitors.

Das Ergebnis: Für Horst Seehofer sieht es vergleichsweise gut aus. Er landet in der Rangliste auf Platz fünf, Jens Spahn dagegen auf dem vorletzten Platz - hinter ihm liegt lediglich noch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Am beliebtesten ist laut dem Regierungsmonitor mit Franziska Giffey eine Frau, die erst kürzlich in die Bundespolitik gewechselt ist. Bis Mitte März war die Sozialdemokratin noch Bezirksbürgermeisterin in Neukölln.

Um die repräsentativen Bewertungen der Minister und der Kanzlerin vergleichen zu können, arbeitet Civey mit einem Scoringverfahren. (Lesen Sie hier mehr zum Verfahren.) Der bestmögliche Index beträgt 200, das schwächste Ergebnis wäre -200.

Dabei fällt auf, dass die Deutschen sich bei vielen Ministern noch nicht auf eine Bewertung festlegen. Der Anteil der Antwortoption "unentschieden" ist bei mehreren Kabinettsmitglieder sehr hoch - das gilt natürlich erst recht für Newcomer, die erst vor vier Wochen Führungsämter übernommen haben.

Unter anderem deshalb liegt Giffey vorne, obwohl nur knapp 21 Prozent der Befragten mit ihrer Arbeit zufrieden sind. Rund 25 Prozent haben die Familienministerin negativ bewertet, mehr als die Hälfte der Befragten zeigte sich unentschieden. Der SPON-Regierungsmonitor wird in zukünftigen Erhebungen zeigen können, wie sich der Anteil der Unentschiedenen im Zeitverlauf ändern wird.

Bei den etablierten Ministern sowie Kanzlerin Merkel ist der gegenteilige Effekt zu beobachten. Die große Mehrheit der Befragten hat eine Meinung zu ihnen, und diese ist in der Mehrzahl negativ. So geben knapp 21 Prozent an, mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen unzufrieden zu sein, rund 44 Prozent zeigen sich sogar sehr unzufrieden.

Bundeskanzlerin Merkel kommt in der Rangliste auf den zwölften, Vizekanzler Olaf Scholz auf den achten Platz.

Mehrheit sieht Koalition negativ

SPIEGEL ONLINE und Civey haben zudem nach der Zufriedenheit mit der Regierung im Allgemeinen und den beiden Regierungsparteien gefragt. Fast die Hälfte der Befragten sieht die Arbeit der Koalition bislang negativ, 35 Prozent geben an, "sehr" oder "eher zufrieden" zu sein. Union und SPD kommen auf beinahe identische Ergebnisse. Bei beiden ist der Gesamteindruck vorrangig negativ.

Für die bevölkerungsrepräsentativen Echtzeitumfragen werden nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE, sondern Menschen in ganz Deutschland befragt. Die Ergebnisse werden in regelmäßigen Abständen im SPON-Regierungsmonitor präsentiert. Dafür brauchen wir Ihre Hilfe - machen Sie mit und stimmen Sie ab!

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

kev/cte

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