SPON-Regierungsmonitor Seehofer - Gewinner unter Verlierern

Wie kommt die Arbeit der neuen Bundesregierung bei den Wählern an? Für die Minister sieht es im SPON-Regierungsmonitor schlecht aus. Nur Horst Seehofer und Olaf Scholz schneiden leidlich ab.

Horst Seehofer
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Horst Seehofer


Seit acht Wochen ist die neue Bundesregierung im Amt. Seitdem ist viel passiert: Mit Andrea Nahles gibt es eine neue SPD-Vorsitzende, die durch ein schlechtes Wahlergebnis angeschlagen den Erneuerungsprozess in der Partei vorantreiben muss. In der Union beherrscht vor allem Horst Seehofer mit seinen Vorstellungen zur Einwanderung und zu neuen Ankerzentren die Schlagzeilen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat unterdessen in der Außenpolitik mit Donald Trump zu tun.

Wie kommt die Führung bei den Wählern an? Die zweite Auswertung des SPON-Regierungsmonitors zeigt die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung, den Koalitionsparteien und vor allem mit den einzelnen Ministern sowie der Kanzlerin. Gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey haben wir gefragt: "Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der jeweiligen Minister?" Dabei geht es um die 14 Fachminister sowie die Kanzlerin. Kanzleramtschef Helge Braun ist nicht Teil des Regierungsmonitors.

Um die repräsentativen Bewertungen der Minister und der Kanzlerin vergleichen zu können, arbeitet Civey mit einem Scoringverfahren. (Lesen Sie hier mehr zum Verfahren.) Der bestmögliche Index beträgt 200, das schwächste Ergebnis wäre -200.

Das Ergebnis zeigt, dass sich die Befragten allmählich eine klarere Meinung zu der Regierung und den Ministern bilden - und zwar eine zunehmend schlechte. Die Zahl der Personen, die eine Ministerin oder einen Minister unentschieden bewerten, geht im Vergleich zur ersten Auswertung in fast jedem Fall zurück. Und gleichzeitig sinkt die Zustimmung bei jedem einzelnen Minister.

Der Gewinner unter 15 Verlierern der vergangenen Wochen heißt damit: Horst Seehofer (CSU). Der Innenminister polarisierte gleich zu Beginn seiner Amtszeit unter anderem mit Aussagen zum Islam, wurde schon da aber vergleichsweise positiv bewertet. Dieser Trend hat sich jetzt verstärkt. Zwar gibt es viele Menschen, die gar nicht zufrieden sind mit der Arbeit Seehofers (etwa 35 Prozent), gleichzeitig hat der 68-Jährige aber so viele Unterstützter, dass sich seine Bewertung nur um einen Punkt verschlechtert hat. Seehofer ist damit durch die noch schlechteren Bewertungen seiner Kollegen vom fünften auf den dritten Platz gesprungen.

Klöckner stürzt ab

Bei Olaf Scholz und Julia Klöckner ist der Anteil der unentschiedenen Befragten am stärksten zurückgegangen. Das hat aber unterschiedliche Auswirkungen. Finanzminister Scholz (SPD) gehört neben Seehofer zu den "Gewinnern", er hat nur drei Punkte verloren und springt vom achten auf den sechsten Platz.

Klöckner (CDU) hingegen, Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, ist die größte Verliererin der aktuellen Auswertung. Sie fällt von Rang sechs auf elf. Ihre Bewertung hat sich um rund 19 Punkte verschlechtert. Der Anteil der Personen, die mit Klöckner gar nicht zufrieden sind, hat sich von 18 Prozent auf etwa 25 Prozent vergrößert.

Auch Angela Merkel (rund 15 Punkte schlechter als bei der ersten Auswertung) wird mittlerweile deutlich negativer bewertet als noch vor rund einem Monat. Weniger als 30 Prozent der Befragten sind noch zufrieden mit der Arbeit der Bundeskanzlerin. Auch Katarina Barley verlor stark (etwa 13 Punkte), sie steht aber immerhin noch auf Rang fünf. Mit Abstand das schlechteste Ergebnis erhält weiterhin Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich im Ranking nicht verbessert, er bleibt auf Platz 14.

Franziska Giffey (SPD) behält unterdessen die Spitzenposition. Die Familienministerin ist erst zur neuen Regierung in die Bundespolitik gewechselt und damit noch deutlich unbekannter als viele ihrer Amtskollegen. Genauso wie bei den meisten anderen Newcomern ist der Anteil der Unentschiedenen auch bei ihr gesunken, der Wert ist trotzdem noch vergleichsweise hoch.

Regierung verliert an Zustimmung - wegen der SPD

Die Bewertung der Regierung insgesamt fällt von minus 69 Punkten (19 Prozent zufrieden, 60 Prozent unzufrieden) auf minus 76 Punkte (20 Prozent zufrieden, 64 Prozent unzufrieden). Ein Blick auf die Parteien zeigt: Schuld ist vor allem die SPD. Die Werte der Sozialdemokraten sind deutlich gefallen (-12 Punkte), während die Union sogar leicht zulegt (+4 Punkte) - und damit die einzige positive Veränderung im Vergleich zur ersten Auswertung verzeichnet.

Allerdings: Zwar wird die Union insgesamt deutlich besser bewertet als die Sozialdemokraten. Die Minister auf den letzten fünf Plätzen sind allerdings allesamt Politiker der CDU oder der CSU. Die Politikerin mit der besten Bewertung wiederum, Franziska Giffey, stammt hingegen aus der SPD. Die Befragten beziehen die Arbeit der einzelnen Personen an der Spitze eines Ministeriums also nicht direkt auf ihren Gesamteindruck der Parteien.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

aev



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