SPON-Wahltrend AfD verliert, große Parteien bleiben stabil

Der AfD-Höhenflug scheint gestoppt, bei den jüngsten Wahlen schafften die Rechtspopulisten keine zweistelligen Resultate. Auch im SPON-Wahltrend fällt die Partei zurück. Die Ergebnisse im Überblick.

Ein Parteimitglied der AfD
DPA

Ein Parteimitglied der AfD


Es läuft nicht mehr so richtig für die AfD. Im vergangenen Jahr holten die Rechtspopulisten bei den Landtagswahlen oft zweistellige Ergebnisse. In diesem Jahr sieht es anders aus: In Schleswig-Holstein zog die AfD zwar ins Parlament ein, mit 5,9 Prozent aber nur knapp. Und vergangenen Sonntag in Nordrhein-Westfalen waren es nur 7,4 Prozent, auch wenn Alice Weidel, Spitzenkandidatin für den Bund, von einem "sensationellen" Ergebnis sprach.

Im aktuellen SPON-Wahltrend in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey wird diese Entwicklung bestätigt: Die AfD verliert dort im Vergleich zu anderen Parteien an Zustimmung.

Im Superwahljahr 2017 befragen wir Sie regelmäßig zu Ihrer Parteipräferenz. Jeder Nutzer kann mitmachen, die Ergebnisse sind für ganz Deutschland repräsentativ. Am Ende dieses Artikels erfahren Sie mehr zur Methodik. Dort können Sie die Sonntagsfrage auch selbst beantworten.

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1. Union und SPD mit konstanten Werten

In der vergangenen Woche eilten CDU und CSU der SPD davon, jetzt setzte sich das nicht fort: Die Union kommt auf 38,3 Prozent, die Sozialdemokraten auf 26,7 Prozent. Beide großen Parteien zeigen sich in der Wählergunst damit recht stabil.

Die AfD verliert 1,4 Prozentpunkte und erreicht jetzt 7,8 Prozent. Grüne und FDP verbessern sich jeweils um einen halben Prozentpunkt und kommen auf sieben beziehungsweise 6,8 Prozent. Auch die Linke legt mit 0,8 Prozentpunkten leicht zu und kommt damit auf 9,3 Prozent.

2. Die AfD verliert im Langzeittrend

Ob das Sinken der AfD-Werte nur ein Ausrutscher nach unten ist oder ob sich ein weiterer Abwärtstrend daraus ableiten lässt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Für den Moment kann man festhalten: Zweistellige Werte wie zu Beginn des Jahres erreichen die Rechtspopulisten seit Längerem nicht mehr, wie der Wochenvergleich zeigt:

3. Beste Werte für die SPD bei den Senioren

Bei den Altersgruppen setzte sich die Tendenz der vergangenen Wochen fort: Die SPD hat ihre besten Werte jetzt bei der Wählergruppe 65+. In der ersten Euphorie nach der Nominierung von Martin Schulz als Kanzlerkandidat waren es noch die 18- bis 29-Jährigen gewesen. Die Union konnte jetzt deutlich bei den 30- bis 39-Jährigen zulegen und kommt bei diesen Wählern auf 40 Prozent.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 11.5. bis 16.5.2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste 7560 Befragte, der statistische Fehler lag beim Gesamtergebnis bei 2,5 Prozent. Bei der Befragung nach Altersgruppen und Geschlechtern und ihrer Parteipräferenz liegt die statistische Fehlertoleranz etwas höher. Sehr feine Unterschiede sind in diesen Ergebnissen also nicht aussagekräftig.

Im Wahljahr befragen SPIEGEL ONLINE und Civey regelmäßig Leserinnen und Leser zu aktuellen politischen Themen. Stimmen Sie hier ab - den aktuellen Stand sehen Sie sofort, wenn Sie teilgenommen haben.



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Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 5000 Websites ausgespielt ("Riversampling"). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 5000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass viele unterschiedliche Nutzer erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.
Wer steckt hinter Civey?
Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

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nexus32 16.05.2017
1. Vorsicht
Bei allem Respekt: Wenn ich die Wahlen im Saarland, in Schleswig- Holstein und in NRW mit den vorher hier kommunizieren Zahlen vergleiche, dann bin ich doch sehr, sehr vorsichtig geworden bei der Bewertung solcher Artikel.
Arrows 16.05.2017
2. Die Dämonisierung war erfolgreich
Die Dauerbeschallung durch Politik und Medien über Jahre hat die AfD ins rechte Eck gerückt, als wäre es die NPD. Objektive Berichterstattung ist für die AfD nicht garantiert und gewollt. Veranstaltungen der Partei müssen mit Polizeigewalt geschützt werden, wenn sie überhaupt noch einen Veranstaltungsort finden. Die alteingesessene Politik freut es, das heißt für sie: WEITER SO!
B.Buchholz 16.05.2017
3.
Der wievielte AfD-Abgesang ist das eigentlich nun? Welch ein Wunder, dass die AfD im bisherigen SPD-Herzen NRW mit sehr vielen Wählern mit Migrationshintergrund keine neuen Rekorde aufstellt. Fakt ist, sie hat dort nach Umfrageprognosen von 6,5% nun 7,4% geholt und ist damit in 13 Landesparlamente hintereinander eingezogen. Wann hat das zuletzt eine Partei in Deutschland geschafft? Und das bei teilweise 95% zerstörten Wahlplakaten, massiver Bedrohungslage sowie gegnerischer Presse und - sehr auffällig im Wahljahr - plötzlich Nichtberücksichtigungen in Talkshows, während dort gleichzeitig Vertreter von Parteien, die weniger Wähler haben, teilweise sogar um die 5% oder darunter lagen, eingeladen sind. Auf die nächsten 4 Jahre, in denen uns die Güllners und Jörges` erklären, dass die AfD am Ende ist...
thequickeningishappening 16.05.2017
4. Hat Die AfD in NRW verloren?
Die FDP war Der Shooting Star aber von Null auf 7,4? Ob Es ausgeht wie bei den Piraten sei dahingestellt aber erwähnenswert iss Es.
spon_3627094 16.05.2017
5. Nicht verkennen . . .
Nicht verkennen sollten wir, daß die AfD aus dem Stand mehr als sieben Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Gemessen an Stimm-Gewinnen und Verlusten ist die AfD der Wahlsieger in NRW. Kein Grund, den Abgesang auf die AfD anzustimmen. Vielmehr Anlaß einmal nachzudenken, warum Wähler die klassischen Parteien in signifikanter Zahl nicht mehr wählen. Das das "alles Rechte . . . " sein sollen ist als Antwort zu einfach und nicht belegt.
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