SPON-Wahltrend Neuwahlen - was würde sich ändern?

Die Jamaika-Sondierungen sind schwierig, einige Politiker bringen bereits eine Neuwahl ins Spiel. Und danach - wie stünden die Parteien da? Der SPON-Wahltrend.

Berliner Reichstag
AFP

Berliner Reichstag


Die Sondierungsverhandlungen über eine Jamaikakoalition verlaufen schleppend. In vielen Punkten fehlt noch eine Einigung. Vor allem die FDP spricht bereits von der Option einer Neuwahl. Die Liberalen hätten "keine Angst" davor, sagt etwa Partei-Chef Christian Lindner - und erntet dafür Kritik aus Reihen von Union und Grünen.

Doch wer würde überhaupt von Neuwahlen profitieren?

Laut aktuellem SPON-Wahltrend gäbe es im Vergleich zur Bundestagswahl keine gravierenden Änderungen. Am deutlichsten wäre ein Unterschied noch bei der Union spürbar: Sie würde im Vergleich zur Bundestagswahl (33 Prozent) zwei Prozentpunkte verlieren und auf 31 Prozent abrutschen.

Für die Sozialdemokraten bliebe es etwa bei dem Ergebnis, das sie im September einfuhr (20,5). Die AfD könnte einen Stimmenzuwachs von etwa einem Prozentpunkt verbuchen, läge derzeit als drittstärkste Kraft bei 13,7 Prozent.

Die Liberalen, die am lautesten Neuwahlen ins Spiel bringen, würden im Vergleich zur Bundestagswahl (10,7) im SPON-Wahltrend höchstens leicht zulegen.

Nur die Grünen könnten von einer Neuwahl derzeit profitieren und mit 10,1 Prozent im Vergleich zur Bundestagswahl (8,9 Prozent) zweistellig abschneiden, die Linke bliebe bei etwas über 9 Prozent.

Die Veränderungen bei den jeweiligen Parteien liegen allerdings alle noch im Bereich der Fehlertoleranz der Umfrage. Zudem könnten die Ankündigung von Neuwahlen eine Dynamik auslösen, die schwer zu erheben ist.

Bei dem vorliegenden Ergebnis des SPON-Wahltrends bliebe es bei den gleichen Bündnismöglichkeiten wie nach der Wahl im September: Einer großen Koalition aus CDU und SPD und einem Jamaika-Bündnis bestehend aus Union, FDP und Grünen.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 27.Oktober bis 6. November 2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste mehr als 10.000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

mho

insgesamt 116 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
capote 06.11.2017
1. Glaube ich nicht !
Die FDP wird Stimmen von der CDU dazu gewinnen Die Grünen werden Stimmen von der Linken dazu gewinnen Die AfD wird Stimmen dazu gewinnen. Die Linke und die SPD werden Stimmen verlieren Trotzdem wird es weder für schwarz-gelb noch schwarz-grün reichen.
Freedom of Seech 06.11.2017
2. Falsche Frage gestellt
diese Umfrage könnte rasch ein völlig anderes Ergebnis liefern wenn die Frage nach der Parteienpräferenz anders gestellt würde: welche Partei würden Sie wählen (CDUCSU mit und ohne Merkel/Seehofer)
Mr Bounz 06.11.2017
3. Oh Gott Oh Gott
das es noch mal ein paar Zusätzliche AFD Stimmen gibt ist schon schlimm (aber Rassismus liegt eben im Trend), aber das wirklich noch mehr Menschen Ihr Kreuzchen bei der FDP machen würden macht mich Wahnsinnig. Es sollte doch eigentlich in den letzten Wochen klar gewiorden sein das die FDP komplett an der Realität vorbei Fantasiert und Ihr Programm aus den 80er Jahren Deutschland in allen Bereichen schwächen wird. Ausser Pinken Plakaten und 3 Tage Bart haben die echt gar nichts drauf!
tombadil1 06.11.2017
4.
Also anders gesagt, alle Veränderungen liegen innerhalb der Ungenauigkeit der Umfrage und man hätte sich den Artikel auch sparen können?
seven21 06.11.2017
5.
Diese Zahlen berücksichtigen aber nicht den evtl. Wählerfrust einer Neuwahl, sondern fragen lediglich nach, wen ich wählen würde wenn heute Wahl wäre.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.