SPON-Wahltrend Kampf um Platz drei vollkommen offen

SPD und Union schwächeln, die kleinen Parteien legen weiter zu: Im letzten SPON-Wahltrend vor der Bundestagswahl zeichnet sich ein knappes Rennen um Platz drei ab.

Wahlplakate in Berlin
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Wahlplakate in Berlin


Der SPD droht bei der Bundestagswahl eine schwere Niederlage. Das bislang historisch schlechteste Ergebnis erzielte die Partei 2009 mit 23,0 Prozent, vor vier Jahren erreichten die Sozialdemokraten 25,7 Prozent. Im SPON-Wahltrend kommen sie kurz vor der Wahl am Sonntag nur auf 22,0 Prozent.

Auch CDU und CSU schwächeln in der letzten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey vor der Wahl. Die Union liegt bei 36,2 Prozent. Das wäre im Vergleich zur Bundestagswahl 2013 ein Minus von 5,3 Prozentpunkten.

Im Kampf um Platz drei lässt sich keine Aussage machen, welche Partei am Ende vorne liegen könnte. Jede mögliche Reihenfolge von AfD (10,3 Prozent), Linkspartei (9,8 Prozent), FDP (9,6 Prozent) und Grünen (7,7 Prozent) liegt innerhalb des statistischen Fehlerbereichs. Wer also drittstärkste Kraft wird, ist den Meinungsforschern zufolge "too close to call". Als sicher kann lediglich angenommen werden, dass alle vier Parteien den Sprung über die Fünfprozenthürde schaffen.

Bei der Umfrage handelt es sich nicht um eine Prognose des Wahlausgangs, sondern um die Präferenz der Befragten im Zeitraum vom vergangenen Freitag bis heute. Es wurden 10.049 wahlberechtigte Deutsche befragt, damit ist es die größte Stichprobe aller Erhebungen zur Bundestagswahl. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse beträgt 2,5 Prozent.

Jamaika-Koalition am unbeliebtesten

Außerdem haben wir die Nutzer nach ihrer Lieblingskoalition gefragt - unter der Voraussetzung, dass vier Bündnisse rechnerisch möglich wären: eine Neuauflage der Großen Koalition, Schwarz-Gelb, Schwarz-Grün und eine Jamaika-Koalition.

Das Ergebnis: Ein Bündnis von Union und FDP wäre mit Abstand die bevorzugte Koalitionsoption. 33,1 Prozent der Befragten plädierten für Schwarz-Gelb. Fast gleichauf liegen eine erneute Große Koalition (15,6 Prozent) und ein schwarz-grünes Bündnis (16,3 Prozent).

Am wenigsten Zustimmung erhält jene Variante, die am Sonntag eventuell als einzige mögliche Alternative zur Großen Koalition übrig bleiben könnte: ein Jamaika-Bündnis von CDU, CSU, FDP und Grünen. Nur 13,4 Prozent der Befragten favorisieren eine solche Vier-Parteien-Koalition.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 15. September bis 22. September 2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste mehr als 10.000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.

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Was ist das Besondere an der Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen Verfahren. Zuerst werden alle Umfragen in einem Netzwerk aus mehr als 12.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"). Online kann jeder an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, unter anderem nach den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse nach weiteren Faktoren und Wertehaltungen gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 12.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass viele unterschiedliche Nutzer erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Man kann nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. In unserem Fall heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

cte

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