Spott im Original So macht sich Django Asül über die CSU lustig

Kabarettist Django Asül hat die diesjährige Fastenpredigt auf dem Münchner Nockherberg gehalten. Er teilte kräftig aus: Besonders die CSU-Politiker Seehofer ("bayerischer Außenminister"), Ramsauer ("Ochsenluder") und Söder ("wie Malaria") traf es hart - SPIEGEL ONLINE dokumentiert den Wortlaut.


Liebe Salvator-Freunde,

herzlich willkommen am Nockherberg. Diesmal am Weltfrauentag. Auf ganz besonderen Wunsch von Edmund Stoiber.

"Lassen Sie uns uns selbst überraschen, wozu wir in der Lage sind." Diesen Satz hörten wir alle in der Neujahrsansprache im Fernsehen. Vorgetragen von einer Frau, die gern die Bundeswehr in der ganzen Welt herumschickt und auch sonst mit Innenpolitik wenig am Hut hat. Diesen Satz hat sich die bayrische Regierung besonders zu Herzen genommen. Und einer ganz besonders.

Und da sitzt er. Sauber rasiert und gewaschen, weil der Herr Beck auch da ist. Locker und entspannt. Wie immer, wenn er nix sagen braucht. Herr Stoiber, Sie sind ein Visionär: Bereits am 5. Dezember sagten Sie, die „letzte Etappe meiner politischen Laufbahn hat begonnen“. Niemand konnte ahnen, welch Spektakel Sie bald inszenieren würden. Was wie ein Putsch aussah, war natürlich ein gut durchdachter Plan. Sie haben einfach gemerkt, dass Sie in die Wechseljahre kommen.

Hinzu kam der Klimawandel in der CSU. Je kälter es in der Partei für Sie wurde, umso mehr kamen Sie ins Schwitzen. Sie werden aber nie allein sein. Markus Söder meinte bei Sabine Christiansen neulich: "Ich bleibe mein Leben lang Stoiberianer." Der Söder ist für Sie wie Malaria – den kriegen Sie nie mehr los.

Das ist wahre Dankbarkeit. Sie haben ihn ja zum Generalsekretär gemacht. Wie nah Sekret und Sekretär einander sind, zeigt die Schleimspur, die er in Ihrem Fall hinterlässt. Herr Stoiber, Sie können erhobenen Hauptes gehen. Selbst in Berlin haben Sie sich ja aufs Angenehmste entbehrlich gemacht. CDU und SPD sprechen im Zusammenhang mit der CSU immer öfter von einer privilegierten Partnerschaft.

Die Geister von Kreuth, die Sie riefen, wurden Sie nicht mehr los. Sie standen mit dem Rücken zur Wand und als ob das noch nicht genug war, waren Sie umzingelt von Ramsauer. Und doch behielten Sie die Ruhe. Und Sie wurden belohnt. Denn in Kreuth wurde entschieden: Sie dürfen alle Ämter behalten, wenn Sie bereit sind, schleunigst alle Ämter abzugeben. Jetzt, wo Sie frei sind, steht einer großen Koalition in Bayern nach den Landtagswahlen 2008 nichts mehr im Wege.

Zwei gleichberechtigte Partner: Die CSU und Edmund Stoiber.

Sie hätten aber die ganzen Solidaritätsbekundungen in Kreuth nicht für bare Münze nehmen sollen. Schauen Sie, der Schnappauf hat über den Bruno auch erst gesagt: Der Braunbär ist in Bayern willkommen. Auf einmal war Bruno ein Totbär und der Schnappi der Problembär der CSU. Und da haben Sie bewiesen, Herr Stoiber: Auf Sie kann man bauen. Und es ist bewundernswert, dass ein bayrischer Ministerpräsident in erster Linie den Menschen sieht und nicht dessen Kompetenz. Drum ist der Schnappi immer noch Minister. Herr Schnappauf, Sie sind quasi der Telefonjoker im Kabinett. Und darauf trinken wir!

Apropos Telefon: Der Sonderpreis für strategisches Denken geht diesmal an Herrn Höhenberger. Nicht umsonst trägt er den Decknamen Tiefentaler. Er galt jahrzehntelang als Ihr Schattenmann. Und wer kann schon von sich behaupten, permanent einen Schatten zu haben?

Übrigens, der Höhenberger ist einer der ganz wenigen Einser-Juristen, die ihr Examen mit der Note 4 abgeschlossen haben. Interessantes Detail am Rande: Der Höhenberger bekam im Sommer 2006 eine Auszeichnung vom Gehörlosenverband München e.V. Und so einer darf in der CSU ans Telefon! Herr Stoiber, Ihre Allzweckwaffe war ein Rohrkrepierer! Das war vielleicht taktisch doof, aber kein Grund zum Rücktritt. Nicht einmal russische Geheimdienste konnten rausfinden, warum Sie zurückgetreten wurden. Keine Spur von Polonium. Nicht mal im Großraum Fürth.

Aber Sie hatten Ihren Triumph. Am Aschermittwoch. DIE Chance zum Rücktritt vom Rücktritt. Mensch, Herr Stoiber, eine Zusammenlegung von Aschermittwoch und Parteitag hätte alle Probleme gelöst.

Dennoch haben Sie sich in Passau dezent zurückgehalten. Voller Demut haben Sie nur drei Stunden geredet. Da hat auch der Letzte gemerkt: Der Stoiber hat gelernt aus seinen Fehlern. Ja, der Stoiber ist geläutert. Wie Saulus, der zum Paulus wurde. Auch wenn dazu erst mal Frau Pauli zur Sauli werden musste.

Aber das Beispiel vom Bruno hätte ihr zeigen müssen: Wer sich von der CSU nicht einfangen lässt, der wird zum Abschuss freigegeben. Am Aschermittwoch in Passau wurde deutlich: Ab 1,5 Promille wünscht sich die Basis lebenslänglich Stoiber. Drum gibt es Herrn Stoiber jetzt auch für jedermann zu bestellen. In Lebensgröße. Auf www.csu.de für 40 Euro als Pappkamerad. Quasi die Berlin-Version.

Dabei hat die CSU eh schon einen echten Pappkameraden in Berlin. Peter Ramsauer, genannt Ramses. Ramsauer, Ihr Vorgänger Ramses II. war damals Landesgruppenchef in Ägypten. Als er damals völlig unnötig gegen die Hethiter in den Krieg zog, holte er sich eine blutige Nase. Lernte er aus der Geschichte? Nein. Er griff am nächsten Tag wieder an und holte sich eine blutige Nase. Heute ist Ramses II. die am besten erhaltene Mumie. Wahnsinn, wie sich Geschichte wiederholt, gell, Ramses?

Sie sind auch der besterhaltene Mann der CSU. Seit letzter Woche sogar "Mister Bundestag"! Das Ochsenluder der CSU! Optisch eine Mischung aus George Clooney und Mühlhiasl. Für die nichtbayerischen Gäste: Der Mühlhiasl ist eine kauzige bayerische Sagengestalt. Irgendwas zwischen Michel Glos und Wolperdinger. Ramses, man nimmt Ihnen Ihr Alter nie und nimmer ab. Zumindest nicht, wenn man mal ein Interview von Ihnen liest.

Ich zitiere: "Die Landesgruppe versteht sich als extraterritoriale Streitkraft, als Eliteeinheit der CSU." Zitatende. Betonung liegt auf "versteht SICH". Ramsauer! "Streitkraft", "Eliteeinheit" - als ich das gelesen hab, hab ich mich gefragt: Soll man jetzt Killerspiele verbieten oder den Ramsauer? Brauchen wir Tornados in Afghanistan oder reicht es, wenn man den Ramses mit einem Megaphon runterschickt? Ramses, mit diesem Selbstverständnis sind Sie ja nicht nur extraterritorial, sondern auch extrazerebral. Diese Art der Wahrnehmung hatte doch bisher der Söder exklusiv.

Wie Ramses II. ziehen auch Sie unnötig in den Krieg. Und zwar gegen den Huber Erwin. "Mit einem politischen Horizont von Harlaching bis Hasenbergl kommt man da nicht weiter!", haben Sie gesagt. Dann schau ma uns doch mal den Horizont vom Ramsauer an. Die gute Nachricht ist: Er hat einen. Die schlechte: Er spricht drüber. Zum Beispiel im ZDF mit der Frau Slomka. Da hast Dir als Zuschauer gedacht: Sag mal, schreibt der Ramsauer Peter nebenbei die Reden für die Ulla Schmidt?

Ramses, mit diesem Interview im ZDF haben Sie sich unsterblich, quasi zur Mumie, gemacht. Sie haben vor paar Wochen gesagt: "Manchmal erschrecke ich regelrecht vor dem, was mir so rausrutscht." Da können wir Sie gut verstehen.

Übrigens, der Huber Erwin hat Ihre Attacke nicht persönlich genommen. Der Huber steht da drüber. Der weiß selber, wann er wo zuschlagen kann. Sein Karrieremotto, das er vor drei Wochen in einem Interview verraten hat, ist: Luck is when opportunity meets preparation. Auf Deutsch: Habe keine Affäre, wenn grad Ämter zu vergeben sind! Der Huber ist halt ein typischer Niederbayer. Immer fair. Der Huber hat sich ja sogar vom Goppel ein Autogramm geholt, falls der der lachende Dritte beim Kampf um den Parteivorsitz ist. Dann wartet der Huber halt noch bissl. Geduld ohne Ende - solange er nicht gereizt wird.

Allergisch reagiert er nur auf zu niedrige Grenzwerte. Vor allem beim CO2. Grenzwerte, die Arbeitsplätze vernichten, das packt der Huber nicht. Da wird der Erwin grenzwertig. Und Sie haben ein großes Herz für die Sozialfälle in unserer Gesellschaft. Besonders Siemens hat es Ihnen angetan. Bei der BenQ-Pleite war der Huber ganz stark. Demonstrativ haben Sie Ihr Siemens-Handy in die Kamera gehalten. "Seids Patrioten, kaufts a Glump!" Sie brauchen Siemens, Herr Huber. Es geht natürlich wieder mal um den bayrischen Zombie schlechthin. Transrapid.

Ihrer Meinung nach ist die Transrapid-Finanzierung ein Klacks. Wie haben Sie gesagt: "Wir erwarten aus Brüssel einen Beitrag XYZ." Huber, drei Unbekannte in einer Zahl! Wollen Sie den Transrapid aus dem Gesundheitsfonds finanzieren? Da trinken wir doch gleich mal auf den Transrapid – möge er in Frieden ruhen.

Herr Huber, schade ist ja, dass Sie aus der Staatskanzlei raus sind. Seitdem hängt dort an der Tür das Schild "vorübergehend geschlossen". Und drin sitzt der Sinner. Auf 400-Euro-Basis. Soviel soll er gezahlt haben, dass er Minister bleiben darf. Aber der Huber – der will nicht nur Minister sein, sondern auch Parteichef. Laut Faltlhauser sind Sie es ja eh schon. Das hat dem Seehofer gar nicht gefallen. Weil der Seehofer will ja, dass die ganze Diskussion sachlich bleibt. Also, dass der Huber Erwin verzichtet. Aber alle reden nur von Seehofers Privatleben.

Herr Seehofer, es ehrt Sie, dass Sie Ihr Privatleben aus der Öffentlichkeit raushalten. Um das allen klar zu machen, ließen Sie auch keine Talkshow aus. Denn Ihnen geht es immer um die Partei. Er ist ja ein echter Teamplayer. Er würde auch nie auf einem Parteitag fehlen. Der einzige Grund zum Wegbleiben, den er in dem Fall mit seinem Gewissen vereinbaren könnte, wäre Abwesenheit.

Sie warnen jetzt schon davor, den Huber zum Parteichef zu wählen. Weil es Ihrer Meinung nach schwierig ist, die Partei aus München zu führen. Das wäre ja ein völliges Novum: Eine bayrische Partei wird von Bayern aus geführt! Wo gibt’s denn so was? Da muss man die Kirche schon im Dorf lassen bzw. den Huber in Reisbach.

Sie berufen sich ja immer auf den starken Rückhalt der Basis. Aber scheinbar haben Sie Ihre Basis ins Exil verlegt. Am Aschermittwoch waren Sie in der CSU-Bastion Krefeld. Herr Seehofer, wollen Sie bayrischer Außenminister werden? Oder hat da Ihr Navi versagt? Ganz ehrlich: Sie wirken bissl rastlos. Sie müssen ja auch einen Spagat nach dem anderen hinlegen. Zwischen Berlin und Bayern. Zwischen Image und Glaubwürdigkeit. Zwischen Privatleben und Familie.

Wie halten Sie nur diesen Druck aus? Wahnsinn! Und dann noch diese Schweinereien von der Presse! Wagen die es doch tatsächlich, Fakten als Gerüchte in die Welt zu setzen. Drum sei auch hier deutlich gesagt: Ein Stoiber lässt sich nicht erpressen. Nein, einen Stoiber erpresst man einfach. Oder man stellt ihn vor vollendete Tatsachen.

Der Beckstein - der ging einfach zum Stoiber hin und sagte, er will Ministerpräsident werden. Punkt. Es geht also auch ohne Druck. Dass in Zeiten der Globalisierung ein Franke bayrischer Ministerpräsident wird, spricht für die Offenheit und Integrationskraft der CSU. Das verdankt Bayern nicht zuletzt der Arbeit von Integrationsminister Miller. Er sorgte unlängst dafür, dass sogar der Karpfen als Einheimischer gilt, obwohl ihn die Römer erst vor 2000 Jahren nach Bayern brachten. Wenn also einem CSU-Minister aufgrund der eigenen Bedeutungslosigkeit das Wasser bis zum Hals steht, schaut er eben nach, was er unter Wasser ausrichten kann.

Sie, Herr Beckstein, haben Oberwasser ohne Ende. Über Sie hat Frau Bause gesagt: "Wenn der die Hoffnung ist, möchte ich nicht wissen, was Verzweiflung ist." Das ist durchaus ein plausibler Ansatz. Denn bei den bayrischen Grünen gilt die Gleichung: Hoffnung = Verzweiflung x Tempolimit² geteilt durch die Wurzel aus Cannabis.

Nur: Als der Stoiber in Passau neulich sein Kurzreferat mit den Worten "Auf ein Neues" abschloss – gell, da haben sie fast einen Herzinfarkt gekriegt! Dabei war das ja nur ein Witz vom Edmund. Der Stoiber hat doch Humor! Zwar nur in der Theorie, aber immerhin. Nur wer Humor hat, macht auch einen Söder zum Generalsekretär!

Herr Söder, um Sie mache ich mir bissl Sorgen. Irgendwas ist bei Ihnen aus dem Gleichgewicht geraten. Als Stoiber kurz daran dachte, bis 2013 durchzuziehen, sagten Sie im WDR: "Meine innere Stimme sagt mir, dass Edmund Stoiber der Richtige für Bayern ist." Innere Stimme! So ein Krampf! Söder, ich bitte Sie! Haben Sie einen mentalen Tinnitus? Söder, das bringt doch nix! Die große Frage in der Partei lautet ja jetzt schon: Wie entsorgt man den Söder nach der Landtagswahl?

Aber dafür sind Sie beim Chefpsychologen der Bayern-SPD besonders beliebt. Der Pronold sagte unlängst: "Söders Verhalten deutet auf ein ernstzunehmendes Krankheitsbild. Er sollte dringend in psychologische Behandlung." So ein Schmarrn. Herr Pronold, wenn Sie bissl Ahnung vom Söder hätten, wüssten Sie: Das ist beim ihm der Normalzustand.

Herr Pronold, Ihr Spezialgebiet ist ja der Seehofer. Sie fungieren ja auch als sein Anwalt im Verfahren Seehofer gegen Kardinal Meisner. Ihr Plädoyer lautet sinngemäß: Bloß weil einer sein Privatleben nicht im Griff hat, muss er noch lange nicht unfähig sein in der Politik. Mit anderen Worten: Interessensvertretung ist keine Charakterfrage.

Politiker können nach der Pronoldschen Theorie durchaus gespaltene Persönlichkeiten sein, die zwar die Wahrheit dem Wähler nicht vorenthalten, aber daheim generös schweigen. Umgekehrt bedeutet das natürlich, dass ein Politiker, der seiner Frau reinen Wein einschenkt, durchaus dem Wähler die Wahrheit präsentieren kann. Wenn auch in stark modifizierter Form. Und nur, wenn es dem Koalitionsfrieden dient.

Aber Koalition und Frieden – das sind ja für den Söder Fremdwörter. Herr Söder, vielleicht sollten Sie sich einfach mehr Gedanken um Ihren Wortschatz machen, wenn Sie in der Öffentlichkeit sind. Beim Hirnschatz scheint da eh schon Hopfen und Malz verloren. Gut, als Nachfolger vom Goppel hat man es natürlich rhetorisch nicht leicht.

Der Goppel erweckt ja nur zu gern den Eindruck, dass manche Worte nur erfunden wurden, damit er sie benutzen kann. Wissen Sie, wo der Goppel promoviert hat? In Salzburg! Warum? Weil ihn in Bayern schon damals keiner verstanden hat.

Herr Goppel, Sie werfen der CSU-Führung vor, nicht klarer gegen Frau Pauli vorgegangen zu sein. Sie sind also enttäuscht, dass die antidemokratischen Mechanismen versagt haben. Das scheint ein Widerspruch zu Ihren sonstigen Überzeugungen.

Zitat: "Wir brauchen die Dynamik, die durch Freiräume entsteht." Dass sich Frau Pauli diese Freiräume nahm, wurmt Sie aber schon, Herr Goppel. Dieses Thema bietet sich ja bestens an, um Ihren Sprung in die erste Reihe verbal anzukündigen. Sie wollen mindestens CSU-Bezirksvorsitzender in Oberbayern werden. Der Kollege Schneider auch. Obwohl Sie ihn ignorieren. Verständlicherweise.

Sie würden beim Thema Bezirksvorsitz am liebsten Berlin umgehen. Drum tobt der Ramsauer: "Wenn die meinen, die könnten das wieder ausflascheln, dann täuschen sie sich." Für die Gäste aus der Bundespolitik: Ausflascheln heißt: Feststellen, wer die größere Flasche ist. Das Ausflascheln ist auch das Hauptinstrument der Großen Koalition.

Dass Sie, Herr Goppel, keine Flasche sind, sondern ein bundesweites Schwergewicht, hat man ganz deutlich beim Ausflascheln der Elite-Unis gesehen. Der Zufallsgenerator zog eine bayrische Uni nach der anderen. Dafür konnten Sie nix. Das war lediglich die Retourkutsche für den Länderfinanzausgleich. Dennoch tut sich Ihr Konkurrent, der Schneider, schon schwerer mit der Profilierung.

Herr Schneider – wie er schon wieder drin sitzt. Schneider, jetzt nehmen Sie bitte mal bissl Haltung an. Oder wollen Sie mit dem Joachim Herrmann verwechselt werden? Herr Schneider, üblen Gerüchten zufolge sind Sie ja in Bayern für die Schulen zuständig. Sie propagieren die Stärkung der Hauptschulen und streichen gleichzeitig die Stellen zusammen. Ihre persönliche Schulzeit muss ein einziges Trauma gewesen sein.

Denn je mehr Unterricht ausfällt, umso optimistischer schauen Sie drein. Wobei Ausfall für Sie ja nur ist, wenn die Stunde komplett ausfällt. Für Sie als Ausfallminister ist also "Stilles Beschäftigen" vollwertiger Unterricht. Da habe ich vollstes Verständnis für diese Sicht der Dinge. Immerhin kriegen Sie ja mit, wie toll das "stille Beschäftigen" bei den Kollegen Sinner und Miller klappt. Stilles Beschäftigen sollten Sie auch als Hauptfach am Gymnasium einführen.

Denn Bayern hat zu wenig Abiturienten. Also müssen Sie das Niveau anpassen. Das heißt: Ein Hauptschüler, der den qualifizierten Hauptschulabschluss nicht schafft, muss zumindest das Abitur kriegen. Als Regulativ haben Sie das Büchergeld bei Hauptschülern und Gymnasiasten gleich hoch gesetzt. Das war ein Segen! Manche Schulen wissen gar nicht mehr, wohin mit dem vielen Geld. Da werden notfalls Bücher doppelt gekauft. Das nennen Sie dann duales Ausbildungssystem. Da wird völlig sinnlos irgendwas irgendwohin geschoben, wo es völlig fehl am Platze ist.

Sinnlos, fehl am Platze – da denkt sich jetzt der Glos: "Hoppla, jetzt bin ja ich dran!" Ja, Herr Glos, dieses Jahr sind Sie wieder dran. Herr Glos, Sie waren lange Zeit frustriert. In Berlin hatten Sie es nie leicht. Stoiber wollte immer wieder die Taktik "Bayern gegen Berlin" anwenden. Da haben Sie gleich gesagt: "Wir machen doch nicht die Deppen für Euch." Dabei wollte Stoiber nur, dass Sie sich ganz natürlich geben. Jetzt haben Sie allen Grund zur Freude.

Seit Sie Wirtschaftsminister sind, geht es nur noch bergauf. Ein Rekord jagt den anderen. Konjunkturmotor Nr 1 ist nicht mehr der Export, sondern - die Nichteinmischung der Politik. Selbst wenn Sie drohen wie unlängst der EADS, machen Sie das nur dann, wenn die Gegenseite weiß, dass eh keine Taten folgen. Die Experten sind sich sicher: Der Aufschwung wird noch lange anhalten, wenn Sie diese angenehme Mischung aus Zurückhaltung und heißer Luft beibehalten.

Auf diese Strategie setzt auch der Herr Maget. Was musste sich der Stoiber von Ihnen anhören, Herr Maget! "Sie waren in der Tat ein schwerer Gegner." Dieses Kompliment konnte Ihnen der Stoiber leider nie machen. Sie sind ja im Landtag auf ewig die Generation Praktikum. Herr Maget, Sie müssen einfach mehr Werbung machen. Sie haben doch in der Partei so grandiose PR-Strategen. Holen Sie doch die ins Boot.

Ein Verheugen zum Beispiel – der Mann strebt mit aller Macht einen Bürokratieabbau in der EU an. Und wie geht er selber mit gutem Beispiel voran? Er lässt am Strand alles Überflüssige weg. Nicht mal seine Frau hatte er dabei. Nein, er nimmt lieber eine Mitarbeiterin. Weil die ja sowieso bezahlt wird. Wofür auch immer. Herr Maget, Sie müssen einfach den Menschen im Lande deutlicher machen, dass die Bayern-SPD nicht nur aus Horst Seehofer besteht. Es ist natürlich eine reife Leistung, dass die Bayern-SPD mit Seehofer einen echten Trojaner bei der CSU unterbringen konnte.

Mit Seehofer hoffen Sie jetzt auf 25 Prozent für die SPD bei den Landtagswahlen. Sie rechnen also damit, dass drei von vier CSU-Wählern bei der Wahl daheim bleiben. Drum wollen Sie bei der Landtagswahl 2008 angreifen. Sie haben extra eine Arbeitsgruppe gebildet. "Erfolg 2008". Klingt besonders innovativ, wenn man ein Fremdwort nimmt. „Erfolg“. Die Chancen stehen gut für 2008. Aktuelle Umfragen sehen die SPD schon bei gigantischen 19 Prozent. Die Machtübernahme naht. Der Stiegler wartet nur noch drauf, dass die CSU den Pachtvertrag für Bayern nicht verlängert.

Herr Stiegler, und auch die Herren Maget und Pronold, Sie verwalten ein hohes Gut. Und zwar die Sinnfreiheit der bayrischen SPD. Dafür sollten sie weiterhin hart kämpfen. Denn selbst wenn die CSU abgewählt würde, heißt das ja noch lange nicht, dass andere regieren dürfen. Und an der Macht zu sein bedeutet noch lange nicht, dass auch tatsächlich regiert wird. Ein Blick auf Schwarz-Rot in Berlin bestätigt das tagtäglich. Drum sind Sie, Herr Beck, lieber in Mainz als in Berlin. Sie sind ein Mann des Volkes. Ein SPD-CSUler. Denn Ihnen ist in Berlin nichts heilig.

Nicht einmal Frau von der Leyen. Bisher kannte man die Dame als Bundesvolksvermehrungsministerin. Laut Bischof Mixa ist sie jetzt auch noch Gebärmaschinenbauingenieurin. Und dieser Frau werfen Sie, Herr Beck, beim Thema Vorschule "erschreckende Ahnungslosigkeit" vor. Diese Kritik nimmt man Ihnen ab. Sie wissen, wovon Sie reden. Immerhin haben Sie Ulla Schmidt in den eigenen Reihen. Sie hat ja ein quasi-erotisches Verhältnis zu grobem Unfug.

Sie, Herr Beck, haben das gleich gemerkt und sind kräftig auf die Reformbremse gestiegen. Sie kamen aber zu spät beim Gleichbehandlungsgesetz. Zum Glück! Dieses Gesetz ist das beste Jobprogramm für Anwälte und zugleich ABM für Paranoide. Jetzt werden massenhaft unfähige Arbeitnehmer zwangsweise schwul und überforderte Angestellte zu Ausländern, damit sie auch ohne Ahnung von irgendwas DAX-Vorstand werden können.

Oder sogar Minister! Bestes Beispiel: Der Gabriel. Er hat gestern leider abgesagt, weil er irgendwo ein Ozonloch stopfen soll. Der hat ja eine Karriere hingelegt! Vom Popbeauftragten zum Umweltminister. Praktisch von Schröders privatem CD-Wechsler zum Bundes-Schnappauf. Und einen Elan hat der drauf! Beim Gabriel hat man das Gefühl: Langsam kapiert er, dass er ein wichtiges Ministerium führt. Da käme der Schnappauf nie drauf.

Der Gabriel selber geht mit gutem Beispiel voran. Er fährt gerne mit dem Zug und schickt das Dienstauto parallel dazu auf die Autobahn, damit er am Zielort vom eigenen Auto abgeholt werden kann. Ein bisschen Seehofer steckt halt in uns allen.

Apropos Auto: Auch in letzter Sekunde abgesagt für heute hat leider die neue Pressesprecherin von Toyota. Frau Künast ist ja der Inbegriff des ehrlichen Politikers. Sie macht Lobby-Arbeit nicht hintenrum, sondern gleich am Endkunden. „Spinnt die jetzt komplett?“, hat der Stoiber geschimpft. Sie wird im Moment irgendwie nicht ganz ernst genommen. Da ist sie nicht die einzige.

Herr Bütikofer, falls Frau Künast wen suchen sollte zwecks Erfahrungsaustausch oder zur Gründung einer Selbsthilfegruppe: Geben Sie ihr einfach die Telefonnummer vom Joachim Herrmann. Der sitzt beim Stoiber in der gleiche Ecke wie die Künast. Und wie er da sitzt! Ein zwanghaftes Lächeln auf die Lippen gepresst! Als hätte er Nachhilfe vom Stoiber gekriegt.

Herr Herrmann, Sie als Fraktionschef sind ja praktisch der Hüter der Partei. Eigentlich sogar der Ladenhüter der Partei. Ihre Feuertaufe hatten Sie bei der Abstimmung zum Thema Ladenschluss. Sie wollten ein perfektes Ergebnis abliefern und sind so lange hin- und hergefetzt, bis ein eindeutiges Unentschieden rauskam. Wie mehrheitsfähig Sie sind, erkennt man an der Unerschütterlichkeit Ihrer Ansichten. In Kreuth dieses Jahr waren Sie fast dogmatisch. Herr Herrmann, wenn Sie verschiedene Meinungen hören wollen, reicht es, wenn Sie alle halbe Stunde ein Selbstgespräch führen.

Ihr Kollege in Berlin, der Kauder, der wäre froh, wenn er nur Selbstgespräche führen müsste. Herr Kauder, Sie sind zuständig für die Geschlossenheit der Union. Da versteht man langsam auch diesen besonderen Gesichtsausdruck von Ihnen. Sie schauen immer drein wie ein US-Präsident, der gerade erfährt, dass ihn Angela Merkel zum Hochsicherheitsgrillen in Meck-Pomm eingeladen hat.

Und jetzt noch die parteiinterne Gaudi mit den Krippenplätzen. Wo gibt’s denn die meisten Krippenplätze? Im Osten. Wo die Leute aussterben und/oder keine Arbeit haben. Ist das ein Modell für Deutschland? Aus Sicht der Union natürlich nicht. Und wo klappt es? Wo hat man Kinder UND sattes Wachstum? Wo regiert die Leichtigkeit des Seins? Natürlich in München. Die Stadt mit dem ewigen Bürgermeister.

Herr Ude, irgendwie können Sie auch nicht mehr loslassen. Man möchte fast meinen, Sie haben das Stoiber-Syndrom. Sie wissen auch: Ohne Sie wäre die Münchner SPD komplett marginalisiert bzw. magetisiert. Wenn Sie den Stoiber schon bei der Karrieredauer zum Vorbild nehmen, sollten Sie es auch beim starken Abgang tun. Denn der starke Abgang ist Ihnen gelungen, Herr Stoiber.

Die Spezialeffekte waren gigantisch. In einer Orkannacht wurde Ihr politisches Schicksal besiegelt. Als Fraktionschef Herrmann verkündete, die CSU wolle sehr bald den neuen Fahrplan rausgeben, blieben sofort alle Züge stehen. Um den Hauptbahnhof herum wurden im Umkreis von 10 Minuten alle Flüge abgesagt. Und selbst beim Bayerischen Filmpreis war alles auf Sie abgestimmt. Sie zeichneten dort einen Film aus, der da heißt: Wer früher stirbt, ist länger tot. Um dieses Händchen für Symbolik hätte Sie selbst Strauß beneidet.

Am Aschermittwoch gründeten Sie zudem den "Verein für deutliche Aussprache". Herr Stoiber, wir werden die Momente, in denen Sie mit deutlicher Aussprache brilliert haben, vermissen. Denn es waren nicht viele. Sie kamen als freiwilliger Politiker und gehen als unfreiwilliger Humorist. Sie sind längst Metaphysik. Sie sind entrückt aus all Ihren Ämtern und doch noch da. Ihre transzendentale Bedeutung wurde im September offenbar: Denn kein Lebewesen vor Ihnen wurde jemals derart pompös von einem Papst in München empfangen. In diesem Sinne: Auf ein Neues!



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