Staatsbesuch Bush versetzt Rhein-Main in den Ausnahmezustand

Schulen und Kindergärten werden geschlossen, Autobahnen gesperrt: Mainz und Wiesbaden bereiten sich auf den Staatsbesuch von George W. Bush am 23. Februar vor.


Mainz/Wiesbaden - Nach seiner Landung auf dem Frankfurter Flughafen gegen 10 Uhr wird Bush mit einer Wagenkolonne über die Autobahnen A 3 und A 66 sowie die Theodor-Heuss-Brücke nach Mainz fahren. Dort soll er im Mainzer Schloss mit Bundeskanzler Gerhard Schröder zusammen treffen. Die Stadt Mainz bereitet sich auf eine Visite von First Lady Laura Bush im Mainzer Gutenberg-Museum vor. Ob der Präsident seine Frau dabei begleiten wird, ist bislang offen.

Gegen 16 Uhr soll der Mainzer Teil des Staatsbesuchs abgeschlossen sein. Nach Angaben aus informierten Kreisen soll Bush anschließend über die Theodor-Heuss-Brücke nach Wiesbaden fahren, wo auf dem US-Armeeflugplatz im Stadtteil Erbenheim ein Truppenbesuch geplant ist. Danach wird Bush zum Frankfurter Flughafen zurückkehren und von dort aus Deutschland verlassen. Neben der zeitweisen Sperrung der A 3 und der A 66 ist vorübergehend auch mit der Sperrung von Ausweichstrecken wie der A 60 zwischen dem Kreuz Mainz-Süd und dem Rüsselsheimer Dreieck zu rechnen.

Der Besuchsplan macht weitgehende Verkehrseinschränkungen sowohl in der Mainzer Innenstadt als auch in den am Rhein gelegenen Wiesbadener Stadtteilen sowie Erbenheim notwendig. Wie der Sprecher der Stadt Mainz, Marcus Biagioni, berichtete, ist davon auszugehen, dass die Buslinien zwischen den beiden Landeshauptstädten am Tag des Staatsbesuchs nicht fahren werden. Die S-Bahnen im Rhein-Main-Gebiet sollen dagegen weitgehend planmäßig verkehren: "Die Stadt ist daran interessiert, die mit dem Besuch verbundenen Einschränkungen so gering wie möglich zu halten." Ein ganztägiger Verkehrskollaps im westlichen Rhein-Main-Gebiet sei aber nicht zu befürchten. Während die Theodor-Heuss-Brücke am 23. Februar für Bush und seinen Tross reserviert bleibt, soll die Autobahnbrücke über den Rhein bei Wiesbaden-Schierstein für den Verkehr offen bleiben. Allerdings sei hier mit Verkehrskontrollen in Richtung Mainz zu rechnen, sagte Biagioni. Großbetriebe in Wiesbaden und Mainz wie der Glashersteller Schott und der Industriepark Kalle-Albert rechnen bislang nicht mit gravierenden Einschränkungen für ihre Abläufe.

Noch völlig unklar sind die Auswirkungen der angekündigten Demonstrationen gegen Bush auf die Verkehrslage. Die Friedensbewegung hat einen Protestzug gegen die US-Außenpolitik durch die Mainzer Innenstadt angekündigt. Davon könnte auch das Gebiet rund um den Hauptbahnhof und damit ein zentraler Knotenpunkt im Mainzer Busverkehr betroffen sein.

Die Wiesbadener Stadtverwaltung kündigte an, dass die Schulen in den Stadtteilen Amöneburg, Kastel und Kostheim am 23. Februar geschlossen bleiben. In den genannten Stadtteilen sowie in Wiesbaden-Biebrich und Erbenheim bleiben zudem alle Kindergärten und Jugendzentren ganztägig dicht.

Um die ohnehin überlasteten Straßen etwas von Verkehr zu befreien, hat Wiesbaden zudem beschlossen, alle städtischen Sporthallen und die Kfz-Zulassungsstelle am 23. Februar zu schließen sowie auf die Müllabfuhr zu verzichten. In Mainz werden nach Angaben von Stadt und Land zumindest die in der Nähe des Schlosses gelegenen Schulen und Kindergärten geschlossen bleiben.



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