Zum Tode Max Stadlers: Kein Mann der lauten Worte

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Er war so etwas wie der Antitypus zum aggressiven, hochtourigen Politiker: Der parlamentarische Staatssekretär Max Stadler ist unerwartet mit 64 Jahren gestorben. Er war ein ausgewiesener Liberaler, enger Weggefährte der Bundesjustizministerin und verdiente sich Respekt über Parteigrenzen hinweg.

Justiz-Staatssekretär Max Stadler: Überraschender Tod mit nur 64 Jahren Zur Großansicht
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Justiz-Staatssekretär Max Stadler: Überraschender Tod mit nur 64 Jahren

Max Stadler war kein Mann der lauten Worte. Wenn der Staatssekretär aus dem Bundesjustizministerium im Bundestag sprach oder zum Hintergrund ins Ministerium einlud, war er von gleichbleibender Freundlichkeit. Gegenüber jedermann. Das brachte ihm Respekt ein - über die Parteigrenzen hinweg, auch bei vielen Journalisten. Stadler war so etwas wie der Antitypus zum aggressiven, hochtourigen Politiker, wie man ihn auf der politischen Bühne in Berlin auch findet.

Für Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger war er einer der wichtigsten politischen Wegbegleiter in der FDP. Beide standen für eine liberale Rechtspolitik, wie sie in der FDP nicht immer und überall Anklang fand. Es gab Phasen, in der beide auf scheinbar verlorenem Posten mit ihrem Anspruch standen, dass gerade eine liberale Partei den Schutz der Bürgerrechte nicht aus den Augen verlieren dürfe. Für die Ministerin war Stadler zudem einer der wichtigsten Mitstreiter im Justizministerium, einer, der die operative Arbeit des Hauses entscheidend gestaltete und ihr in vielen Dingen den Rücken frei hielt.

"Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer habe ich von dem überraschenden Tod meines engen Freundes, langjährigen politischen Weggefährten und parlamentarischen Staatssekretärs erfahren", schrieb Leutheusser-Schnarrenberger am Sonntag. Der plötzliche Tod sei ein ganz großer Verlust für seine Familie und Freunde, für die bayerische FDP und für die Rechtspolitik insgesamt, so die bayerische Landesvorsitzende der FDP. FDP-Bundesvorsitzender Philipp Rösler erklärte: "Wir können es kaum fassen, dass er so unvermittelt aus unserer Mitte gerissen wurde. Wir verlieren in ihm nicht nur einen engagierten Politiker, sondern auch einen äußerst liebenswürdigen Menschen und einen guten Freund."

Ruhig und besonnen

Stadler trat 1972 der FDP bei, es war die prägende Zeit der sozial-liberalen Koalition unter Kanzler Willy Brandt (SPD) und dem damaligen Außenminister Walter Scheel (FDP), der zwei Jahre später Bundespräsident werden sollte. Aus Passau stammend, wo er auch im Stadtrat saß und seit 1990 die dortige FDP-Fraktion führte, konnte Stadler, der auch als Richter und Staatsanwalt gearbeitet hatte, mit Humor über seine Niederlagen reden. Seine Zeit als Landesvorsitzender der bayerischen FDP in den neunziger Jahren endete unglücklich - nach sieben Jahren trat er, unverschuldet, wegen einer Finanzaffäre zurück, zusammen mit dem gesamten Landesvorstand. Das war 1998 und die Aussichten schienen trübe.

Wenn er über diese Zeit sprach, erzählte er gerne eine Anekdote, die viel über den Menschen Stadler aussagte: Einmal sei er zu einer Veranstaltung mit seiner Frau gefahren und habe den Wagen irgendwo um die Ecke parken wollen. Aber seine Frau habe ihm gesagt, er sei ja nun Landesvorsitzender, da müsse er vor das Lokal vorfahren, damit es auch jeder mitbekäme. So schilderte er es einer Runde von Gästen noch im Herbst vergangenen Jahres, nach der Klausurtagung der FDP-Bundestagstagsfraktion in Mainz, beim abendlichen Empfang.

Stadlers Karriere in der Partei wäre 1998 mit seinem Rücktritt als Landeschef fast beendet gewesen. Doch rettete ihn, wie er selbst an diesem Abend in Mainz freimütig erzählte, knapp ein Jahr später der CDU-Spendenuntersuchungs-Ausschuss des Bundestags. Dort saß er bis 2002 als FDP-Obmann und befragte unter anderem Helmut Kohl und Roland Koch, die beiden CDU-Granden. Er tat das, wie es seinem Naturell entsprach, ruhig und unaufgeregt - im Gegensatz zu manchen Vertretern der Grünen und der SPD. Seine unpolemische Art teilte er ausgerechnet mit der damaligen Vertreterin der PDS im Ausschuss, Evelyn Kenzler. Beide fielen Medien positiv auf - und dafür gab es öffentliches Lob in Berichten und Kommentaren.

Stadler, der erstmals 1994 in den Bundestag gewählt wurde, kam mit der schwarz-gelben Koalition im Herbst 2009 ins Amt des parlamentarischen Staatssekretärs im Bundesjustizministerium. In Berlin arbeitete er, seine Heimat aber blieb stets Bayern, vor allem Passau und Umgebung. Am Sonntagnachmittag erlitt der 64-Jährige auf einer Veranstaltung am Golfplatz Raßbach im Landkreis Passau einen Sekundentod.

Max Stadler hinterlässt eine Frau und einen Sohn.

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insgesamt 5 Beiträge
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1. r.i.p.
dau=maccie 12.05.2013
Zitat von sysopEr war so etwas wie der Antitypus zum aggressiven, hochtourigen Politiker: Der parlamentarische Staatssekretär Max Stadler ist unerwartet mit 64 Jahren gestorben. Er war ein ausgewiesener Liberaler, enger Weggefährte der Bundesjustizministerin und verdiente sich Respekt über Parteigrenzen hinweg. Staatssekretär Max Stadler ist tot - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/staatssekretaer-max-stadler-ist-tot-a-899372.html)
servus max - woarst a guater
2.
m.straesser 12.05.2013
PfiaGod, Max. Martin Sträßer Referendar in Max Stadlers Arbeitsgemeinschaft am Landgericht Passau
3. Unpraetentioes und kompetent
grubersam 13.05.2013
Ich durfte Max Stadler als junger Journalist in Passau Mitte der 80iger Jahre kennenlernen. Er kaempfte damals als Kopf der FDP auf fast verlorenem Posten und liess sich das nie anmerken. Ich erinnerne mich gut an seine Besuche in der Redaktion. Kein Politiker war wie er. Ruhig, sachlich, unpraetentioes, niemals fordernd. Spaeter habe ich mit grosser Freude seine unerwartete Karriere verfolgt. Dass einer wie er - ohne Ellenbogen, dafuer mit feiner Intelligenz - in der Politik der Grossen mitmischen durfte, erschien fast wie ausgleichende Gerechtigkeit. Das hat den Juristen in ihm sicher bestaetigt, dass man auch mit sachlicher Arbeit und fairem Auftreten etwas erreichen kann. Der SPIEGEL-Beitrag hat das sehr schoen reflektiert. Danke dafuer und danke vor allem an Max Stadler fuer die so angenehme andere Art!
4. mit
beissreflex 13.05.2013
Es gibt ja immer noch Leute, die glauben dass es normal wäre, alt genug zu werden, um noch was von der Rente zu haben. O.o
5. nomen est omen
dau=maccie 13.05.2013
Zitat von reinerunfugein Anhängsel der unsäglichen Leuth-Schnarr., sozusagen ein Teil ihrer Darmflora. Ich mochte ihn nicht.
der max stadler war schon wer, da kannte die schnarri noch kein mensch. de mortibus nihli nise bene gilt wohl nicht mehr (zumindestens da wo sie herkommen) und einen solchen thread zu nutzen um auf unbeteiligte dritte (schnarri) einzuschlagen zeigt ganz deutlich ihr nivea (oder wie das heißt).
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