Stasi Erich Mielke ist tot

Im Alter von 92 Jahren ist der vielleicht meistgehasste Mann der DDR gestorben. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der langjährige Chef des Staatssicherheitsdienstes bereits seit Montag tot.


Berlin - Das Landeseinwohneramt bestätigte am Donnerstagabend eine entsprechende Meldung der Zeitung "Berliner Kurier". Der Vorsitzende der PDS-Bundestagsfraktion, Gregor Gysi, sagte der Zeitung: "In gewisser Weise ein verschenktes Leben, weil er nie verstanden hat, dass Rechtssicherheit und nicht die Fülle konspirativ gesammelter Informationen zu einer wirklichen Staatssicherheit führt. Obwohl er mit Sicherheit das Gegenteil wollte, hat er einen entscheidenden Beitrag zum Scheitern des sozialistischen Versuchs auf deutschem Boden geleistet." Der PDS-Vorsitzende Lothar Bisky kommentierte: "Erich Mielke - das ist die Verkörperung der Widersprüche der historischen Bewegung, der DDR, der SED. ... Er lebte im Jahrhundert der Extreme."

Erich Mielke
AP

Erich Mielke

Mielke hatte bereits kurz nach seiner Rückkehr aus dem Exil in der Sowjetunion 1946 mit dem Aufbau einer politischen Polizei in der damaligen sowjetischen Besatzungszone begonnen. Den daraus hervorgegangenen berüchtigten DDR-Geheimdienst leitete er von 1957 bis zu dessen Auflösung im Jahr 1989. Ihm unterstanden 92.000 hauptamtliche Stasi-Leute und 170.000 freiwillige Spitzel, zudem die fast 10.000 Mann des so genannten Wachregiments "Feliks Dzierzynski". Als einer der so genannten Betonköpfe in der Führungsriege der SED war er für das gewaltsame Vorgehen von Polizei und Stasi-Einheiten gegen Demonstranten in der Wendezeit mit verantwortlich.

Rechtskräftig verurteilt wurde er nach dem Zusammenbruch des Systems aber wegen eines Jahrzehnte zurückliegenden Verbrechens: Weil er 1931 in Berlin zwei Polizisten ermordet hatte, wurde er 1993 zu sechs Jahren Haft verurteilt. Unter Berücksichtigung anderer Haftzeiten wurde er 1995 nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe entlassen. Insgesamt verbrachte er nach der Wende rund fünf Jahre in Gefängnissen. Ein Verfahren wegen der Todesschüsse auf DDR-Flüchtlinge wurde wegen Verhandlungsunfähigkeit eingestellt. Für die dreieinhalb Monate Untersuchungshaft in diesem Verfahren wurde er später mit rund 2.000 Mark entschädigt.

Mielke soll dem "Berliner Kurier" zufolge am 10. Juni auf dem so genannten Friedhof der Sozialisten in Friedrichsfelde beigesetzt werden.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.