Stasi-Unterlagen: "Bedarf an Aufarbeitung ungebrochen"

Ein Ende der Behörde für Stasi-Unterlagen ist nach Ansicht von Roland Jahn nicht absehbar. Der neue Leiter der Einrichtung sagte im Gespräch mit dem SPIEGEL, der Bedarf an Aufklärung sei ungebrochen. Jahn will den Schwerpunkt der Arbeit künftig auf den Alltag in der DDR-Diktatur legen.

Behördenchef Jahn: Plädoyer für differenzierten Umgang mit persönlichen Verstrickungen Zur Großansicht
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Behördenchef Jahn: Plädoyer für differenzierten Umgang mit persönlichen Verstrickungen

Der neue Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, hat sich gegen alle Pläne zur Schließung seiner Behörde ausgesprochen. "Ein Ende der Behörde ist nicht absehbar", erklärte er in einem Gespräch mit dem SPIEGEL. Alle bisherigen Prognosen hätten sich als falsch erwiesen. "Der Bedarf an Aufarbeitung ist ungebrochen."

Als zukünftigen Schwerpunkt seiner Arbeit bezeichnete Jahn den "Alltag in der Diktatur". Dabei sprach er sich für einen differenzierten Umgang mit persönlichen Verstrickungen aus: "Ich bin kein Anhänger des Automatismus: IM gleich Entlassung." Er zeigte Verständnis für "unterschiedliche Perspektiven" auf die DDR. Auch in der Diktatur habe die Sonne geschienen. "Es gab eben beides: Knast in Hohenschönhausen und FKK an der Ostsee."

Zugleich plädierte Jahn für die Unterstützung der Aufarbeitung der Diktaturen in den arabischen Staaten. "Auch in diesen Gesellschaften geht es Menschen um Aufklärung", erklärte er. Es gebe konkret Anfragen aus Ägypten danach, wie die Öffnung und Sicherung von Akten erfolgen könne. Von dem Prozess der Aufarbeitung würden alle profitieren. "Vielleicht lernen dann auch deutsche Politiker, eine Diktatur nicht erst dann Diktatur zu nennen, wenn der Staat Menschen auf der Straße erschießt."

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1. Jahn
The_Laser 27.03.2011
"Ich bin kein Anhänger des Automatismus: IM gleich Entlassung." Für seine eigene Behörde scheint das nicht zu gelten, dort will er alle 50 IM-belasteten Angestellte entlassen.
2. Gaddafi war Carlos bester Kunde
aronsperber 27.03.2011
aus aktuellem Anlaß wäre es interessant zu untersuchen, wie die Stasi Carlos bei seinen Terrorstreichen unterstützte: http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/03/25/vergangenheit-und-zukunft-des-terrorismus/ viele von Carlos Terrorstreichen wurden von Gaddafi bestellt
3. Automatismus...
zinobln, 27.03.2011
Zitat von The_Laser"Ich bin kein Anhänger des Automatismus: IM gleich Entlassung." Für seine eigene Behörde scheint das nicht zu gelten, dort will er alle 50 IM-belasteten Angestellte entlassen.
...es handelt sich nicht um im-belastete angestellte, sondern um ehemalige hauptamtliche stasi-typen und die haben es nun wirklich verdient gefeuert bzw. umgesetzt zu werden. umgesetzt schreibe ich deshalb, weil aus einer begründung vor fast 20 jahren heraus, diese mistkerle angeblich zur dechiffrierung benötigt wurden. deshalb gilt jetzt natürlich das arbeitsrecht! einer hat geschlafen und jetzt ist die korrektur fast nicht mehr möglich. an die moral dieser stasileute braucht keiner zu appellieren ... moral hatten die noch nie!!!
4. ich würde gerne aufarbeiten
delta058 07.04.2011
Es ist interessant wie hier mal wieder Worte und Taten auseinander liegen. Meine Mutter hat voriges Jahr ihre Stasiakte angefordert, sie war in der DDR Nichtwähler und ist über das nichtsozialistische Land ausgereist. Außerdem hatte ihr ehemaliger Mann und mein Erzeuger engen Kontakt zum MDI und benutzte diesen um meiner Mutter mir und der gesamten Familie aus Rache zu schaden. Trotzdem existiert angeblich keine Akte über sie. Wo wir auch hinkommen stoßen wir nur auf eine Mauer des Schweigens. Nach 20 jahren ist unserer Familie die Erkenntnis gereift das nicht primär die Ostdeutschen (allem voran die ehem. Machthaber) die Aufarbeitung des Unrechtes verhindert haben sondern die Westdeutschen die voller Inbrunst ihre schützende Hand über die Verbrecher gelegt haben und es immer noch tun. Es gab niemals ein Bedürfnis in der BRD das Unrecht der DDR aufzuarbeiten, warum auch immer.
5. Mauer des Schweigens!
Claudio Soriano 07.04.2011
Zitat von delta058Es ist interessant wie hier mal wieder Worte und Taten auseinander liegen. Meine Mutter hat voriges Jahr ihre Stasiakte angefordert, sie war in der DDR Nichtwähler und ist über das nichtsozialistische Land ausgereist. Außerdem hatte ihr ehemaliger Mann und mein Erzeuger engen Kontakt zum MDI und benutzte diesen um meiner Mutter mir und der gesamten Familie aus Rache zu schaden. Trotzdem existiert angeblich keine Akte über sie. Wo wir auch hinkommen stoßen wir nur auf eine Mauer des Schweigens. Nach 20 jahren ist unserer Familie die Erkenntnis gereift das nicht primär die Ostdeutschen (allem voran die ehem. Machthaber) die Aufarbeitung des Unrechtes verhindert haben sondern die Westdeutschen die voller Inbrunst ihre schützende Hand über die Verbrecher gelegt haben und es immer noch tun. Es gab niemals ein Bedürfnis in der BRD das Unrecht der DDR aufzuarbeiten, warum auch immer.
Bestes beispiel-IM Erika,alias A.Merkel,z.Z Deutsche BK! Akten,Biografie alles darf beim WDR nicht veröffendlicht,herausgegeben werden,warum wohl nicht? Wendehälse sitzen in CDU-CSU-SPD-FDP,darum die Inbrunst der schützenden Hände! Nach 1946,war es in der damaligen BRD.genauso,Ns Verbrecher wurden reingewaschen,und haben zum größten teil unbeschadet Ihre Karriere fortgesetzt. MfG Claudio Soriano
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