Stasi-Vorwürfe Leipziger Uni entlässt PDS-Politiker Porsch

Der sächsische PDS-Spitzenkandidat Peter Porsch muss seinen Posten als Hochschullehrer in Leipzig wegen Stasi-Vorwürfen räumen. Das sächsische Wissenschaftsministerium kündigte dem Politiker fristlos, weil er als Spitzel tätig gewesen sein soll.


Peter Porsch: Als "IM Christoph" bei der Stasi?
DPA

Peter Porsch: Als "IM Christoph" bei der Stasi?

Dresden - Mit der Entlassung des Professors am Institut für Germanistik folgte das Ministerium einer einstimmigen Empfehlung der Personalkommission der Universität. Auch der Hauptpersonalrat hatte keine Bedenken gegen die Kündigung. Porsch soll nach Auskunft der Birthler-Behörde als Inoffizieller Stasi-Mitarbeiter registriert gewesen sein. Er bestreitet das und hatte erklärt, er sei womöglich unwissentlich abgeschöpft worden. Der damalige Leipziger Stasi-Hauptmann Friedheim Opelt hatte bestätigt, sich Porsch gegenüber bei der Befragung über eine Lesung mit regimekritischen Autoren als Kriminalbeamter ausgegeben zu haben.

Grund für die Entlassung waren nach Auskunft des Ministeriums Stasi-Unterlagen, die am 9. August von der Birthler-Behörde übersandt worden waren. Die Personalkommission hatte Porsch die Möglichkeit eingeräumt, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Davon hatte der Professor aber keinen Gebrauch gemacht. Porsch kündigte umgehend Klage vor dem Arbeitsgericht an.

Um die DDR-Vergangenheit wegen einer möglichen Tätigkeit für die Stasi überprüfen zu können, waren alle Mitarbeiter an Universitäten ohne Ausnahme verpflichtet, einen Fragebogen auszufüllen. Ein Ministeriumssprecher hatte in der vergangenen Woche erklärt, Porsch sei der einzige ihm bekannte Fall, in dem ein Betroffener das Ausfüllen des Fragebogens verweigert habe.

Der gebürtige Wiener war 1973 in die DDR übergesiedelt. Er arbeitete seit 1988 als Professor in Leipzig und lehrte Dialektologie und Sprachsoziologie.



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