Statistisches Bundesamt Immer mehr Frauen bleiben kinderlos

In Deutschland verzichten immer mehr Frauen auf Nachwuchs. Laut Statistischem Bundesamt hat jede fünfte Frau zwischen 40 und 44 Jahren keine Kinder. In Westdeutschland ist der Anteil noch höher, vor allem in den Stadtstaaten.

DPA

Wiesbaden/Berlin - Über Familienpolitik haben Union und SPD bei ihren Sondierungen besonders hitzig gestritten. Seien es Kita-Ausbau, Betreuungsgeld oder Elterngeld - diese Leistungen sollen auch helfen, den Geburtenrückgang zu stoppen. Doch wie ist es tatsächlich um Kinder oder Kinderlosigkeit in Deutschland bestellt? Das hat das Statistische Bundesamt in einem Report zu "Geburtentrends und Familiensituation in Deutschland" erforscht.

Konkret haben die Wissenschaftler folgende Trends ausmachen können:

  • Der Anteil der Frauen ohne Kinder steigt. Von den Frauen, die heute 40 bis 44 Jahre alt sind, sind 22 Prozent kinderlos. Vor vier Jahren waren es noch 20 Prozent.

  • Im Vergleich zwischen den alten und neuen Bundesländern ergibt sich: In Westdeutschland blieb im vergangenen Jahr fast jede vierte Frau in diesem Alter ohne Kinder (23 Prozent). In Ostdeutschland lag der Anteil bei 15 Prozent. Im Vergleich zum Jahr 2008 stieg der Anteil der kinderlosen Frauen im Osten allerdings deutlich um fünf Prozentpunkte. Im Westen lag der Anstieg nur bei einem Prozentpunkt.

  • Besonders ausgeprägt ist die Kinderlosigkeit in den Stadtstaaten. Am auffälligsten ist dies in Hamburg, wo 2012 fast jede dritte Frau (32 Prozent) keinen Nachwuchs hatte.

  • Deutschlandweit hatten die meisten Frauen Kinder in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Die Quote der Kinderlosigkeit lag bei jeweils 14 Prozent. Unter den westlichen Flächenländern war der Anteil im Saarland (20 Prozent) und in Baden-Württemberg (21 Prozent) am niedrigsten.

  • Viele Akademikerinnen bleiben kinderlos. In den alten Bundesländern erreichte 2012 die Kinderlosenquote bei Akademikerinnen zwischen 45 und 49 Jahren mit 30 Prozent einen neuen Höchststand. Bei den fünf Jahre jüngeren Akademikerinnen wird die Kinderlosenquote hingegen voraussichtlich etwas geringer ausfallen.

  • Im Osten war dieser Unterschied zwischen Frauen mit und ohne akademischen Abschluss bislang weniger ausgeprägt. Die Kinderlosigkeit nimmt in den neuen Ländern derzeit allerdings bei den Frauen mit Hochschul- oder Fachschulabschluss schneller zu als bei den Nicht-Akademikerinnen.

  • Der Trend zur späteren Familiengründung setzt sich fort. Im bundesdeutschen Durchschnitt waren 2012 die Mütter beim ersten Kind 29 Jahre alt. Der Anteil der Frauen, die noch vor ihrem 30. Geburtstag das erste Kind bekommen, wird immer kleiner. Dadurch verringert sich auch die Anzahl der potentiellen Mütter mit drei oder mehr Kindern. Zum Vergleich: Anfang der siebziger Jahre waren Frauen im früheren Bundesgebiet bei der ersten Geburt durchschnittlich gut 24 Jahre alt. Im Jahr 2012 waren sie mit 29 fünf Jahre älter. Ostdeutsche Frauen bekamen ihr erstes Kind durchschnittlich im Alter von 28 Jahren - also fünf Jahre später als noch im Jahr 1989.

  • Mütter bringen durchschnittlich zwei Kinder zur Welt. Die Verteilung der Mütter nach Zahl der Kinder ist seit über dreißig Jahren stabil. Im Jahr 2012 hatten 31 Prozent der Mütter nur ein Kind, 48 Prozent zwei Kinder, 15 Prozent drei Kinder und 6 Prozent vier oder mehr Kinder geboren. In den neuen Ländern war der Anteil der Mütter mit mehr als zwei Kindern mit 14 Prozent deutlich geringer als im früheren Bundesgebiet (23 Prozent).

  • Nach der Geburt beziehungsweise in den ersten Lebensjahren eines Kindes sind es vor allem die Mütter, die ihre Erwerbstätigkeit für die Familie unterbrechen oder sogar ganz aufgeben und sich um die Kinderbetreuung kümmern. Im Jahr 2012 war nur rund jede dritte Mutter (32 Prozent) mit Kindern unter drei Jahren aktiv erwerbstätig. Von den Müttern, deren jüngstes Kind unter einem Jahr alt war, waren es sogar nur 9 Prozent.

  • Je älter die Kinder werden, desto häufiger gehen Mütter (wieder) einer Erwerbstätigkeit nach. Von den Müttern mit jüngstem Kind im Kindergartenalter (3 bis 5 Jahre) waren 62 Prozent aktiv erwerbstätig. Mütter von 15- bis 17-jährigen Kindern waren zu 73 Prozent aktiv erwerbstätig.

  • Bei den Vätern ist die Beteiligung am Erwerbsleben dagegen weitgehend unabhängig vom Heranwachsen der Kinder. Die Quote der aktiv erwerbstätigen Väter lag 2012 - je nach Alter des jüngsten Kindes - zwischen 82 Prozent und 85 Prozent.

Der Mikrozensus liefert im vierjährigen Rhythmus Angaben über die Zahl der Kinder je Mutter und darüber, wie viele Frauen kinderlos sind. Er ist mit seiner Stichprobe von rund einem Prozent der privaten Haushalte die größte jährliche Personenbefragung in Deutschland. Im Jahr 2012 wurden 688.900 Menschen befragt. Im Unterschied zu einer Totalerhebung ist diese mit einem stichprobenbedingten Fehler behaftet.

kgp/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 712 Beiträge
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Seite 1
marty_gi 07.11.2013
1. ..in meinem engeren Bekanntenkreis
Die Damen im entsprechenden Alter meines Bekanntenkreises - sind alle nicht mal verheiratet, bis auf eine. Und auch die hat kein Kind. Das hat jetzt natuerlich auch was mit der "unbewussten" Wahl des Freundeskreises zu tun, aber es ist ein Stueck weit ein Generationsproblem. Ich habe den Eindruck, dass juengere Generationen im Gegensatz dazu schon wieder kinderfreudiger sind/waren. Und auch bindungsfreudiger.
!!!Fovea!!! 07.11.2013
2.
Zitat von sysopDPAIn Deutschland verzichten immer mehr Frauen auf Nachwuchs. Laut Statistischem Bundesamt hat jede fünfte Frau zwischen 40 und 44 Jahren keine Kinder. In Westdeutschland ist der Anteil noch höher, vor allem in den Stadtstaaten. Statistisches Bundesamt: Immer mehr Frauen bleiben kinderlos - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/statistisches-bundesamt-immer-mehr-frauen-bleiben-kinderlos-a-932324.html)
Tja, scheinbar sind die Frauen zwischen 40 und 44 beruflich erfolgreicher, als diejenigen, die sich aufgrund beruflicher Perpektivlosigkeit schwängern lassen, um sich danach von Mann und Staat alimentieren zu lassen. Denn den Staat interessiert die Familienpolitik nicht, sonst würde der sich mehr für die Finanzierung einsetzen, stattdessen werden immer mehr unsinnige Gesetze erfunden, damit die Eltern (oder besser der Unterhaltspflichtige) bis zum St. Nimmerleinstag die Nachkommen finanzieren muss. Das ist nämlich die Realität.
cemi 07.11.2013
3.
So, und jetzt wundern sich wieder alle, woher das denn wohl kommt. Darauf, dass in diesem verstaubten, erzkonservativen, markthörigen Deutschland Kinder DER Karrierekiller schlechthin sind, kommt wieder keiner. Aber was soll's, die Konservativen feiern ja einen Wahlerfolg nach dem anderen, dann wird das ja wohl so seine Richtigkeit haben.
donald_rumsfeld 07.11.2013
4. Warum ist das so?
In diesem Artikel werden viele Zahlen aufgezeigt, aber in keinem Satz wird erwähnt auf welchen Grund dies zurückschliessen ist. Kann jemand Gründe für diesen Effekt darbringen?
Christian Wernecke 07.11.2013
5. optional
Immer weniger Interesse an Familie und Kinder? Kein Wunder, diese beiden Themen werden ja auch permanent niedergemacht oder relativiert. Wer sich mehr um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern oder von Homosexuellen kümmert bzw. all die anderen Unwichtigkeiten, statt um das Ansehen der Familien und das Wohl der Kinder, muss sich nicht wundern, wenn das solche Ausmaße annimmt. Nachdenken hierüber sowieso gleich Null.
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