Abschied vom Fernsehen Warum Stefan Raab der Politik fehlen wird

Wenn Stefan Raab geht, wird uns seine lockerlässige Art fehlen, über Politik zu sprechen. Unvergessen das Kanzlerduell 2013, wo er die Kanzlerin und den "King of Kotelett" piesackte. Ein anderes Polit-Format floppte.

DPA

Ein Stefan Raab gibt sich nicht zufrieden. Angela Merkel und Peer Steinbrück dürfen seinen Fragen nicht ausweichen. Floskeln erkennt er sofort. Raab hakt nach, spricht dazwischen, regt sich auf: "Herr Steinbrück, Sie sagen ja immer, Sie stehen für eine große Koalition nicht zur Verfügung." Doch was wählten all diejenigen, die sich eine SPD mit einem starken Peer Steinbrück als Vizekanzler und Finanzminister wünschten, fragt Raab beim Kanzler-TV-Duell 2013.

Steinbrück versucht, sich durchzumogeln. Raab schlägt zu: "Das ist doch keine Haltung zu sagen: 'Ich will nur gestalten, wenn ich auch King of Kotelett bin' (…). Oliver Kahn ist auch als Nummer zwei zur WM gefahren. Warum? Weil es der Sache dient (…) und das nötigt den Leuten Respekt ab."

Deshalb wird Stefan Raab dem deutschen Polit-Talk fehlen. Wo andere Moderatoren mit viel Ernst versuchen, Politikern Aussagen zu entlocken, kommt Raab lässig daher. Er stellt Fragen, die auch frustrierte Wähler im Kopf haben, ohne dabei unprofessionell zu wirken.

Selbst die Kanzlerin geht er frech an: "Wie wär's denn, wenn Sie ab sofort keine Schulden mehr machen würden? Wenn Sie ab sofort vielleicht einfach jeden Monat eine Milliarde zurückzahlen, dann wären wir, nur (...) dass die Dimension mal klar ist, dann wären wir bereits 2184 schuldenfrei. Oder ist Ihnen das zu ehrgeizig?"

Raab habe sich als Moderator für ProSiebenSat.1 nach amerikanischem Muster unterhaltend und informativ gezeigt, lobte ihn die Jury des Grimme-Preises - auch wenn er den Preis letztlich nicht gewann.

Schade um den Erstwähler-Check

Jetzt ist Schluss mit Raabs TV-Karriere, und leider auch mit dem Erstwählercheck bei TV Total. In den kurzen Clips wurden junge, mehr oder weniger gebildete Wähler über ihre Einstellung zur Wahl und ihr Wissen befragt. Darüber konnte man sich amüsiere - oder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen:

Frage: "Wer ist der aktuelle Bundeskanzler?"
Antwort: "Die Bundeskanzlerin."
Frage: "Wie findeste die?"
Antwort: "Ähm ja, sag ich jetzt nichts zu."
Frage: "Sag mal, über was kann man eigentlich mit dir reden?"
Antwort: "Germany's Next Topmodel."

Beleidigend mag das für viele gewirkt haben, für andere einfach nur amüsant. Für viele jungen Zuschauer war es vielleicht auch der Anstoß, sich mehr mit der Politik auseinanderzusetzen. Selbst neue Ideen für Wahlsysteme regte Raabs Redaktion an - Achtung: Nicht ganz ernst gemeint! Frage: Würdest du, "bei Facebook wählen?" Antwort: "Ja, wär cool, wäre praktischer. Kann man dann auch von zu Hause aus machen."

Seine "Absolute Mehrheit" kam nicht an

2012 starte Raab den ambitionierten Versuch, mit einem eigenen Polit-Talk eine junge Zielgruppe wieder für Politik zu begeistern - und scheiterte. Die Spielidee von "Absolute Mehrheit": Politiker, Prominente und auch weitestgehend Unbekannte versuchten, in einer Diskussion das Publikum zu überzeugen. 100.000 Euro gab es zu gewinnen. Mitnehmen konnte derjenige das Geld, der bei einer Zuschauerabstimmung per SMS oder Telefon die absolute Mehrheit erreichte. Bundestagspräsident Norbert Lammert bezeichnete das Konzept als "absoluten Unfug", der damalige Verkehrsminister Peter Ramsauer befürchtete eine Veralberung.

Gleich in der ersten Sendung leistete er sich einen Ausrutscher, der ihn viele Sympathien kostete - einen Witz auf Kosten des FDP-Politikers Philipp Rösler, den viele Zuschauer als rassistisch empfanden. Und er diskutierte unter Niveau, viele der kurzen Einspielfilmchen, die die Diskussionsthemen wie Reichensteuer, Energiewende und soziale Netzwerke einleiteten, wirkten dümmlich. Doch in den folgenden Sendungen steigerte sich Raab, wurde wieder lockerer, was die Zuschauer jedoch nicht honorierten. Die Quote brach ein, und die Sendung wurde aus dem Programm gekippt. Immerhin war es der Versuch, Polit-Talk anders zu gestalten, als es die biederen Sendungen im Öffentlich-Rechtlichen vormachten.

Und wer weiß. Vielleicht entscheidet sich Raab doch für ein Comeback. Twitter-User @hachherrje hat da schon eine Idee:

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
p.donhauser, 18.06.2015
1.
mir fehlt er 150%nicht
maxxi12 18.06.2015
2. Schade...
Schade, dass Stefan Raab Abschied nimmt. Sein spezieller Humor und seine "politische Seite" - die leider nicht jedem (sofort) aufgingen, werden fehlen. Er wäre in der Tat ein besserer ARD - Jauch -Ersatz als Frau Will.
n.nixdorff 18.06.2015
3. Also,
Frau Hölter mag er ja fehlen. Ich mag den Kerl nicht und habe ihn in meinem Leben nur zweimal (incl. Kanzlerduell) gesehen. Was ich da sehen musste, reicht mir für den Rest meiner Tage. Good riddance, sage ich.
diderot_2013 18.06.2015
4.
Mir fehlt der King of Kotlett nicht.
hatschon 18.06.2015
5. Was hat der Herr Raab
Für diese Gesellschaft und die Menschen geleistet? Mir fällt nichts ein !
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