SPD Steinbrück holt einstigen Agenda-Gegner Pronold ins Team

Das Kompetenzteam von Peer Steinbrück nimmt weiter Gestalt an: Mit Bayerns Landeschef Florian Pronold holt der SPD-Kanzlerkandidat einen weiteren früheren Kritiker der Agenda 2010 in seine Mannschaft. Er soll bereits am Montag vorgestellt werden.

Bayerns SPD-Chef Florian Pronold: Kann der Verkehrsexperte Steinbrück helfen?
DPA

Bayerns SPD-Chef Florian Pronold: Kann der Verkehrsexperte Steinbrück helfen?


Berlin - SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück holt Bayerns SPD-Chef Florian Pronold in sein Kompetenzteam. Der 40-Jährige soll nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen bereits am Montag in Berlin vorgestellt werden. Pronold soll demnach vor allem für die Themenbereiche Verkehr und Infrastruktur zuständig sein. Die Nominierung gilt auch als Entgegenkommen für den bayerischen Landesverband, der sich derzeit im Landtagswahlkampf befindet.

Dass Pronold einen Posten im Kompetenzteam erhält, wird in der Partei mit gemischten Gefühlen gesehen. Nach IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel holt Steinbrück mit Pronold bereits den zweiten Agenda-2010-Kritiker in seine Mannschaft. Der stellvertretende Fraktionschef ist vielen Sozialdemokraten noch gut als harter Gegner der Reformpolitik Gerhard Schröders in Erinnerung: Im Jahr 2003 war Pronold einer der Initiatoren des Mitgliederbegehrens gegen die Agenda. Inzwischen äußert er sich wohlwollender über die Reformen.

Ob der Parteilinke dem Kanzlerkandidaten einen Schub verleihen kann, ist fraglich. Seine parteiinternen Kritiker bemängeln, dass er in den letzten Jahren mitunter Schwierigkeiten hatte, seinen Landesverband unter Kontrolle zu halten. Zudem finden viele Sozialdemokraten, dass Pronold schon als Fraktionsvize nicht wirklich auffällig war. Zwar gilt er in seinem Themenfeld, der Verkehrspolitik, als versiert. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) konnte er bislang aber nicht in Bedrängnis bringen.

Pronolds Nominierung wird in der SPD als Notlösung gesehen. Seit Monaten drängte der mit nur wenigen prominenten Genossen besetze bayerische Landesverband darauf, im Kompetenzteam Steinbrücks vertreten zu sein. Die Bayern-SPD hofft, mit einer bundespolitisch sichtbaren Figur im Landtagswahlkampf zusätzlich punkten zu können. Derzeit liegen die Genossen mit etwa 20 Prozent abgeschlagen hinter der CSU. "Pronold steht für Regionalproporz", heißt es in der Parteilinken.

Steinbrück will dem Vernehmen nach am kommenden Montag die nächsten Mitglieder seines Kompetenzteams vorstellen. Neben Pronold wird dann auch Matthias Machnig in der Mannschaft vertreten sein. Der Wirtschaftsminister aus Thüringen ist für die Themenfelder Umwelt und Energie vorgesehen. Vor zwei Wochen hatte Steinbrück Wiesehügel in sein Team geholt. Der IG-Bau-Chef betreut die Arbeits- und Sozialpolitik. Zudem nominierte der Kanzlerkandidat Gesche Joost für den Bereich Netzpolitik und Thomas Oppermann für das Feld der inneren Sicherheit.

vme/knp/gor

insgesamt 71 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
GSYBE 24.05.2013
1. Kluger Zug
Steinbrück scheint zu erkannt haben, wo die Stimmen sind: bei den Nichtwählern. Für eben welche die Merkel-Partei unwählbar ist und die der SPD nach Schröder den Rücken gekehrt haben. Den Merkel-Wähler kann man nicht umstimmen, er gehört zu der neuen Spezies der Gehirngewaschenen und glaubt tatsächlich, diese Dame würde gute Politik - auch für Deutschland - machen. Die (aktivierten) Nichtwähler werden die kommende BTW entscheiden.
fuenfringe 24.05.2013
2. Da
Zitat von sysopDPADas Kompetenzteam von Peer Steinbrück nimmt weiter Gestalt an: Mit Bayerns Landeschef Florian Pronold holt der SPD-Kanzlerkandidat einen weiteren früheren Kritiker der Agenda 2010 in seine Mannschaft. Er soll bereits am Montag vorgestellt werden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/steinbrueck-holt-einstigen-agenda-gegner-pronold-ins-team-a-901801.html
ist er doch besser als der ganze Rest des "Kompetenzteams" inklusive dem "Kanzlerkandidaten": die sind gar keine Lösung, noch nicht einmal eine Notlösung. Sondern eher ein Problem... wie die ganze SPD, seit Schröder und Konsorten das Ruder an sich gerissen haben.
spiegelator 24.05.2013
3. Weiter so............dann wird Merkel.........
Man nimmt halt die Besten, wenn alle anderen nicht wollen ??????? Ein Kompetenzteam hat ja wohl die Funktion, Felder ab zu decken, in welchen man selber nicht so fit ist. Aber, wie schätzt man sich selber ein, wenn man öffentlich darstellt, dass ein Pronold kompetenter ist ?
nick1980 24.05.2013
4. Agenda Gegner
Die SPD hat noch nie ehrlichen Wahlkampf betrieben und Frauen stehen hier noch immer an letzter Stelle wie in einem Entwicklungsland. Plus: Steinbrück ist ein Schröderfreund und es ist somit egal ob 1 einziger Agenda-Gegner ins Team durfte.
nurEinGast 24.05.2013
5. Von Cowboys und anderen...
Zitat von sysopDPADas Kompetenzteam von Peer Steinbrück nimmt weiter Gestalt an: Mit Bayerns Landeschef Florian Pronold holt der SPD-Kanzlerkandidat einen weiteren früheren Kritiker der Agenda 2010 in seine Mannschaft. Er soll bereits am Montag vorgestellt werden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/steinbrueck-holt-einstigen-agenda-gegner-pronold-ins-team-a-901801.html
Kompetenzteam... Steinbrück hat bisher keinen sonderlich kompetenten Eindruck hinterlassen... Naja, das unterscheidet ihn aber auch nicht von Merkel. Allerdings wüsste ich nicht, wieso ich SPD wählen sollte. Glaubwürdigkeit? Fehlanzeige. Vertrauen? Nicht existent. Die SPD hat sich in den Jahren seit und mit Schröder ins gesellschaftliche Aus geschossen, sich von einer Volkspartei zu einer Randgruppenpartei "entwickelt". Ich vertraue der SPD nicht. Nicht in Sachen Wahlversprechen, nicht in Sachen Kompetenz, nicht in dem Bestreben, eine "Arbeiterpartei" zu sein. Die SPD hat die Bevölkerung bewusst betrogen und belogen, verschiedene Gruppen der Gesellschaft gegeneinander ausgespielt. Der SPD haben wir es zu verdanken, dass Millionen Deutsche dank Riester-Rente in Altersarmut enden werden. Ihr haben wir es zu verdanken, dass Arbeitslose kriminalisiert und entwürdigt werden. Dank der "Reformen" der SPD begann eine Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums von unten nach oben und eine Verarmung der Mitte- der ehemaligen Stammwählerschaft der SPD.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.