Designierter Kanzlerkandidat: Steinbrück sagt Vortrag bei Schweizer Bank ab

Der Termin passt ihm jetzt doch nicht mehr: Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück hat einen geplanten Vortrag bei der Schweizer Privatbank Sarasin abgesagt. Grund seien Berichte über Ermittlungen bei dem Geldhaus, erklärte Steinbrücks Sprecher.

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Designierter SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück: Kein Vortrag bei der Sarasin-Bank

Berlin - "Sicherheit und Stabilität für Europas Finanzmärkte", so sollte das Thema lauten, zu dem Peer Steinbrück am Donnerstag sprechen wollte. Die sogenannte Dinnerspeech für die Schweizer Privatbank Sarasin sollte in Frankfurt am Main stattfinden. Jetzt wurde der Termin gestrichen. Steinbrücks Sprecher Michael Donnermeyer teilte mit, dass der designierte SPD-Kanzlerkandidat den Vortrag abgesagt habe. Grund seien Berichte über staatsanwaltliche Ermittlungen bei der Bank. Daher werde Steinbrück seine im Frühjahr getroffene vertragliche Zusage nicht einhalten.

Steinbrück war in den vergangenen Wochen wegen seiner Nebeneinkünfte unter Druck geraten. Er hatte mit Vortragshonoraren nach eigenen Angaben seit 2009 rund 1,25 Millionen Euro eingenommen. Die Debatte über die Nebeneinkünfte hatte Steinbrück den Start als designierter Kanzlerkandidat verhagelt. Bei der Offenlegung aller Honorare am 30. Oktober hatte Steinbrück angekündigt, dass er noch zwei Vorträge halten müsse, weil er ohne Konventionalstrafe aus den Verträgen nicht herauskomme. Über die geplante Höhe und Verwendung des Honorars für die Veranstaltung der Sarasin-Bank hatte Steinbrücks Sprecher zuletzt keine Angaben gemacht. Das Honorar für einen Vortrag Ende Oktober in Frankfurt, der vor der Offenlegung seiner Redeeinkünfte lag, hatte Steinbrück nach Angaben eines Sprechers spenden lassen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel sprach Steinbrück jetzt erneut sein Vertrauen aus. "Er ist derjenige, der in Deutschland und Europa am stärksten dafür steht, die Finanzmärkte zu bändigen", sagte Gabriel der "Passauer Neuen Presse". Nur so könne soziales Gleichgewicht geschaffen werden. Steinbrück habe dies zu seinem persönlichen und politischen Ziel gemacht. Deshalb sei er "der richtige Kandidat".

Das Besondere an der SPD sei seit 150 Jahren, dass es ihr gelinge, ein Bündnis zwischen denen herzustellen, denen es gut gehe und jenen, denen es weniger gut gehe. "Auch die, die keine individuellen materiellen Sorgen haben, wissen, dass gesellschaftliche Spaltung am Ende alle gefährdet", sagte Gabriel. Der Gründer der sozialdemokratischen Bewegung, Ferdinand Lassalle, habe selbst "in sehr guten Verhältnissen gelebt und sich trotzdem für rachitische Arbeiterkinder in Kohlebergwerken eingesetzt".

Auf die Frage, ob Steinbrück als Vortragsmillionär das Thema sozialer Ausgleich glaubhaft vermitteln könne, sagte Gabriel, die Darstellung als Millionär fände er "schräg". Wenn man Einkünfte über mehrere Jahre zusammenzähle, seien "vermutlich viele Millionäre".

Steinbrück soll am Sonntag auf einem Parteitag in Hannover zum SPD-Kanzlerkandidaten gekürt werden.

hen/dpa/Reuters

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