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10. Januar 2013, 22:16 Uhr

Neue Umfragen

Steinbrück schon unbeliebter als Westerwelle

Peer Steinbrück wird bei den Wählern immer unbeliebter. In neuen Umfragen ist der Abstand des SPD-Kanzlerkandidaten zu Angela Merkel so groß wie nie zuvor. Der Herausforderer liegt sogar schon hinter dem unpopulären Außenminister Westerwelle.

Berlin - Neue Hiobsbotschaft für Peer Steinbrück: Die Zustimmungswerte zum SPD-Kanzlerkandidaten sind in den vergangenen Wochen massiv eingebrochen. Der Abstand zu CDU-Chefin und Kanzlerin Angela Merkel vergrößerte sich laut ARD-Deutschlandtrend und ZDF-Politbarometer beträchtlich.

Mit Steinbrücks Arbeit sind dem ARD-Deutschlandtrend zufolge 36 Prozent der Deutschen zufrieden. Dies sind zwölf Punkte weniger im Vergleich zu Anfang Dezember. Merkel hingegen kommt auf eine Zustimmung von 65 Prozent, ein Plus von fünf Punkten. Im Oktober, direkt nach Bekanntgabe seiner Nominierung als SPD-Kanzlerkandidat, war Steinbrück noch auf eine Zustimmung von 59 Prozent gekommen. Derzeit steht er im ARD-Deutschlandtrend auf einer Stufe mit CSU-Chef Horst Seehofer, der allerdings zwei Prozentpunkte verlor.

Auch im ZDF-Politbarometer hat Steinbrück dramatisch an Unterstützung aus der Bevölkerung verloren. Nur noch 25 Prozent der Befragten wollen ihn als nächsten Regierungschef sehen. Selbst unter den SPD-Anhängern sagten nur noch 63 Prozent, sie sähen den eigenen Kandidaten lieber im Kanzleramt als die Amtsinhaberin. Im Dezember waren es noch 79 Prozent. Zudem bewerten die Befragten Steinbrück auf einer Skala von minus fünf bis plus fünf nur noch mit einer 0,2. Im Dezember hatte er noch einen Wert von 0,9 erreicht. Merkel konnte sich hingegen von 2,1 auf 2,4 steigern - mit großem Abstand der beste Wert aller Politiker.

Mit der Nominierung von Steinbrück hatte die SPD eigentlich gehofft, Kanzlerin Merkel ablösen zu können. Doch jetzt scheint sogar das Gegenteil einzutreten, je mehr der Finanzexperte durch unbedachte Äußerungen in die Schlagzeilen gerät. In dieser Woche war Steinbrücks Einsatz gegen höhere Energiekosten für die Industrie als Aufsichtsratsmitglied bei ThyssenKrupp bekannt geworden. Davor hatte er mit Äußerungen über das Kanzlergehalt für Irritationen gesorgt.

Nicht nur in der SPD sind sie von Steinbrück deshalb genervt, Unmut regt sich auch bei den Grünen, die eigentlich als Koalitionspartner der Genossen im Herbst die Bundestagswahl gewinnen wollten. Manche hoffen fatalistisch darauf, dass wegen Steinbrück frustrierte SPD-Wähler zu den Grünen überlaufen und die Wählerstimmen damit immerhin im Lager bleiben.

Auf der Liste der beliebtesten Politiker im ARD-Deutschlandtrend folgen jetzt nach Merkel auf den Plätzen zwei und drei ihre Parteikollegen Verteidigungsminister Thomas de Maizière mit einer Zustimmung von 63 Prozent (plus fünf) und Finanzminister Wolfgang Schäuble, mit dessen Arbeit 59 Prozent der Deutschen zufrieden sind (plus zwei). Die Plätze vier und fünf belegen NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD, 58 Prozent, plus zwei) und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier (51 Prozent, minus fünf).

Bei einer Direktwahl gewinnt Merkel haushoch

Beliebter als Steinbrück sind inzwischen auch Jürgen Trittin (Grüne, unverändert 45 Prozent), Ursula von der Leyen (CDU, unverändert 44 Prozent), Guido Westerwelle (FDP, 40 Prozent, minus zwei) und Rainer Brüderle (FDP, 37 Prozent, plus sechs).

Schlusslicht ist weiterhin FDP-Chef Philipp Rösler, mit dessen Arbeit laut der ARD-Umfrage nur 17 Prozent der Deutschen zufrieden sind. Rösler sackte um zwei Punkte ab. Immerhin 78 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass mit einem Rücktritt Röslers die Probleme der Liberalen nicht gelöst seien. Nur 20 Prozent sehen das anders. 44 Prozent der Befragten finden, dass die FDP "einfach nicht mehr gebraucht" wird. 51 Prozent finden das nicht.

Wenn die Kanzlerin oder der Kanzler direkt gewählt werden könnte, hätte Steinbrück der ARD-Umfrage zufolge keine Chance. 55 Prozent der Wähler würden sich für Merkel entscheiden (plus sechs im Vergleich zum Vormonat), 30 Prozent würden hingegen Steinbrück wählen (minus neun).

Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die SPD im ARD-Deutschlandtrend im Vergleich zur Vorwoche auf 28 Prozent, sie verliert in der Umfrage einen Punkt. Die Union bleibt unverändert bei 41 Prozent. Die FDP erreicht wie in der Vorwoche vier Prozent. Die Grünen können im Vergleich zur Vorwoche um zwei Punkte zulegen und kommen auf 14 Prozent. Die Linke bleibt unverändert bei sechs Prozent. Die Piraten verlieren einen Punkt auf drei Prozent und wären damit nicht im Bundestag vertreten.

als/dapd

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