Hamburg - Hat denn die Presse "kein anderes Thema als ein bescheuertes Schachbrett?", fragt sich Peer Steinbrück (SPD) in diesen Tagen. Euro-Krise, Hochwasser in Bangkok, Erdbeben in der Türkei - aber natürlich kann auch ein Schachbrett sehr attraktiv sein. Besonders dann, wenn es falsch aufgestellt ist und die Spielpartner Peer Steinbrück und Helmut Schmidt heißen. Die beiden haben in der vergangenen Woche das Gesprächsbuch "Zug um Zug" veröffentlicht - mit dem Schachbrettfoto auf dem Cover.
Auf dem Bild steht das Brett verdreht. Unten rechts ist, vom Spieler aus betrachtet, das schwarze Feld, eigentlich müsste dort das weiße sein. Damit ändert sich die Grammatik des Spiels. Aber Steinbrück scheint das nicht besonders zu interessieren: "Ob da rechts ein weißes Feld war, war uns scheißegal", teilt er dem SPIEGEL mit.
Niemand wollte den Altkanzler wieder umsetzen
Die Situation war offenbar so: Die Fotografin Ingrid von Kruse hatte den Schachtisch in Schmidts Haus für das Shooting zum Fenster gerückt. "Schmidt hatte nur noch an diesem Tag Zeit und Lust für das Foto. Da musste ich mich beeilen", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung". Das Schachbrett selbst habe sie aber nicht angerührt. Sie habe sich lediglich erlaubt, den Tisch näher ans Fenster zu rücken.
Schmidt war da noch beim Mittagsschlaf. Als er ausgeschlafen hatte, habe er "sich mit seinen Gehbeschwerden an die ihm nächstgelegene Seite gesetzt", berichtet nun Steinbrück dem SPIEGEL. Niemand habe daran gedacht, den Altkanzler wegen der falschen Anordnung "wieder umzusetzen".
Im Buch und im SPIEGEL-Gespräch erklärte Schmidt seinen Schachpartner für kanzlertauglich. Die Welt weiß nun, dass Steinbrück in Schmidts Augen gut regieren kann. Sie weiß auch, durch das Schachbrett, dass Steinbrück ganz gut darin ist, auch mal fünfe gerade sein zu lassen.
fln
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