Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Steinbrück zu Honorarvorwürfen: "Ich bin kein Knecht des Kapitals"

Erst knickt er im Streit um seine Nebeneinkünfte ein bisschen ein, dann schießt er wieder aus allen Rohren: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück weist eine zu große Nähe zur Finanzindustrie scharf zurück. Er sei sicher "alles andere als ein Knecht des Kapitals".

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück: Bezeichnet die Vorwürfe als "absurd und "konstruiert" Zur Großansicht
dapd

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück: Bezeichnet die Vorwürfe als "absurd und "konstruiert"

Berlin - Peer Steinbrück geht im Streit um seine Honorare in die Gegenoffensive. Von einem "schlechten Gewissen" könne bei ihm keine Rede sein, sagte der SPD-Kanzlerkandidat am Samstag dem Deutschlandfunk. Zwar hatte Steinbrück am Freitag mit der Ankündigung überrascht, nun doch Details über seine umstrittenen Nebeneinkünfte offenzulegen. Doch im Interview betonte er inzwischen: Etwas "Ehrenrühriges" könne er keineswegs daran finden, dass er von Unternehmen, Banken, Versicherungen und Anwaltskanzleien, die gewinnorientiert seien, für eine erbrachte Leistung ein Honorar genommen habe. Bei Schulen, Vereinen und ehrenamtlichen Institutionen habe er hingegen keine Bezahlungen für seine Redeauftritte verlangt.

Zugleich wies Steinbrück eine zu große Nähe zur Finanzindustrie entschieden zurück. Auch in seinen Vorträgen bei entsprechenden Unternehmen habe er sich für Bankenregulierung und gegen Steuerhinterziehung eingesetzt, sagte er. "Ich rede in diesen Sälen nicht anders, als ich öffentlich rede." Seine Zuhörer könnten bestätigen, dass er "alles andere als ein Knecht des Kapitals" gewesen sei. "Wenn ich bei der Deutschen Bank rede und dem Publikum und auch der Deutschen Bank - gelinde gesagt - auch einen einschenke über all das, was verkehrt gelaufen ist, dann wird man mir eine solche Nähe und eine solche Abhängigkeit nicht unterstellen können mit Blick auf das, was ich dort gesagt habe", führte der frühere Finanzminister aus.

Steinbrück hatte nach massivem öffentlichen Druck plötzlich angekündigt, alle Informationen zu seinen Honoraren so schnell und umfassend wie möglich offen zu legen. Kurz zuvor hatte er dies noch abgelehnt. Derzeit müssen Abgeordnete Nebeneinkünfte nicht konkret preisgeben, sondern lediglich drei Stufen zuordnen - bis 3500 Euro, bis 7000 Euro und mehr als 7000 Euro. Steinbrück hat in der laufenden Legislaturperiode mehr als 80 Vorträge gehalten, für die er Honorare der höchsten Stufe bekommen hat.

Nebeneinkünfte "lupenrein" ausgewiesen

In der Debatte um Steinbrücks Nebeneinkünfte hatte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt jüngst kritisiert, es könne der Eindruck entstehen, als sei der Ex-Finanzminister der "Liebling der Spekulanten". Auch Linken-Chefin Katja Kipping ging nun mit Steinbrück hart ins Gericht. Der "Welt" sagte sie: "Politisch, was die Inhalte angeht, steht zu befürchten, dass der Kandidat die SPD zum Appendix der Lobbyisten macht, von denen er enorme Honorare für Vorträge und Interviews bekommen hat."

Steinbrück bezeichnete die Vorwürfe als "absurd" und "sehr konstruiert". "Es sind offenbar einige sehr nervös darüber geworden, dass ich Kanzlerkandidat der SPD geworden bin", sagte er. Seine Nebeneinkünfte habe er den Regeln des Bundestages entsprechend "lupenrein" ausgewiesen. Durch die Debatte über Nebeneinkünfte von Parlamentariern könnten bei den Wählern Ressentiments bestätigt werden, dass Politiker sich in einem System der Vorteilsnahme und Selbstbereicherung bewegten. "Da muss man aufpassen, dass man über Parteigrenzen hinweg nicht einen Prozess in Gang setzt, der die Politik insgesamt beschädigt", mahnte Steinbrück. Er glaube zudem, dass eine gewisse Privatheit gelten müsse. "Ich glaube, dass es Transparenz nur in Diktaturen gibt", sagte Steinbrück.

yes/Reuters/dapd

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 268 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Korrektur!
XXYYZZ 06.10.2012
"Derzeit müssen Abgeordnete Nebeneinkünfte nicht komkret preisgeben, sondern lediglich drei Stufen zuordnen - bis 3500 Euro, ...". Dies ist nachweislich falsch. Unter 1.000 Euro müssen Sie NICHTS melden! Es muß nämlich heißen: "... 1.000-3.500 Euro, ...". Gerade ist die CDU/CSU damit beschäftigt, die sogenannte Bagatellgrenze von 1.000 Euro auf 2.000 Euro erhöhen zu wollen. Recherchieren bzw. infomieren Sie doch bitte korrekt, vielen Dank.
2.
ehf 06.10.2012
Zitat von sysopdapdErst knickt er im Streit um seine Nebeneinkünfte ein bisschen ein, dann schießt er wieder aus allen Rohren: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück weist eine zu große Nähe zur Finanzindustrie scharf zurück. Er sei sicher "alles andere als ein Knecht des Kapitals". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/steinbrueck-wettert-gegen-kritiker-kein-knecht-des-kapitals-a-859816.html
Wie war das noch, als er Finanzminister unter einer regierenden SPD war? Als die Märkte "entfesselt" wurden? Vielleicht sollte er sagen "nicht mehr länger Knecht des Kapitals"? Dann müsste man ihm nur noch glauben. Allerdings ist die SPD für mich erledigt, unten durch, egal wer da komme.
3. Katze um den heißen Milchbrei
rjrauschffm 06.10.2012
Butter bei die Fische: Was hat denn die deutsche Bank falsch gemacht. Und außerdem ist die deutsche Bank kein Staatsbetrieb. Was ist den bei der WestLB falsch gelaufen in Zeiten von Ministerpräsident in NRW und in Zeiten als Bundesminister der Finanzen? Genau so gepennt wie alle anderen Aufsichträte auch. Wie wär's dann mal mit Eigenkritik, Herr Steinbrück. Kein Knecht des Kapitals, aber das Geld nimmt er schon gerne!
4. Lupenrein
rainer_daeschler 06.10.2012
'Seine Nebeneinkünfte habe er den Regeln des Bundestages entsprechend "lupenrein" ausgewiesen' Die Regeln des Bundestages zur Veröffentlichung der Nebeneinkünfte sind alles andere als das . "Lupenrein" sind nur von Gerhard Schröder zertifizierte russische "Demokraten".
5. bisserl' hart
produster 06.10.2012
Knecht wäre vielleicht ein bisschen hart. Wie wär's mit Büttel?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
SPD-Politiker Steinbrück: Der Kandidat



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: