Steinbrück zum verpatzten SPD-Slogan "Hätte, hätte - Fahrradkette"

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück gibt sich stur und kämpferisch: Seine Partei will den Wahlslogan "Das Wir entscheidet" weiter nutzen. Dass eine Leiharbeitsfirma den Spruch bereits seit Jahren verwendet, beeindruckt ihn wenig. Die Schuld für die Panne gibt er dem Wahlkampfteam.

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück: "Nun ist auch gut"
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SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück: "Nun ist auch gut"


Hamburg/Berlin - Er ist der Mann der deutlichen Worte: Peer Steinbrück gibt sich bei Kritik gern patzig. So auch am Freitag im Interview des ARD-Morgenmagazins. Thema: der SPD-Wahlslogan "Das Wir entscheidet", den der Sozialdemokrat am Dienstag vorgestellt hatte - und seitdem für Kritik und Spott sorgt. Denn das Motto wird seit Jahren von einer Leiharbeitsfirma aus Baden-Württemberg verwendet.

Moderator Sven Lorig hält eine "tageszeitung" in die Kamera, die am Donnerstag "Zu blöd zum Googeln" zum verpatzten SPD-Motto getitelt hatte. Dann wendet er sich Steinbrück zu: "Ich nehme an, Sie mussten innerlich auch grinsen, als Sie die taz gerade gesehen haben trotz allem Ärger."

Steinbrück: "Naja... auch schon grinsen gestern. Auf der anderen Seite: Die Aufregung darüber ist ein bisschen unverhältnismäßig."

Lorig hakt nach: "Naja, aber inhaltlich stimmt es doch, eine einfache Recherche hätte das doch feststellen können. Bei einer Leiharbeitsfirma ist doch doppelt ärgerlich."

Steinbrück (verzieht das Gesicht): "Ja, Herr Lorig, hätte, hätte, hätte Fahrradkette - natürlich hätte das technische Wahlkampf-Management der SPD dies machen sollen. Nun ist auch gut."

Steinbrück hält am umstrittenem Slogan fest

Dann versichert der Kanzlerkandidat, dass sich seine Partei keinen neuen Slogan überlegen werde: "Natürlich nicht." Die Leiharbeitsfirma aus Baden-Württemberg hatte angekündigt, den Spruch der Sozialdemokraten verhindern zu wollen. Für sein Unternehmen sei es ein Nachteil, mit der SPD in Verbindung gebracht zu werden, sagt der Chef von Propartner, Christophe Cren.

Steinbrück scheint das wenig zu beeindrucken, er kündigt am Freitag an: "Die können gerne überlegen (die Leiharbeitsfirma - d. Red.). Dieser Slogan ist nicht geschützt, wir werden ihn verwenden", betont er. Gemeinwohl und soziale Gerechtigkeit sollen mit dem Slogan in den Mittelpunkt der SPD-Kampagne gestellt werden.

Miserable Umfragewerte

Die Wahlkampfpanne kommt für Steinbrück und die SPD zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. Partei und Kandidat leiden unter schlechten Umfragewerten. Nach einer neuen Forsa-Umfrage haben Union und FDP fünf Monate vor der Bundestagswahl wieder eine Mehrheit, zum ersten Mal seit drei Jahren. 47 Prozent der Wähler würden CDU, CSU oder FDP ihre Stimme zu geben. Die Regierungsparteien wären stärker als SPD, Grüne und Linke zusammen, die gemeinsam nur auf 46 Prozent kommen.

Auch für Steinbrück ergab die Umfrage kaum Positives: Viele Bundesbürger zweifeln inzwischen offenbar daran, dass Steinbrück überhaupt als Kanzler geeignet ist. Forsa listet folgende Werte auf:

  • Nur 34 Prozent halten den Kandidaten für vertrauenswürdig.
  • Nur 32 Prozent empfinden Steinbrück als sympathisch.
  • Lediglich 24 Prozent glauben, er sei diplomatisch genug.
  • Nur 40 Prozent sagen, Steinbrück kämpfe für soziale Gerechtigkeit, obwohl dies das Kernthema der SPD ist.
  • Führungsstärke attestieren ihm immerhin 49 Prozent.
  • Aber nicht mal jeder Zweite (48 Prozent) meint, dass er zur SPD passt.

Auf einem Parteitag will die SPD am Sonntag ihr Programm für die Bundestagswahl am 22. September vorstellen. Seine Partei stehe für mehr Wir und weniger Ich, sagte Steinbrück im ARD-Morgenmagazin. Sie treffe damit einen Grundton in der Gesellschaft. "Es gibt eine breite Sehnsucht vieler Menschen, die sagen, ich will weniger Egoismus, ich will mehr Gemeinwohl."

heb



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insgesamt 189 Beiträge
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gekreuzigt 12.04.2013
1. Leiharbeitsslogan
passt doch zu den Agenda 2010-Erfindern. Hätte, hätte ... so kann man natürlich auch regieren.
GMNW 12.04.2013
2. Und Schuld haben immer die Anderen......
Der neue Kandidaten-Slogan der SPD "Das wir entscheidet" erinnert sehr fatal an die Zwangskollektivierung der Landwirte,des Handels und des Handwerks in der ehemaligen DDR! Selbst Karl Marx hatte den Sozialismus definiert als "eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist". Und nicht umgekehrt! Das Willy Willy Brandt - Haus ist inzwischen ein Tollhaus geworden! Herbert Wehner hätte ganz bestimmt diesen Kandidaten schon längstens gefeuert bzw, desse Nominierung erst garnicht zugelassen! PS: Es gibt kein WIR auf HAWAII........
mloehrer 12.04.2013
3. Plakate teilen
Wozu die ganze Aufregung? Am einfachsten und ehrlichsten ist es doch, die Leiharbeitsfirma und die SPD teilen sich die selben Plakate.
PaulMeister 12.04.2013
4. Die hätten einfach Steinbrück fragen sollen!
"Hätte, hätte - Fahradkette" sagt doch viel mehr über die Fähigkeit der SPD als Oppositionspartei und den Willen zum Regieren aus!
mcbarby 12.04.2013
5.
[Ironie] Ich könnte mir vorstellen, dass die Kandidatur Steinbrücks als Kanzlerkandidat auf fiese Machenschaften der Schwarz-Gelben zurückzuführen ist. Dieser Kandidat ist eine sichere Bank für eine Wahlniederlage der SPD. [/Ironie] Somit steht uns also eine weitere Legislaturperiode Merkelschens Aussitzens bevor. Diese Fähigkeit hat sie ja perfekt von ihrem Ziehvater übernommen.
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