Steinbrück über Rot-Grün: Schau mir in die Augen, Kleiner!

Rot-grüne Koalition? Gerne, sagt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Er verspricht den Grünen Fairness - aber ihrer Forderung, auf Augenhöhe behandelt zu werden, erteilt er eine klare Absage. Die Rollen zwischen großem und kleinem Partner müssten klar verteilt sein.

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dapd

Spitzenkandidaten Steinbrück, Trittin: "Nicht an Selbstbewusstsein fehlen lassen"

Berlin - Viele Grüne werden nicht gern hören, was der designierte SPD-Kanzlerkandidat über ein mögliches rot-grünes Bündnis nach der Bundestagswahl 2013 denkt. "Natürlich soll man in einer Koalition fair miteinander umgehen, aber es wird auch um politische Gewichte gehen", sagte Peer Steinbrück der "Bild am Sonntag". Er kündigte an: "Eine Partei, die doppelt so viele Stimmen oder noch mehr als der kleinere Partner erzielt, wird es nicht an Selbstbewusstsein fehlen lassen."

Damit widerspricht er SPD-Chef Sigmar Gabriel. Der hatte den Grünen auf ihrem Parteitag in Hannover gleichberechtigte Behandlung zugesichert. "In den vergangenen Jahren haben wir in der Opposition gut zusammengearbeitet", betonte er vor einer Woche - und ergänzte: Die Zusammenarbeit sei "selbstredend immer auf Augenhöhe". "So wird es im nächsten Jahr auch in der Regierung mit dem Bundeskanzler Peer Steinbrück sein."

Kanzler Gerhard Schröder hatte die SPD einst als Koch und die Grünen als Kellner in der rot-grünen Koalition von 1998 bis 2005 gesehen - bei vielen Grünen hängt das immer noch nach. In NRW können sich zahlreiche Mitglieder auch noch gut an Steinbrück den cholerischen Grünenfresser erinnern, wie es dort heißt. Aus ihrer Sicht hat der damalige Ministerpräsident mit seinen ständigen Attacken auf den kleineren Partner Rot-Grün 2005 im Land scheitern lassen.

Steinbrück will sich bald mit Grünen treffen

Steinbrücks Distanzierung dürfte die Debatte um ein schwarz-grünes Bündnis weiter anheizen. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte gefordert, man solle auf schwarz-grüne Optionen "vorteillos schauen". Die Liberalen sind durch die nicht enden wollende Debatte alarmiert: FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle rief die schwarz-gelbe Koalition bereits zu einem Lagerwahlkampf auf und warnte sie vor einer Annäherung an die Grünen.

Steinbrück gibt sich im Interview mit "Bild am Sonntag" trotz unterschiedlichem Rollenverständnis selbstbewusst. Er will sich mit den Spitzenkandidaten der Grünen, Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt, bald zusammensetzen, um mit ihnen den Wahlkampf zu planen. "Ich halte gemeinsame Gespräche für politisch geboten, da beide Parteien gemeinsam regieren wollen."

"Ich werde jetzt nicht zum Kuschel-Peer"

Auch wenn sein Start als Kanzlerkandidat mehr als holprig war, sein Auftreten will Steinbrück nicht grundsätzlich ändern. "Viele Menschen haben nicht vergessen, dass ich in der großen Koalition Finanzminister war und dort Krisenmanagement erfolgreich betrieben habe", sagte er. "Ich bin sicher, dass die Bürger meine Leistungen als Politiker in eine angemessene Relation zum Thema Vortragshonorare oder zum Einsatz meiner Bahncard als Abgeordneter zu stellen wissen."

Zu seinen schlechten Umfragewerten bei Frauen sagte der Sozialdemokrat: "Möglicherweise wirke er zu kopfgesteuert und wenig emotional. "Ich werde jetzt nicht zum Kuschel-Peer, in der Rolle wäre ich doch völlig unglaubwürdig."

An die Medien appellierte Steinbrück, bei der Berichterstattung an die Belastungen für seine Familie zu denken. "Meine Familie wird sich sehr rar machen und ihre Privatheit schützen."

Auch zum Dauer-Diskussionsthema Nebeneinkünfte äußerte sich Steinbrück noch einmal - seine Kanzlerkandidatur könne ihm zum finanziellen Nachteil gereichen. "Meine Bewerbung um die Kanzlerkandidatur zeigt, dass mir dieses politische Engagement wichtiger ist als Geld", betonte er. "Denn sonst würde ich mehr verdienen, wie ja jetzt jedermann weiß." Der SPD-Politiker hatte mit Vortragshonoraren nach eigenen Angaben seit 2009 rund 1,25 Millionen Euro eingenommen.

heb/dpa

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insgesamt 65 Beiträge
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1. Schafft die SPD die 5 %-Hürde?
blackstone13 25.11.2012
Da wird bei dem Lobbyisten und nebenberuflichen Bundestagsabgeordneten Steinbrück mal wieder ein Funken Realität aufblitzen, wenn nach der Wahl die SPD weit hinter den Grünen liegt. Aber nur ganz kurz, ... LG Blackstone
2. kein Titel!
friedrich_eckard 25.11.2012
"Ihr Christen mit Vernunft begabt, o merkts, was ich erzählet. Verkauft nicht, was Ihr selbst nicht habt, verschenkt nicht, was Euch fehlet. Denkt hier und an die Bärnhaut hin die ohn' den Bär'n zu Rat zu ziehn zween Jäger teilen wollten." (Georg Christoph Lichtenberg) Der Herr gibt Antwort auf Fragen, die sich nicht stellen werden. Ein solches Mass an durch keinerlei Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfolge gedeckten Selbstbewusstseins ist aber immerhin bemerkenswert - die alten Griechen nannten das wohl Hybris.
3. was lernen wir?
ein-dummer-junge 25.11.2012
sind Politiker mal ehrlich werden sie verarscht. Alle im Bundestag sollten mal ihre Einkünfte offen legen. Deutschland wird staunen wer so wem sein Geld anvertraut und dann noch steuerlich absetzt.
4. extrapolieren Sie mal Herr Steinbrück
manni-two 25.11.2012
Wahl 1983 SPD 38,2 Grüne 5,6 Wahl 2009 SPD 23,0 Grüne 10,7 Wahl 2035 ?? , betrifft Sie nicht mehr.
5. Aussprechen was und wie man denkt....
unangepasst 25.11.2012
ist leider nun mal nicht Jedermanns Sache! Ich glaub ihm, daß er das Wohl des Volkes im Auge hat. Ob alles richtig ist wie er entscheidet steht auf einem anderen Blatt. Aber wer von uns weiß schon ob wir immer die richtigen Entscheidungen treffen! Das uns trotz allem das Hemd näher als die Jacke ist, sollte man ihm nicht zum Vorwurf machen!
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