Steinbrücks Gefühlsausbruch: Tränen lügen nicht

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Gefühle in der Politik: Wenn harte Hunde weinen Fotos
DPA

Es war ein Moment, wie man ihn nicht oft erlebt in der Politik: Peer Steinbrück kämpfte auf dem Parteikonvent mit den Tränen. Schon andere Spitzenpolitiker hatten schwache Momente. Was ist daran eigentlich so faszinierend?

Berlin - Es gibt ein öffentliches Bild von Peer Steinbrück, es hat sich fest eingebrannt in die Köpfe der Menschen: Der Mann ist kühl, er ist trocken und auch mal scharfzüngig. Aber sicher kein Weichling. Steinbrück, der Technokrat.

Umso überraschender war, dass am Wochenende mal ein ganz anderer Peer Steinbrück zu besichtigen war. Ein weicherer, gefühligerer Mann, der an der Seite seiner Frau Anekdoten aus dem wahren Leben erzählte. Der keinen Hehl daraus machte, dass eine Kanzlerkandidatur eine ziemlich anstrengende Angelegenheit ist. Und der plötzlich echte Emotionen zeigte.

Als Steinbrück gefragt wurde, warum er sich das alles eigentlich antue, blieb ihm die Stimme weg und er kämpfte mit den Tränen. Seine Genossen erhoben sich, der Wahlkampf blieb für einen Moment stehen. Das Bild des gerührten Kandidaten war am Abend in allen Fernsehnachrichten zu sehen.

Es ist noch immer etwas Außergewöhnliches, wenn Politiker sich mal gehen lassen. Emotionen sind in der Politik eine schwierige Sache. In kaum einem anderen Betrieb ist Professionalität so wichtig. Politiker stehen unter Beobachtung, sie müssen Entscheidungen treffen, in schwierigen Zeiten Nerven bewahren. Da kann es einem schnell als Schwäche ausgelegt werden, wenn mal Tränen kullern, jedenfalls scheint das noch immer der Glaube zu sein.

Selten ist das dann wirklich der Fall. Im Gegenteil. Oft haben Momente der Rührung ein positives Echo. Wenn Politiker für eine Sekunde oder ein paar mehr nach Fassung ringen, setzt das den Blick frei auf eine Seite, die sonst so verborgen ist: die menschliche Seite. All das Ringen um Konzepte, der harte Kampf um Deutungshoheiten und Wählerstimmen macht dann mal kurz Pause. Tränen machen Politiker in den meisten Fällen sympathisch. Man möchte sagen: Heul doch.

Es kommt natürlich ein bisschen darauf an. Wenn Politiker Emotionen zeigen, bewegen sie sich auf einem schmalen Grat. Die Menschen haben ein feines Gespür dafür, wann etwas aufgesetzt und wann etwas authentisch ist. Die Rührung muss passen. Zur Situation. Zum jeweiligen Politiker. Ansonsten kann es schwierig werden.

Es gibt Politiker, die vor allem dann weinen, wenn sie von ihrer eigenen Größe gerührt sind. Helmut Kohl gehörte dazu. Der Kanzler war nah am Wasser gebaut, aber er vergoss eben meist dann Tränen, wenn seine Leute ihm huldigten. Das ist nicht schlimm, aber es wirkt vielleicht nicht ganz so sympathisch wie eine Abgeordnete, die schlucken muss, weil ihre Laufbahn zu Ende ist oder ein Ministerpräsident, der das Taschentuch zückt, weil der Druck schlicht zu groß ist.

Und dann gibt es da noch diejenigen, bei denen man nicht genau weiß, ob die Rührung spontan erfolgt oder zur Inszenierung gehört. Barack Obama ist so ein Fall. Der US-Präsident hat keinerlei Scheu, sich vor einem Millionenpublikum zu offenbaren. Aber er wirkt selbst in seiner Rührung meist so professionell, dass man meinen könnte, er habe sich eigens dafür einen Coach besorgt. Auf die Wirkung hat das übrigens keinen negativen Effekt: Gerade seine menschliche Seite macht Obama so populär.

Klicken Sie sich hier durch die Bilderstrecke der weinenden Politiker.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 146 Beiträge
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1. nichts
gesell7890 17.06.2013
war daran faszinierend. am wahlabend werden dann alle nasse füße kriegen, wenn der über seine Niederlage heult.
2. Ooooh
xulano 17.06.2013
Der Artikel ist Propaganda. Er hat geweint!!! Ok dann wählen wir ihn halt eben doch. Er ist ja sooo authentisch! Mehr braucht es wohl nicht zum Kanzlersein.
3. Nichts
reznikoff2 17.06.2013
Zitat von sysopEs war ein Moment, wie man ihn nicht oft erlebt in der Politik: Peer Steinbrück kämpfte auf dem Parteikonvent mit den Tränen. Schon andere Spitzenpolitiker hatten schwache Momente. Was ist daran eigentlich so faszinierend? Steinbrücks Emotionen: Wenn harte Hunde weinen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/steinbruecks-emotionen-wenn-harte-hunde-weinen-a-906155.html)
Das ist eine Spielart der Medienmaschine, die nur noch nervt. Gefühle zeigen. Betroffenheit heucheln. Sich mediengeil anbiedern. Das ist nicht faszinierend. Sondern zum Kotzen.
4. Hätte fasst mitgeheult...
euroberliner 17.06.2013
...bei diesem Anblick von Steinbrück. Seine Ehefrau hat Uns den wahren Menschen vorgeführt. Das sollte sich am Wahltag auszahlen. Tränen zeigen mehr als ein Wahlprogramm.
5. Menschliche Seite
volker_morales 17.06.2013
Ob Steinrück von seinem Tränenausbruch profieren kann, finde ich nicht wichtig. Es ist einfach nur schön, wenn die Partei, die ihn als ihren Kanidaten aufgestellt hat, auch anerkennt, dass er keinen leichten Job hat. Die Quoten waren bereits mies, bevor Steinbrück angetreten ist. Die SPD in bessere Zustimmungswerte zu führen, ist im Grunde eine mission impossible. Die Mehrheit der Wähler weiß nur zu genau, dass die SPD Weniges besser, aber Vieles schlechter machen würden.
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