Anschlag von Tröglitz Steinmeier fürchtet um das Ansehen Deutschlands

Außenminister Steinmeier hat sich nach dem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim besorgt über das Bild von Deutschland in der Welt geäußert. Die Regierung will nun Kommunen bei der Unterbringung von Asylbewerbern finanziell unterstützen.

Dachstuhl des Flüchtlingsheims in Tröglitz: ""Wir dürfen nicht wegschauen"
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Dachstuhl des Flüchtlingsheims in Tröglitz: ""Wir dürfen nicht wegschauen"


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Außenminister Frank-Walter Steinmeier fürchtet wegen des Brandanschlags auf ein Flüchtlingsheim in Tröglitz um das Ansehen Deutschlands. "Die Ereignisse von Tröglitz sind eine Schande", sagte der SPD-Politiker der "Welt am Sonntag". "Wir sollten nicht überrascht sein, dass auch bei unseren Partnern in der Welt mit großer Sorge registriert wird, wenn in Deutschland Flüchtlingsunterkünfte brennen, und dass genau verfolgt wird, wie die deutsche Gesellschaft darauf reagiert."

Eine breite Mehrheit in Deutschland lehne Fremdenfeindlichkeit klar ab, so Steinmeier. Er rief dazu auf, der Verantwortung für Flüchtlinge gerecht zu werden: "Wir dürfen in Europa, auch in Deutschland, nicht wegschauen. Auch wenn wir das Flüchtlingselend nicht lösen können - wir müssen helfen, die Folgen zu lindern." Es müsse noch mehr passieren, um zu verhindern, dass "immer wieder Menschen auf dem lebensgefährlichen Weg über das Mittelmeer sterben", so der Minister.

Auf ein Mehrfamilienhaus in Tröglitz in Sachsen-Anhalt, in das im Mai 40 Flüchtlinge einziehen sollten, hatten Unbekannte in der Nacht zum Karsamstag einen Brandanschlag verübt. Zuvor hatte der ehrenamtliche Bürgermeister des Ortes wegen rechtsextremer Anfeindungen im März seinen Rücktritt erklärt. Der Landkreis hält an seinen Plänen fest, Flüchtlinge in Tröglitz unterzubringen (Lesen Sie hier einen Bericht über die Stimmung im Ort).

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Angst und Wut: Tröglitz und der Brandanschlag
Die Frage, wie die Unterbringung von Asylbewerbern künftig finanziert wird, hatte zuletzt innenpolitischen Streit hervorgerufen. Kanzlerin Angela Merkel und ihr Vize Sigmar Gabriel hatten das Thema schließlich zur Chefsache erklärt - Innenminister Thomas de Maizière (CDU) blockte einen Vorstoß des SPD-Chefs für eine Aufstockung des Zuschusses an die Kommunen zunächst jedoch ab. Bereits Ende März hatte die Regierung Forderungen von Ländern und Kommunen nach zusätzlichen Finanzhilfen abgeblockt.

Nun gibt es offenbar konkrete Pläne für ein bundesweites Programm zur Unterstützung von Kommunen, die junge Flüchtlinge aufnehmen. Unter dem Motto "Willkommen bei Freunden" wolle der Bund vom Frühsommer an die Unterbringung von Asylbewerbern mitfinanzieren, berichtet die "Bild am Sonntag". Demnach sollen vom Frühsommer an zwölf Millionen Euro in das Projekt fließen, das zunächst drei Jahre lang laufen soll.

Breite Mehrheit befürwortet Aufnahme von Flüchtlingen

Das Programm solle "die Kommunen unterstützen, die mit Flüchtlingen kaum Erfahrungen haben", sagte Familienministerin Manuela Schwesig dem Blatt. "Es gibt in Deutschland viele Menschen, die Familien, die vor Bürgerkrieg und Verfolgung flüchten mussten, helfen wollen. Eine solche Kultur des Willkommens brauchen wir", so die SPD-Politikerin.

Eine aktuelle Umfrage bestätigt diese Einschätzung: Jeder vierte Deutsche würde bei sich zu Hause Flüchtlinge aufnehmen, wie aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die "Bild am Sonntag" hervorgeht. Demnach sind sogar 33 Prozent der Ostdeutschen bereit, Hilfesuchende in der eigenen Wohnung einzuquartieren. 76 Prozent (im Osten 84 Prozent) geben an, kein Problem damit zu haben, wenn in ihrer unmittelbaren Umgebung ein Flüchtlingsheim entstünde.


Zusammengefasst: Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat den Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Tröglitz (Sachsen-Anhalt) als "Schande für Deutschland" bezeichnet - er fürchte um das Ansehen des Landes. Die Regierung plant laut einem Medienbericht, Länder und Kommunen bei der Unterbringung von Flüchtlingen mit einem millionenschweren Förderprogramm zu unterstützen. Jeder vierte Deutsche wäre laut einer Umfrage bereit, Flüchtlinge in der eigenen Wohnung aufzunehmen.

mxw/dpa/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 173 Beiträge
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spon-facebook-10000283853 12.04.2015
1. Wie kann die
Es kommt doch nicht aus den Taschen von Frau Merkel oder Herrn Steinmeier. Die "Regierung" zwingt einfach andere Menschen mit ihrem Gewaltmonopol für die Gemeinden zu zahlen - d.h. sie "unterstützen" nicht, sondern enteignen den Bürger weiter.
Aha!11!eins 12.04.2015
2.
Das Problem sind nicht irgendwelche fehlende Finanzhilfen für Flüchtlingsunterkünfte, sondern einzig und allein die braune Brut und die leicht zu verlockende, perspektivlose junge Gesellschaft, die sich ihrer anschließt. Wenn man schon Geld ausgeben will, dann sollte man das gegen fehlende Bildung, fehlende KiTa-Plätze, Perspektivlosigkeit und Verwahrlosung einsetzen. Nur so wird man langfristig den braunen Sumpf einigermaßen austrocknen können.
regensommer 12.04.2015
3. Er fürchtet erst jetzt?
Wo war denn Steinmeier die letzten Jahre? Im Tiefschlaf? Wenn ich mir sein Verhalten im Fall Kurnaz ansehe, wenn ich mir sein Verhalten in Sachen Snowden und Grundrechtsverletzungen der Bundesbürger ansehe, wenn ich mir sein Nichtstun in Sachen Frontex betrachte, dann spätestens war doch schon klar dass ihm das Ansehen Deutschlands egal ist.
wolfram 12.04.2015
4. veblendung der Politiker
Liebe Politiker, auch mit gefällt es absolut nicht das sich Menschen in unserem Land gegen Fremde wehren, aber bitte wir sind in einer Demokratie und die heißt bekanntlich auch das man die Meinung der anders Denkenden akzeptiert. Sagte wohl schon mal jemand anderes zu einer anderen Zeit:). Also bitte akzeptiert doch einfach das man in Tröglitz kein Wohnheim möchte, spielt nicht die beleidigte Leberwurst und missbracuht Eure vom Volk geliehene Macht dazu, solche Dinge gegen den Willen des Volkes durchzudrücken!
milpark 12.04.2015
5. Heuraka !
"Jeder vierte Deutsche würde bei sich zu Hause Flüchtlinge aufnehmen, wie aus einer repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die "Bild am Sonntag" hervorgeht. Demnach sind sogar 33 Prozent der Ostdeutschen bereit, Hilfesuchende in der eigenen Wohnung einzuquartieren. 76 Prozent (im Osten 84 Prozent) geben an, kein Problem damit zu haben, wenn in ihrer unmittelbaren Umgebung ein Flüchtlingsheim entstünde." Jeder vierte Deutsche, das sind also grob 80/4 = 20 Millionen, würde Flüchtlinge bei sich zuhause aufnehmen. Also gibt es zwei Möglichkeiten: entweder das Flüchtlingsproblem ist für eine geraume Zeit vollständig gelöst oder dieses Land ist eine Republik der Heuchler. Nach dem gegenwärtigen Nachrichtenstand dürfte die zweite Möglichkeit die richtige sein. Interessant auch, dass die Ostdeutschen offenbar deutlich mehr Willkommenskultur zeigen als die Westdeutschen. Wie passt das mit dem Bild der ewig-zu-kurz-Gekommenen und Rückwärtsgewandten zusammen? Anstatt hier lange zu grübeln, ist es wohl besser, das ganz offensichtlich von der Politik bestellte Auftragswerk von Emnid einfach in die Tonne zu treten.
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