Friedhof in München Grab von ukrainischem Nationalisten Bandera verwüstet

Kreuz umgestoßen, Blumen umgekippt, Erde umgegraben: Mitten in der Ukraine-Krise ist in München das Grab des umstrittenen ukrainischen Nationalisten und Separatistenführers Stepan Bandera beschädigt worden.

Ukrainische Demonstranten tragen ein Foto des umstrittenen Separatistenführers Stepan Bandera (Archiv): Sein Grab in München wurde nun beschädigt
REUTERS

Ukrainische Demonstranten tragen ein Foto des umstrittenen Separatistenführers Stepan Bandera (Archiv): Sein Grab in München wurde nun beschädigt


München - Unbekannte haben das Grab des umstrittenen ukrainischen Politikers Stepan Bandera in München verwüstet. Der oder die Täter rissen ein menschengroßes Kreuz vom Sockel des Grabmals auf dem Münchner Waldfriedhof, wie eine Sprecherin der Polizei bestätigte. Zudem wurden Blumenvasen umgeworfen und Graberde entnommen.

Die Tat ereignete sich den Angaben zufolge vermutlich in der Nacht zu Sonntag. Hinweise auf eine politischen Hintergrund gab es zunächst nicht. Ukrainische Medien hatten zunächst behauptet, das Grab sei gesprengt worden. Dem widersprach die Polizeisprecherin. Auch der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin widersprach diesen Gerüchten. Zudem twitterte er ein Foto des beschädigten Grabes.

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Bandera lebte von 1909 bis 1959 und gilt heute als eine der schillerndsten Figuren der ukrainischen Geschichte. Im aktuellen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine ist er eine besondere Reizfigur. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er als Anführer ukrainischer Nationalisten gegen die sowjetische Herrschaft, Historiker werfen ihm dabei die Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten vor. Seine Verbände sollen auch an einem Massaker an Juden und Kommunisten 1941 im westukrainischen Lemberg (Lwiw) beteiligt gewesen sein.

Allerdings saß Bandera später auch mehrere Jahre im Konzentrationslager Sachsenhausen, nachdem er sich gegen die Nazis gewendet und einen unabhängigen ukrainischen Staat ausgerufen hatte. Bandera wurde 1959 in München von Agenten des sowjetischen Geheimdienstes KGB aufgespürt und ermordet. In seiner Heimat wird er teils als Nationalheld verehrt, teils als Kollaborateur und Verräter verachtet.

jbe/afp/dpa

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