Stephanie zu Guttenbergs Buchvorstellung: Ernster Abend mit großem Auftritt

Von Dominik Peters

Es ist ein wichtiges und bedrückendes Thema: Stephanie zu Guttenberg hat ein Buch über sexuellen Missbrauch von Kindern geschrieben. Am Mittwochabend präsentierte sie das 180-seitige Werk - im Beisein ihres Mannes, des deutschen Verteidigungsministers.

Stephanie zu Guttenberg: Buchvorstellung mit Ehemann Fotos
Getty Images

19.30 Uhr: die Frisur sitzt. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eilt im schwarzen Anzug mit rosa Krawatte die Treppen herunter in den Saal. Der Meister der Selbstinszenierung wird vom Scheinwerferlicht der Kameramänner begrüßt - dieses Mal scheint es ihn zu stören.

Der Grund: Seine Frau soll eigentlich im Mittelpunkt stehen.

Stephanie zu Guttenberg, die Ministergattin, Ur-Urenkelin des ersten deutschen Reichskanzlers Bismarck und Mutter zweier Töchter hat ein Buch geschrieben: "Schaut nicht weg!", heißt das 180-seitige Werk, das sie an diesem Mittwochabend vorstellt.

Sie liest gerade daraus vor, den meisten Zuhörern merkt man Betroffenheit an. Das Thema ist ernst: Sexueller Missbrauch von Kindern.

Karl-Theodor zu Guttenberg merkt, dass er sich besser nicht in die erste, reservierte Reihe setzt. Mit seiner Entourage bleibt er hinten im Saal im Kulturkaufhaus Dussmann.

Der Mann, der sonst immer ein Gespür dafür hat, wann er wo sein muss, hat seiner Frau mit seiner Anwesenheit an diesem Abend keinen Gefallen getan. Dabei hatte alles so gut angefangen.

"Eines der wichtigsten Bücher dieser Zeit"

Stephanie zu Guttenberg hat am frühen Abend eine überzeugende Pressekonferenz bestritten. Ihre blonden Haare hat sie zu einem einfachen Pferdeschwanz zusammengebunden, trägt schlichten Schmuck, schwarzen Blazer und schwarzen Rock. Es soll nicht um sie gehen, sondern um ihr Anliegen - das ist die Botschaft, die sie vermitteln will.

Gemeinsam mit ihrem Verleger Manuel Herder spricht die Präsidentin des Vereins "Innocent in Danger", der sich aktiv gegen sexuellen Missbrauch von Kinder einsetzt, über das "Tabu-Thema", das sie in die Öffentlichkeit "zerren" will. Herder nennt ihren Ratgeber "eines der wichtigsten Bücher dieser Zeit."

Stephanie zu Guttenberg doziert über den Pornokonsum von Jugendlichen im Internet, die Strategien von Pädophilen und warnt davor, Kinder "fahrlässig auf die neuen Medien loszulassen." Gelegentlich wird sie richtig wütend: "In unserer Gesellschaft, die alles zu erlauben scheint", sagt sie, "gibt es sechsjährige Mädchen, die nichts toller finden, als halbnackt auf dem Laufsteg zu laufen, sich im Schlamm zu suhlen und dabei fotografiert zu werden." TV-Formate wie "Germanys Next Topmodel" seien daran mit Schuld, dass kleine Kinder nicht zwischen Realität und Fernseh-Fiktion unterscheiden könnten.

Beifall bei öffentlicher Buchvorstellung

Auf der anschließenden öffentliche Buchvorstellung samt Lesung wurde die Autorin mit großem Applaus des - zumeist älteren - Publikums empfangen. Sie wettert gegen die Politik, die sich dem Thema bisher nicht wirklich angenommen habe und über die "runden Tische", deren Ergebnisse meist nicht über "Lippenbekenntnisse" hinausgingen. Auch die katholische Kirche nimmt sie ins Visier. Sie nennt Zahlen und Fakten, beispielweise, dass sich ein missbrauchtes Kind im Schnitt acht Erwachsenen anvertrauen müsse, bevor man ihm glaube. "Das ist einfach sieben Mal zu viel", sagt sie empört und erntet zustimmendes Nicken im Saal.

Als die Ministergattin aus ihrem Buch vorliest, herrscht bedächtiges Schweigen. Ein einziges Mal kommt Unruhe auf - es ist der Moment, als ihr Mann in den Raum kommt.

"Der Mann ist hier fehl am Platz"

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte am Morgen noch im Bundestag für ein parteiübergreifendes Vorgehen bei der Bundeswehrreform geworben, am Nachmittag dann seinen schwarzen Anzug gegen eine bayerische Tracht getauscht und gemeinsam mit Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner das Berliner Oktoberfest eröffnet.

Nun also kommt er, um seine Frau bei ihrer Buchvorstellung zu unterstützen. Die Kameramänner stürzen sich auf ihn und seine Frau schaut irritiert.

Der Verteidigungsminister versucht nicht aufzufallen. Es fällt ihm sichtlich schwer. "Der Mann ist hier fehl am Platz, Ingrid", raunt eine Rentnerin ihrer Freundin zu. Die nickt - und dreht sich dann aber doch nochmal um. Hin zu ihm, dem Minister.

Mit verschränkten Armen und ernster Miene hört der den Ausführungen seiner Frau zu. Als Stephanie zu Guttenberg ihre Vorlesung beendet, die Bühne verlässt, um Bücher zu signieren, ist ihr Mann sichtlich stolz und klatscht. Er klatscht laut - und ist in Sekundenbruchteilen von einer großen Menschentraube umringt, gibt Fernsehinterviews und lächelt in die Kamera. Es ist die übliche Guttenberg-Show.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 92 Beiträge
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1. Show
snickerman 16.09.2010
und mehr nicht. Die Frau Guttenberg ist auch so eine Betroffenheitshenne wie die Vroni Ferres und die von der Leyen, alle blond, von sich selbst überzeugt, aber bar jeglichen Wissens. Ihr Buch ist eine Versammlung gutklingender, aber hohler Allgemeinplätze, von denen die meisten von der Fachwelt längst widerlegt wurden, aber weiter schön durch die Medien geistern. Der Quatsch mit den bösen Auswirkungen des Internets auf Kinder und Jugendliche z.B. wurde erst vor wenigen Wochen noch eindrucksvoll ins Reich der Mythen und Märchen verwiesen (war auch hier auf SPON zu lesen), aber wozu sich von Fakten beeinflussen lassen, wenn man doch eine gute Absicht hat? PS: Der Verein von der Frau von und zu heißt "InnocenCE in Danger"
2. Daumen drücken!
forumgehts? 16.09.2010
Zitat von sysopEs ist ein wichtiges und bedrückendes Thema: Stephanie zu Guttenberg hat ein Buch über sexuellen Missbrauch von Kindern geschrieben. Am Mittwochabend präsentierte sie das 180-seitige Werk - im Beisein ihres Mannes, dem deutschen Verteidigungsminister. Der Auftritt wurde zur Guttenberg-Show. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,717573,00.html
Hoffentlich wird ihnen nicht durch ein entsprechendes Vorkommnis bei der BW in Kundus die Tour vermasselt.
3. die Fotoserie....
minimatz 16.09.2010
Zitat von sysopEs ist ein wichtiges und bedrückendes Thema: Stephanie zu Guttenberg hat ein Buch über sexuellen Missbrauch von Kindern geschrieben. Am Mittwochabend präsentierte sie das 180-seitige Werk - im Beisein ihres Mannes, dem deutschen Verteidigungsminister. Der Auftritt wurde zur Guttenberg-Show. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,717573,00.html
Bei allem Fairständnis für Öffentlicharbeit... Diese Fotoserie hat mich wirklich abgeschreckt... Nur Bild 16, wenn überhaupt...hat einen kritischen Hintergrund...sonst Werbung pur!!! Gewisse Mainstream-medien werde ich ab sofort nicht mehr lesen!!!
4. Was ist SpOn für ein Klatschblatt geworden!
Haywood Ublomey 16.09.2010
Was hat die Frisur einer Bismarck-Nachfahrin mit sexuellem Mißbrauch zu tun? Hat Baby Schimmerlos etwa beim Spiegel angeheuert? Und bei Formulierungen wie „im Beisein ihres Mannes, dem deutschen Verteidigungsminister“ zieht's mir die Schuhe aus. Herr Peters, auch wenn sich der „journalistische Dativ“ immer mehr ausbreitet, bleibt er doch einer der übelsten Fehler, die es auf Papier zu kaufen gibt. Lesen Sie Ihren Satz noch mal laut - kriegen Sie jetzt auch Zahnschmerzen? Das nachgestellte Attribut steht nämlich keineswegs immer im 3. Fall, sondern im selben Fall wie das Substantiv, auf das es sich bezieht! Ansonsten bedienen sowohl der Auftritt der Frau Ministergattin als auch dieser Artikel genau die Aufmerksamkeitsökonomie, die zu Auswüchsen wie „Germany's Next Top Model“ führt. Wo bewegen sich die Guttenbergs denn lieber als auf dem journalistischen Boulevard? Wer spreizt sich denn so gern vor Bild, Brisant und Konsorten? Also bitte keine Krokodilstränen über die „Gesellschaft, die alles erlaubt“ vergießen!
5. Tippfehler
cyn 16.09.2010
Innocence Unschuld in Gefahr.
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