Bundestagsvizepräsident CDU-Politiker Hintze will Sterbehilfe ermöglichen

Gegen den Kurs seiner CDU wagt Bundestagsvize Peter Hintze einen Vorstoß zur Sterbehilfe: Ärzte, die Schwerstkranken beim Suizid helfen, dürften nicht bestraft werden, sagte er dem SPIEGEL. Es gebe auch eine "Ethik des Helfens".

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Pflegerin in Seniorenheim (Symbolbild): "Not verlangt nach Antwort"
DPA

Pflegerin in Seniorenheim (Symbolbild): "Not verlangt nach Antwort"


Berlin - In der Debatte um ein Verbot der organisierten Sterbehilfe geht Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU) auf Konfrontationskurs zur CDU-Spitze. "Heute stehen todkranke Menschen, die aus dem Leben scheiden wollen, oftmals vor der Alternative, sich in der Schweiz bei ihrem Vorhaben helfen zu lassen oder, falls sie das Geld dafür nicht haben, sich in Deutschland vor den Zug zu werfen. Diese Not verlangt nach einer Antwort", sagte Hintze dem SPIEGEL.

Das ganze Interview lesen Sie hier im neuen SPIEGEL.

"Meiner Ansicht nach sollte der ärztlich assistierte Suizid in unerträglichen Situationen am Lebensende ohne jeden Zweifel straffrei sein, wenn der Patient dies wünscht und der Arzt in einer Gewissensentscheidung zu dem Ergebnis kommt, dass er diesem Wunsch nachkommen will."

Damit grenzt sich Hintze von der Forderung führender Unionspolitiker wie Fraktionschef Volker Kauder und Gesundheitsminister Hermann Gröhe ab, die eine strenge Regelung der Sterbehilfe anstreben. Im Herbst soll dazu eine Anhörung im Bundestag stattfinden, derzeit sondiert der CDU-Politiker Michael Brand die Meinung im Parlament. Fraktionschef Kauder hatte angekündigt, dass noch in diesem Jahr ein Gesetz beschlossen werden solle.

Hintze betonte:"Ich will Rechtssicherheit für Ärzte und Patienten. Es ist doch Irrsinn, dass Verwaltungsangestellte oder Lehrer durch Deutschland reisen und unentgeltlich mit unsicheren Methoden straffrei Suizidhilfe anbieten können, ausgerechnet Ärzte aber ein unüberschaubares strafrechtliches Risiko eingehen." Es gebe auch eine "Ethik des Helfens", sagte der CDU-Politiker.

"Ich setze auf eine Mehrheitsbildung in der Union"

Hintze, der unter Helmut Kohl CDU-Generalsekretär war ("Rote-Socken-Kampagne"), hat heute formal nur noch das Amt des Bundestagvizepräsidenten inne. Er ist jedoch zudem Chef der mächtigen NRW-Landesgruppe im Bundestag und gilt als enger Vertrauter von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Für seine Meinung will Hintze zunächst innerhalb der Union werben, notfalls aber auch mit der SPD gemeinsam einen Gruppenantrag auf den Weg bringen. "Ich setze auf eine Mehrheitsbildung in der Union. Es ist auch ein Gruppenantrag mit der Kollegin Carola Reimann von der SPD denkbar."

Es ist nicht zum ersten Mal, dass Hintze in schwierigen ethischen Fragen auf Konfrontationskurs geht. Bereits in der Debatte über die Genforschung und bei der Präimplantationsdiagnostik vertrat der ehemalige Pfarrer eine liberalere Haltung als seine Partei. Für die Union war das vor allem 2011 bei der Präimplantationsdiagnostik keine einfache Angelegenheit, da sich die CDU auf ihrem Parteitag kurz zuvor noch mit knapper Mehrheit für ein Verbot der PID ausgesprochen hatte.



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insgesamt 165 Beiträge
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logabjörk 10.08.2014
1. endlich
mal einer!!!
Hulda 10.08.2014
2. Soll er doch selbst machen.
In ethischen Fragen endet die Macht des Staates. Der Bürger lässt sich selbst in Demokratien nicht totalitär bevormunden. Demokratie ist in diesem Sinne die Weiterentwicklung des Totalitarismus der Mächtigen durch sanftere Mitteln.
pirx64 10.08.2014
3. sehr gut
Sehr gut. Bitte Klarheit schaffen. Ich möchte nicht auf Teufel komm raus vegetierend am "Leben" erhalten werden
Toll-s-toy 10.08.2014
4. ein cDU Politiker wirkt endlich CHRISTLICH.
Zitat von sysopDPAGegen den Kurs seiner CDU wagt Bundestagsvize Peter Hintze einen Vorstoß zur Sterbehilfe: Ärzte, die Schwerstkranken beim Suizid helfen, dürften nicht bestraft werden, sagte er dem SPIEGEL. Es gebe auch eine "Ethik des Helfens". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/sterbehilfe-cdu-mann-peter-hintze-mit-vorstoss-gegen-eigene-partei-a-985209.html
Dieser Sonntag fängt wirklich gut an, was Nachrichten betrifft.
logabjörk 10.08.2014
5. aha
wieder Kommentar-Begrenzung zu diesem "heiklen" Thema. Deutschland-Heuchlerland. So lange müssen halt die Lokführer das ausbaden!!!
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