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Ärztlich assistierter Suizid: Hintze geht bei Sterbehilfe auf Ärzteschaft zu

Wenn die Ärztekammern ihr Berufsrecht ändern, wäre Bundestagsvizepräsident Peter Hintze bereit, seine Pläne zur staatlichen Regelung von Sterbehilfe fallen zu lassen, sagte er dem SPIEGEL.

Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU) hat einen Verzicht auf seinen Vorstoß zum ärztlich assistierten Suizid in Aussicht gestellt, wenn die Ärztekammern ihr Berufsrecht entsprechend ändern. "Wenn die Ärztekammern vorher tätig werden und sagen 'Doch, in bestimmten extremen Ausnahmesituationen, die wir auch kennen, wollen wir dieser Gewissensentscheidung des Arztes Raum geben', dann brauchten wir keine staatliche Regelung", sagte Hintze dem SPIEGEL.

Nach Vorstellungen Hintzes soll ein Arzt einem Patienten, der an einer unumkehrbar zum Tode führenden Krankheit leidet und einen sehr starken Leidensdruck verspürt, künftig ein zum Tod führendes Medikament zur Verfügung stellen dürfen, wenn er und ein weiterer Mediziner dieses Leiden nachvollziehen können. (Lesen Sie das vollständige Interview hier im aktuellen SPIEGEL.)

Für Patienten mit schweren Depressionen soll die angedachte Regelung nach Hintzes Vorstellungen keine Anwendung finden. "Dem Sterbewunsch muss eine organische, keine psychische Erkrankung zugrunde liegen. Bei einem depressiven Patienten gibt es gute andere Möglichkeiten der Behandlung", so Hintze.

Bei Alzheimererkrankten dagegen dürfen Ärzte den Sterbewunsch erfüllen, wenn die Patienten zur Einwilligung geistig in der Lage sind. "Ein Patient muss geistig so klar sein, dass ihm die Tragweite der Entscheidung bewusst ist. Mediziner sagen uns, dass dies bei Alzheimerpatienten der Fall sein kann", so Hintze.

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1. Ein unbequemes Thema
ralfrichter 09.11.2014
für die Politik,da eh alle auf potentielle Wähler achten,soll nun die Ärztekammer in die Bresche springen. Die Vorstellungen von Herrn H. sind akzeptabel,allerdings ist die Aussage: ""Dem Sterbewunsch muss eine organische, keine psychische Erkrankung zugrunde liegen" doch reichlich Blauäugig. Genau diese Menschen,denen das Leben zur Hölle wird müssen dann weiterhin zu Schlaftabletten,Messern ect. greifen oder Beförderungsmitteln, wie die sehr effektive Eisenbahn, um ihrem Wunsch oder Ausweg nachzukommen. Es ist allerdings immer besser,ein vielleicht nicht in allen Belangen stimmendes Gesetz zu erlassen als in dem bisherigen "Sumpf" weiter zu stochern...
2. Nichts für Ärzte
mundi 09.11.2014
Im Ärzteberuf gibt es viele Spezialgebiete. Die Ausbildung erfolgt dafür im Studium und in der vorgeschriebenen Praxis. Das Spezialgebiet des Tötens ist bisher noch nicht im Studienprogramm. Mir ist auch nicht bekannt, dass geplant wird, das Töten in das Ausbildungsprogramm aufzunehmen. Vielleicht sollte man sich überlegen, dafür eine spezielle Berufslaufbahn zu kreieren. Für praktische Übungen könnten man manche US-Gefängnisse gewinnen.
3. versteh ich bei Alzheimer nicht
bebreun 09.11.2014
Im Frühstadium von Alzheimer ist der Patient sicher noch zurechnungsfähig, hat in der Regel aber keine großen Schmerzen. Bei weit fortgeschrittenem Stadium kann man nicht mehr von Zurechnungsfähigkeit ausgehen; es können aber erheblich körperliche Gebrechen vorliegen. Wie kann bei Alzheimer das angesprochene Verfahren angewandt werden? Kann der Patient in der Anfangsphase aufgrund der zu erwartenden Gebrechen die Entscheidung einfordern? Entscheiden im fortgeschrittenen Stadium dann Verwandte, Ärzte, Pfleger oder gar die Pflegekassen oder der Staat?
4. Überregulierung
Synalöphe 09.11.2014
Warum muss hierzulande eigentlich immer alles bis zum Gehtnichtmehr reguliert werden? Warum kann man die Leute nicht einfach Mal machen und ihre eigenen Entscheidungen treffen lassen? Erst Mal: Es ist doch blanke Willkür, wenn der Arzt gemäß der von Hintze vorgeschlagenen Regelung, die Gründe aus denen jemand Suizid begehen möchte, nachvollziehen können muss, damit er ihm die Medikamente geben darf. Das ist doch völlig beliebig! Ich kann auch nicht nachvollziehen, warum manche Menschen einen Marathonlauf genießen - sie tun es aber. Wenn jemand sich umbringen will sind die Gründe zwangsläufig subjektiv und in ihm selbst angelegt, so dass es in der Natur der Sache liegt dass andere diese nicht nachvollziehen können. Das spielt aber auch gar keine Rolle, denn es geht ja um das Leben des betreffenden Menschen und nicht das Leben anderer Leute (Arzt, Politiker usw.). Somit ist das allein seine Entscheidung. Dann eine andere Sache: Wieso wird immer die Einschränkung vorgenommen, dass Menschen unheilbar krank sein müssen, damit man ihnen Medikamente zum Suizid geben darf? Was ist mit Menschen die eine heilbare Krankheit haben, aber lieber Schluss machen möchten. Oder was ist mit jemandem der kerngesund ist und gerne sterben möchte? Wie soll der denn an die Medikamente kommen mit denen man sich professionell, schnell, verlässlich und angenehm selbst töten kann, wenn kein Arzt ihm diese verschreibt? Man kann es ja übers Internet probieren - da ist aber eben die Qualität nicht gewährleistet. Mein Vorschlag wäre sich ein Vorbild an der Serie Futurama zu nehmen: In dieser gab es das geniale Konzept sogenannter Suizidkabinen. Da konnte man, wenn man keinen Bock mehr hatte, einfach reingehen und schnell und schmerzfrei schluss machen. Das sollte es vom Prinzip her auch hier geben: Jeder Mensch sollte das Recht haben jederzeit zum Arzt zu gehen und zu sagen "Ich möchte mich gerne umbringen" und der Arzt sollte ihm gemäß dem Motto "der Kunde ist König" als guter Dienstleister einfach die Medikamente verschreiben, mit denen man sich schnell und angenehm umbringen kann. Um Kurzschlussaktionen zu vermeiden kann man ja eine zwei Wochen Wartefrist einführen. Man meldet seinen Wunsch beim Arzt an. Dieser gibt einem einen Wartezettel von zwei Wochen. Wenn man dann wiederkommt und sich immer noch töten will -> kriegt man seine Medikamente, egal aus welchem Grund man sich töten will (so sollte z.B. auch ein kerngesunder Zwanzig- oder Dreißigjähriger, der gerne sterben will ein Rezept für tödliche Medikamente kriegen -> denn es ist sein Leben und somit seine Entscheidung) und kann dann einfach schnell und schmerzfrei Schluss machen.
5. Herr des Lebens
atech 09.11.2014
Zitat von SynalöpheWarum muss hierzulande eigentlich immer alles bis zum Gehtnichtmehr reguliert werden? Warum kann man die Leute nicht einfach Mal machen und ihre eigenen Entscheidungen treffen lassen? Erst Mal: Es ist doch blanke Willkür, wenn der Arzt gemäß der von Hintze vorgeschlagenen Regelung, die Gründe aus denen jemand Suizid begehen möchte, nachvollziehen können muss, damit er ihm die Medikamente geben darf. Das ist doch völlig beliebig! Ich kann auch nicht nachvollziehen, warum manche Menschen einen Marathonlauf genießen - sie tun es aber. Wenn jemand sich umbringen will sind die Gründe zwangsläufig subjektiv und in ihm selbst angelegt, so dass es in der Natur der Sache liegt dass andere diese nicht nachvollziehen können. Das spielt aber auch gar keine Rolle, denn es geht ja um das Leben des betreffenden Menschen und nicht das Leben anderer Leute (Arzt, Politiker usw.). Somit ist das allein seine Entscheidung. Dann eine andere Sache: Wieso wird immer die Einschränkung vorgenommen, dass Menschen unheilbar krank sein müssen, damit man ihnen Medikamente zum Suizid geben darf? Was ist mit Menschen die eine heilbare Krankheit haben, aber lieber Schluss machen möchten. Oder was ist mit jemandem der kerngesund ist und gerne sterben möchte? Wie soll der denn an die Medikamente kommen mit denen man sich professionell, schnell, verlässlich und angenehm selbst töten kann, wenn kein Arzt ihm diese verschreibt? Man kann es ja übers Internet probieren - da ist aber eben die Qualität nicht gewährleistet. Mein Vorschlag wäre sich ein Vorbild an der Serie Futurama zu nehmen: In dieser gab es das geniale Konzept sogenannter Suizidkabinen. Da konnte man, wenn man keinen Bock mehr hatte, einfach reingehen und schnell und schmerzfrei schluss machen. Das sollte es vom Prinzip her auch hier geben: Jeder Mensch sollte das Recht haben jederzeit zum Arzt zu gehen und zu sagen "Ich möchte mich gerne umbringen" und der Arzt sollte ihm gemäß dem Motto "der Kunde ist König" als guter Dienstleister einfach die Medikamente verschreiben, mit denen man sich schnell und angenehm umbringen kann. Um Kurzschlussaktionen zu vermeiden kann man ja eine zwei Wochen Wartefrist einführen. Man meldet seinen Wunsch beim Arzt an. Dieser gibt einem einen Wartezettel von zwei Wochen. Wenn man dann wiederkommt und sich immer noch töten will -> kriegt man seine Medikamente, egal aus welchem Grund man sich töten will (so sollte z.B. auch ein kerngesunder Zwanzig- oder Dreißigjähriger, der gerne sterben will ein Rezept für tödliche Medikamente kriegen -> denn es ist sein Leben und somit seine Entscheidung) und kann dann einfach schnell und schmerzfrei Schluss machen.
genau dem widersprechen die christlichen Kirchen und leider auch viele christliche Ärzte: das Leben gehört nicht dem Patienten, sondern Gott. Und der Mensch hat nicht das Recht, über sein Leben selbst zu bestimmen. Dass damit die gesamte moderne Medizin eine einzige Gotteslästerung ist, wird dabei übersehen. Dass es jedem Christen freisteht, seine letzten Wochen, Tagen und Stunden leidend zu verbringen, auch. Wann endlich befreien wir uns vom Joch derjenigen, die über unser Leben bestimmen wollen?
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Die Regelungen zur Sterbehilfe in Deutschland
Indirekte aktive Sterbehilfe
Beim Thema Sterbehilfe wird generell zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe sowie Beihilfe zur Selbsttötung unterschieden. Eine direkte, aktive Tötung, etwa mit einer Giftspritze, ist auch auf Verlangen strafbar. Erlaubt ist allerdings eine indirekte aktive Sterbehilfe: etwa der Einsatz von Medikamenten, deren Nebenwirkungen die Lebensdauer herabsetzen können. Die aktive Lebensverkürzung wird dabei als ungewollte, aber unvermeidbare Nebenwirkung billigend in Kauf genommen.
Passive Sterbehilfe
Unter passiver Sterbehilfe verstehen Juristen das "Zulassen des natürlichen Sterbens": Hierbei werden lebensverlängernde Maßnahmen wie Beatmung oder künstliche Ernährung unterlassen oder beendet. Auch eine Sterbebegleitung in Form von Beistand, Seelsorge und schmerzstillender Palliativmedizin gilt als passive Sterbehilfe.
Patientenwille
Wichtig ist es, bei der passiven wie auch der indirekten aktiven Sterbehilfe, den Willen des Patienten zu kennen. Denn - vereinfacht gesagt - ist hier fast alles erlaubt, wenn es dem Willen des Patienten dient. Umgekehrt kann das passive Sterbenlassen eines Hundertjährigen eine Tötung sein, wenn dieser leben will.
Patientenverfügungen
Die neue gesetzliche Regelung zur Patientenverfügung (Drittes Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts) wurde im Juni 2009 nach sechsjähriger Debatte vom Bundestag verabschiedet. Danach sind schriftliche Patientenverfügungen für Ärzte und Angehörige verbindlich, unabhängig vom Krankheitsstadium. Das heißt, dass die Verfügung auch befolgt werden muss, wenn der Kranke noch nicht die Sterbephase erreicht hat. Fordert der Patient die Einstellung lebenserhaltender medizinischer Maßnahmen, muss der Arzt dies umsetzen.
Beihilfe zum Suizid
Problematisch wird es bei der Beihilfe zur Selbsttötung. Das grundgesetzlich garantierte Selbstbestimmungsrecht gibt jedem das Recht, aber nicht die Pflicht zu leben. Da somit in Deutschland eine Selbsttötung straffrei ist, ist auch die Beihilfe zur Selbsttötung straffrei, wenn sie vor der Tötung stattfindet - also ein Helfer dem Sterbewilligen etwa ein Glas mit Gift hinstellt, das dieser dann selbstständig austrinkt.

Im Gegensatz zum Strafrecht verbietet das Standesrecht den Ärzten in Deutschland jedoch die Beihilfe zum Suizid. So dürfen die dafür geeigneten Wirkstoffe für diesen Zweck nicht verordnet werden, es handelt sich deshalb unter Umständen um einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz.

Die Bundesärztekammer hatte außerdem bereits vor einiger Zeit erklärt, dass es sich bei einem ärztlich assistierten Suizid aus ihrer Sicht um Tötung auf Verlangen handele. Diese wird laut Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis fünf Jahren geahndet (Paragraf 216, StGB).
Arten der Sterbehilfe
Aktive Sterbehilfe
Der Tod eines Menschen wird absichtlich und aktiv herbeigeführt. Zum Beispiel, indem ein Arzt eine tödliche Dosis Medikamente verabreicht. Diese Form der Sterbehilfe ist in Deutschland verboten (Tötung auf Verlangen oder Totschlag oder gar Mord).
Passive Sterbehilfe
Lebensverlängernde Maßnahmen wie zum Beispiel künstliche Ernährung werden auf Wunsch des Sterbewilligen eingestellt. Er erhält eine schmerzlindernde Behandlung, die Grundpflege und Seelsorge werden beibehalten. In Deutschland ist diese Form bei entsprechendem Patientenwillen straflos.
Indirekte aktive Sterbehilfe
Ein Arzt verabreicht einem Patienten auf dessen Wunsch hin schmerzlindernde Medikamente, zum Beispiel Morphin. Eine lebensverkürzende Wirkung wird in Kauf genommen, ist aber nicht beabsichtigt. Diese Form ist in Deutschland straflos, aber die Grenze zur aktiven Sterbehilfe ist fließend.
Assistierte Selbsttötung
Eine Person leistet Beihilfe zum Suizid, etwa durch Beschaffung eines tödlichen Mittels. Der Patient muss es selbständig einnehmen, bei der Handlung darf nicht einmal jemand seine Hand führen. Beihilfe zum Suizid ist in Deutschland nicht strafbar. Ärzten drohen theoretisch jedoch berufsrechtliche Konsequenzen bis hin zum Entzug der Approbation: "Sie dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten", heißt es in Paragraf 16 der Muster-Berufsordnung, wie sie als Empfehlung vom Deutschen Ärztetag beschlossen wurde. Allerdings haben mehrere Landesärztekammern die Formulierung abgewandelt oder gar nicht in ihre Berufsordnungen übernommen. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, kann sich laut SPIEGEL an keinen Fall erinnern, in dem es in den vergangenen Jahren wegen Sterbehilfe zum Entzug der Approbation gekommen wäre.
Patientenverfügung
In Deutschland haben Volljährige die Möglichkeit, in einer Patientenverfügung im Voraus schriftlich festzulegen, ob und wie sie in bestimmten Situationen ärztlich behandelt werden möchten (Paragraf 1901a, Bürgerliches Gesetzbuch). Diese Angaben sind - sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind - für Ärzte verbindlich. Ausführliches Info-Material stellt das Justizministerium zur Verfügung.


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