SPIEGEL ONLINE: Kommt das neue, vereinfachte Steuersystem mit drei Stufen?
Fahrenschon: Wir wollen Steuern senken. Deshalb werden wir die Krisen verschärfenden Wirkungen bei den Unternehmensteuern sehr schnell nach Regierungsübernahme beenden. Dann folgt eine Entlastung bei der Einkommensteuer. Das wird im Mittelpunkt des Koalitionsvertrages stehen.
SPIEGEL ONLINE: Sie zieren sich. Dabei heißt es längst in der Union, auf fünf Steuerstufen könne man sich mit den Liberalen einigen, das sei weit besser als deren Drei-Stufen-Modell.
Fahrenschon: Was die FDP in den Mittelpunkt gerückt hat, das ist doch nicht darstellbar. Wir haben schon vor der Wahl gesagt, dass dieser Drei-Stufen-Ansatz nicht realistisch ist. Das bewahrheitet sich jetzt. Trotzdem versuchen wir natürlich, sehr ernsthaft mit der FDP zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen.
SPIEGEL ONLINE: Warum gönnen Sie der FDP keinen Erfolg?
Fahrenschon: Unsere Aufgabe ist es nicht, der FDP die Erfolge zu besorgen. Unsere Aufgabe ist es, die richtigen steuerpolitischen Rahmenbedingungen als Grundlage für die Arbeit dieser Koalition zu verankern - und dabei das Ziel der Haushaltskonsolidierung nicht außer acht zu lassen.
SPIEGEL ONLINE: Kritiker meinen, der Einstieg in ein völlig neues Steuersystem sei gefährlich, weil in den Auswirkungen unberechenbar. Was sagen Sie?
Fahrenschon: Sie können sicher sein, dass wir nur einen Steuertarif unterstützen, der nachvollziehbar, transparent und auch belastbar ist. Auf Luftschlösser der FDP lassen wir uns nicht ein.
SPIEGEL ONLINE: Sie wollen die Deutschen mit Ihrer Steuerreform um 15 Milliarden Euro entlasten - aber wo wollen Sie kürzen?
Fahrenschon: Für die von uns vorgesehenen zwei Entlastungsschritte müssen wir auf Bundesebene im ersten Schritt drei Milliarden, das heißt ein Prozent des Bundeshaushalts aufbringen. Das ist zu schaffen.
SPIEGEL ONLINE: Das heißt, wir müssen nicht mit Kürzungen an anderer Stelle rechnen?
Fahrenschon: Wer jetzt ein Streichkonzert veranstaltet, der schwächt unsere bisher erfolgreiche Politik gegen die Wirtschaftskrise. Das ist nicht unser Ziel.
Das Interview führte Sebastian Fischer
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