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Merkels Energiewende: Stunde der Zweifler

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Die Energiewende ist das zentrale Projekt der Bundesregierung. Bei der Umsetzung aber hakt es, mancher Koalitionär zweifelt gar an der Machbarkeit des Atomausstiegs. Neu-Umweltminister Altmaier mahnt: "Es gibt kein Zurück." Die Kanzlerin muss handeln.

Kanzlerin Merkel (beim Besuch eines Windparks): Viele Projekte im Rückstand Zur Großansicht
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Kanzlerin Merkel (beim Besuch eines Windparks): Viele Projekte im Rückstand

Berlin - Es waren eindrucksvolle Zahlen, die die Ökostrom-Branche über die sonnigen Pfingsttage vermeldete. Zahlen, die nach grüner Revolution klingen. Zwischenzeitlich sollen die deutschen Solaranlagen am Wochenende 20.000 Megawatt Strom geliefert haben, so viel wie 20 Atomkraftwerke. Für den Rekord, den Energiebedarf hierzulande zumindest stundenweise zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energie zu decken, reichte es am Ende zwar nicht. Dafür trieb das laue Lüftchen zu wenige Windräder an. Dennoch könnte man meinen, die Energiewende in Deutschland sei auf einem guten Weg. Ist sie aber nicht.

Die Nachrichten vom glänzenden Photovoltaik-Wochenende täuschen über die massiven Probleme bei der Umsetzung des zentralen innenpolitischen Projekts der schwarz-gelben Bundesregierung hinweg. Denn all der grüne Strom nutzt nichts, wenn die Leitungen fehlen, um ihn zum Verbraucher zu transportieren. Wenn die Speicher fehlen, die ihn jederzeit verfügbar machen. Wenn die Kraftwerke fehlen, die einspringen, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht so scheint wie in diesen Tagen. Und nicht zuletzt macht der Sonnenstrom den Bürger nicht glücklich, wenn er gleichzeitig wegen der Solarförderung unter steigenden Preisen ächzt.

Es hapert an allen Ecken und Enden bei der Energiewende, das hat auch die Kanzlerin erkannt. In ihrer wöchentlichen Videobotschaft räumt Angela Merkel ein, dass Deutschland vor allem beim Netzausbau hinterhinkt. "Hier sind wir an vielen Projekten im Rückstand." Das ist nett ausgedrückt. Von den benötigten bis zu 4500 Kilometern Höchstspannungsleitungen sind gerade mal ein paar hundert geplant und gebaut. Daher hat Merkel die Energiewende nun zur Chefsache gemacht. Am Dienstag besucht sie gemeinsam mit Neu-Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) die Bundesnetzagentur in Bonn, um sich darüber zu informieren, "was gegebenenfalls politisch getan werden kann, um die Dinge zu beschleunigen".

FDP fordert Führung von Merkel

Die Kanzlerin weiß: Wenn die schwarz-gelbe Regierung bei der Energiewende nicht vorankommt, wäre das ein Symbol des Scheiterns, das ihr im Wahlkampf 2013 als Makel anhaften würde. Die Zeit dränge, sagt Merkel in ihrem Video-Podcast - und das gilt wohl auch für sie ganz persönlich. Die CDU-Chefin braucht Erfolge, um die eigenen Reihen zu beruhigen.

Nach der historischen Wahlschlappe in Nordrhein-Westfalen rumort es in der Union. In den jüngsten Umfragen büßten CDU und CSU zuletzt deutlich ein. Die Schwesterpartei aus Bayern macht Druck an allen Fronten, am Wochenende hob sie die leidige Pkw-Maut wieder auf die Agenda. Auch die gebeutelte FDP tankt neues Selbstbewusstsein und fordert mehr Führung von Merkel. "Man kann eben nicht - so wichtig das ist - sich nur auf Europa konzentrieren", sagte Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Auch in der Innenpolitik seien "klare Haltungen und vor allem Entscheidungen" gefragt - so auch bei der Energiewende.

Wie dringend notwendig es für Merkel ist, hier die Richtung vorzugeben, zeigte sich über das Pfingstwochenende. Noch immer gibt es in der Koalition etliche Kritiker, die die 180-Grad-Kehrtwende von der zunächst beschlossenen Laufzeitverlängerung für die Kernkraftwerke bis zum Schnell-Ausstieg bis 2022 nach der Katastrophe von Fukushima nach wie vor für falsch halten. Sie warten nur auf ihre Chance und nutzten jetzt die Feiertagsruhe, um nach dem Amtswechsel im Umweltressort neue Zweifel an der Machbarkeit des grünen Umbaus der Energieversorgung zu säen.

Merkel setzt auf Altmaiers Neustart

Da ließ FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle wissen, dass er das Ziel "überaus ehrgeizig" finde, bis zum Abschalten der letzten deutschen Atomkraftwerke im Jahr 2022 den Anteil der erneuerbaren Energien auf 40 Prozent zu erhöhen. Man müsse eine ganze Reihe von Gas- und Kohlekraftwerken bauen, sagte er der "Welt am Sonntag", "möglicherweise mehr, als wir zunächst dachten". Und, ja: "Es wird teurer für den Bürger." Unionsfraktionsvize Michael Fuchs stellte gleich den Zeitplan für den Atomausstieg in Frage - wenn auch nur über Bande. "Bisher reduziert sich die Energiewende leider darauf, dass wir die Atomkraftwerke abschalten wollen, aber die Konsequenzen nicht zu Ende gedacht haben." Fuchs behauptete, selbst der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller von den Grünen habe einräumen müssen, es könnte durchaus sein, dass "das eine oder andere AKW doch länger laufen muss als geplant". Untersteller wies diese Interpretation umgehend zurück, aber die Debatte war eröffnet.

Eine gefährliche Debatte, die Bundesumweltminister Altmaier im Keim zu ersticken versucht. "Die Kernenergie in Deutschland ist Geschichte", sagte Altmaier der "WamS". "Der Ausstieg ist beschlossen." Tatsächlich dürfte auch den verbliebenen Atomfreunden in der Union klar sein, dass ein neuerlicher Aufschub des Ausstiegs der Bevölkerung nicht zu vermitteln wäre. Die Mehrheit der Deutschen will das Ende des Atomzeitalters, eine erneute Verlängerung der Laufzeiten würde die Glaubwürdigkeit der Koalition einmal mehr erschüttern. Grünen-Chef Cem Özdemir spottete bereits, das "Grundproblem" der Regierung sei, dass sie nicht an die Energiewende glaube. Altmaier stellte klar: "Es gibt kein Zurück."

Zugleich bemüht sich der Nachfolger des geschassten Norbert Röttgen der Sorge zu widersprechen, der Wechsel an der Spitze des Umweltressorts könnte die Energiewende zusätzlich verschleppen. Altmaier, ein enger und loyaler Vertrauter der Kanzlerin, setzt auf die Kraft des Neustarts. Das Zustandekommen der Energiewende habe zu "erheblichen Frontstellungen und Konflikten" geführt. "Manchmal kann ein Wechsel an der Spitze helfen, solche Blockaden zu überwinden", erklärte der CDU-Politiker.

Darauf setzt auch Merkel. Nachdem der jüngste Energiegipfel im Kanzleramt wieder einmal vor allem Absichtserklärungen brachte, muss sie endlich greifbare Ergebnisse, wenigstens aber belastbare Zeitpläne vorlegen. Am Mittwoch, einen Tag nach Merkels Besuch bei der Bundesnetzagentur, wollen die vier Betreiber der Stromautobahnen in Deutschland den Entwurf für eine Bundesnetzplanung vorstellen. Bis Ende 2012 soll es dann einen gesetzlichen Masterplan für den bundesweiten Netzausbau geben. Dann ist es rund anderthalb Jahre her, seit Merkels Regierung die Energiewende beschlossen hat.

Mit Material von dapd und Reuters.

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1. Zum SCHADEN DES DEUTSCHEN VOLKES...
doc 123 28.05.2012
Zitat von sysopREUTERSDie Energiewende ist das zentrale Projekt der Bundesregierung. Bei der Umsetzung aber hakt es, mancher Koalitionär zweifelt gar an der Machbarkeit des Atomausstiegs. Neu-Umweltminister Altmaier mahnt: "Es gibt kein Zurück." Die Kanzlerin muss handeln. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,835574,00.html
...einfach NUR unfassbar, wie man Merkel samt Konsorten tagtäglich in der Eurokrise, wie auch der tatsächlichen Umsetzung der Energiewende weiterwurschteln lässt, mit dem mittlerweile wohl mehr als offensichtlichen und ausschließlichen Ziel, dem deutschen Volk maximalst zu schaden. Gibt es tatsächlich wirklich niemand, der diese Frau endlich stoppen wird?
2. Jetzt bloß nicht schlapp machen ...
lutz-breunig 28.05.2012
Für die Energiewende sind nun mal eine ganze Reihe von Baustellen in Betrieb zu halten: http://www.servicereport.eu/2012/energiewende-hat-viele-baustellen-dezentrale-energiesysteme-intelligent-und-energieeffizient-ve
3. ich für meinen Teil denke
raven_wolf 28.05.2012
Zitat von doc 123...einfach NUR unfassbar, wie man Merkel samt Konsorten tagtäglich in der Eurokrise, wie auch der tatsächlichen Umsetzung der Energiewende weiterwurschteln lässt, mit dem mittlerweile wohl mehr als offensichtlichen und ausschließlichen Ziel, dem deutschen Volk maximalst zu schaden. Gibt es tatsächlich wirklich niemand, der diese Frau endlich stoppen wird?
wir sollten alle auf die Strasse gehen und ihren Rücktritt fordern.
4. Energiewende - gesamtdeutsche Aufgabe ???
weltbetrachter 28.05.2012
Wenn die Energiewende eine gesamtdeutsche Aufgabe ist, warum wird die Einspeisung der Solarenergie nicht aus dem Gesamthaushalt bewerkstelligt? EURO-Sponsoring ist bestimmt keine gesamtdeutsche Aufgabe - aber da werden Milliarden verpulvert. Dieses ist für die Aufgaben in Deutschland für die fortschreibung der Energie-Ökologie allemal besser angelegt.
5. Merkels Energiewende *LOL
Michael KaiRo 28.05.2012
Zitat von doc 123...einfach NUR unfassbar, wie man Merkel samt Konsorten tagtäglich in der Eurokrise, wie auch der tatsächlichen Umsetzung der Energiewende weiterwurschteln lässt, mit dem mittlerweile wohl mehr als offensichtlichen und ausschließlichen Ziel, dem deutschen Volk maximalst zu schaden. Gibt es tatsächlich wirklich niemand, der diese Frau endlich stoppen wird?
Da sehe ich leider gar keinen - im Gegenteil, die meisten Bundesbürger finden dieses unsägliche Gewurschtel doch noch toll, wie die guten Umfragewerte für Tante Merkel beweisen. Das Schlimme ist, sowohl für die Euro-Problematik als auch die Energiewende ist gar kein Konzept sehbar. Es wird maximal reagiert, statt agiert. In Bezug auf die Energiewende haben die verantwortlichen Politiker seitens der Technik doch 0,0 Ahnung. Im Gegenteil, von sogenannten Experten werden denen doch der meiste Blödsinn noch eingeredet. Wenn ich dann solche Jubelmeldungen lese wie: Erstmalig erzeugen die PV-Anlagen 20 MW, so viel wie 20 KKWs, dann weiß ich, dass die Medien noch weniger Ahnung haben. Wie sollen solche Journalisten das Ganze noch kritisch hinterfragen, wenn die keinen blassen Dunst haben? Ich persönlich rechne mit den ersten längeren Stromausfällen im nächsten Winter, sollte der Winter nicht recht warm werden. So einer wie 2010/2011 lässt hier alles zusammenklappen. Mir pers. ist es wurscht: Mein Notstromaggregat steht bereit. Andererseits kann man auch zynisch sein: Warum die Energiewende groß vorantreiben, wenn dank weltweiter Finanzkrise Ende 2012 oder spätestens 2013 eh alles zusammenbricht ;)
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Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. Verfeinerte Fördertechniken machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.


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