Strategiesimulation Wie hätten Sie in der Ukraine-Krise entschieden?

Die Ukraine-Krise hat Kanzlerin Merkel schwierige Aufgaben beschert. Wollen Sie ihr kurz die Regierungsgeschäfte abnehmen? Über Krieg oder Frieden entscheiden? Testen Sie in unserer Strategiesimulation, wie es ist, Angela Merkel zu sein.

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In unserer Strategiesimulation sind Sie am Zug: Wie verhalten Sie sich gegenüber Russlands Präsident Putin? Deeskalieren Sie? Oder wagen Sie ein Power-Play? Treffen Sie eine Entscheidung und klicken Sie auf eine Antwort.

Stellen Sie sich vor, Sie sind im November 2013 auf dem Gipfel von Vilnius. Es ist der Beginn der Ukraine-Krise. Der ukrainische Präsident Janukowytsch stellt überraschend neue Bedingungen für das EU-Assoziierungsabkommen – nachdem jahrelang verhandelt wurde und eigentlich nur noch die Unterschriften fehlten. Wie reagieren Sie?
Sie lassen sich drauf ein
Sie erteilen ihm eine Abfuhr
Sie bekommen ernste innenpolitische Probleme. Sowohl Ihre Koalitionspartner als auch maßgebliche CDU-Politiker kritisieren Ihren Kurs massiv. Auch EU-Partnerländer wie Polen und die baltischen Staaten äußern Unverständnis. Was tun?
Sie bleiben bei Ihrer Position
Sie ändern Ihren Kurs
Nach einer kleinen Kunstpause sagen Sie den Satz: "Ich komme mir vor wie auf einer Hochzeit, bei der der Bräutigam in letzter Minute neue Bedingungen stellt." Das ist sarkastisch und straft Janukowytsch mit Missbilligung. Aber schließlich sind Sie sich in diesem Moment darüber klar geworden, dass alle Verhandlungen der letzten Jahre umsonst waren. Und nun?
Sie warten erstmal ab
Sie weisen sein Ansinnen zurück
Sie fühlen sich von Janukowytsch getäuscht. Sie beraumen ein Treffen für den nächsten Morgen mit der ukrainischen Delegation ein, um das Vertragswerk noch zu retten. Aber das Treffen bringt nichts mehr. Auf dem Maidan in Kiew haben in der Nacht schon Tausende Ukrainer gegen Janukowytsch demonstriert.
Sie setzen auf Zeit
Sie kontaktieren den Kreml
Sie wollen den Konflikt aussitzen und reagieren erstmal gar nicht. Auf dem Maidan eskaliert inzwischen die Lage zwischen EU-Befürwortern und Staatsmacht. Dutzende Menschen sterben. Am Ende flüchtet Präsident Janukowytsch, Vertreter der Protestbewegung übernehmen die Macht. Sie sehen sich eigentlich schon als Siegerin. Doch Sie haben Putin unterschätzt. Völlig überraschend übernehmen prorussische Rebellen die Krim.
Sie toben und wollen sofort Putin sprechen
Sie warten weiter ab
Ihnen wird klar, dass Sie in einer der bedeutendsten Fragen der EU-Außenpolitik versagt haben. Sie wollen nun sehen, ob noch etwas zu retten ist und nehmen umgehend Kontakt zum russischen Präsidenten Putin auf.
Sie räumen ein Missverständnis ein
Sie fordern Präsident Putin auf, den Willen des Volkes zu respektieren
Bei Ihnen schrillen umgehend alle Alarmglocken. Ihnen wird sofort klar, dass der Kreml hinter Janukowytschs Forderungen steht. Sie verstehen in diesem Moment, dass sich Russland durch das Vordringen von Nato und EU gen Osten bedroht sieht.
Sie gehen in den Machtkampf mit dem Kreml
Sie deeskalieren
Sie reisen nach Moskau und erklären Präsident Putin, dass Sie seinen Wunsch der klaren Russland-Bindung der Ukraine unterschätzt haben und dass die jahrelangen Verhandlungen mit Kiew auf einem Missverständnis beruhen. Putin freut's. Er erklärt seinerseits, dass er den Wunsch vieler Ukrainer nach einer West-Anbindung unterschätzt hat. Als Kompromiss schlägt er einen Anschluss der Krim an Russland vor. Der Rest der Ukraine könne dann das Assozierungsabkommen mit der EU eingehen.
Sie lehnen ab
Sie stimmen zu
Sie erklären Putin, dass sich viele Ukrainer eine Westbindung wünschen – und er als lupenreiner Demokrat den Willen des Volkes zu respektieren habe.
Sie drohen Putin
Sie regen einen neuen Dialog an
Sie drohen Präsident Putin mit einer breiten Palette an Sanktionen und liefern den EU-orientierten Demonstranten auf dem Maidan Waffen.
Was ist die politische Konsequenz?
Sie bieten Putin Gespräche über die künftige Beziehung zwischen Russland und dem Westen an. Gleichzeitig versuchen Sie, die übrigen Europäer und die USA für den Wiederaufbau der maroden Ukraine zu gewinnen.
Was ist die politische Konsequenz?
Damit haben Sie sich für einen schwierigen Balanceakt entschieden: Sie wollen einerseits auf keinen Fall die Fehler der letzten 20 Jahre gegenüber Russland weiterführen. Andererseits wollen Sie die Osterweiterung von EU und Nato vorantreiben. Ein schneller Erfolg ist hier nicht zu erwarten. Aber womöglich wird man Sie eines Tages in den Geschichtsbüchern als Versöhnerin feiern.
Das haben Sie nicht gewollt? Versuchen Sie es nochmal!
Sie haben soeben den dritten Weltkrieg heraufbeschworen! Putin fühlt sich angegriffen und schickt umgehend Militär in die Ukraine, um dort die Demokratiebewegung niederzuschlagen. Weil die Nato sich bedroht sieht, greift sie in den Konflikt ein.
Das haben Sie nicht gewollt? Versuchen Sie es nochmal!
Putin hat schließlich dementiert, dass es sich bei den Bewaffneten um russische Soldaten handelt. Doch Russland treibt den Konflikt weiter fort. In einem international nicht anerkannten Referendum sprechen sich die Krim-Bewohner für einen Anschluss an Russland aus. Und nun?
Jetzt ist Schluss mit der Geduld
Sie setzen auf Diplomatie
Sie drohen Putin mit Sanktionen und liefern der neuen EU-orientierten Regierung der Ukraine Waffen.
Was ist die politische Konsequenz?
Jetzt wird es wirklich schwierig. Wie weit wollen Sie den russischen Präsidenten noch gewähren lassen? Der bewaffnete Konflikt hat längst weite Teile der Ostukraine erfasst. Täglich sterben Menschen.
Sie wollen das Blutvergießen schnellstmöglich beenden
Sie wollen es weiter mit sanftem Druck versuchen
Die EU folgt Ihrem Kurs: Die Sanktionen gegen Russland werden verschärft.
Was ist die politische Konsequenz?
Ihre Lösung für den Konflikt ist ein neuer Kalter Krieg mit einer vom Westen unterstützten Westukraine und einem irgendwann wirtschaftlich zusammenbrechenden Russland. Doch dass die Rechnung aufgeht, ist nicht gesagt. Und derweil sterben in der Ukraine täglich Menschen.
Das haben Sie nicht gewollt? Versuchen Sie es nochmal!
Sie wollen also den Machtkampf. Auf dem Maidan in Kiew eskaliert inzwischen die Lage zwischen EU-Befürwortern und Staatsmacht. Dutzende Menschen sterben. Am Ende flüchtet Präsident Janukowytsch, Vertreter der Protestbewegung übernehmen die Macht. Sie sehen sich eigentlich schon als Siegerin. Doch Sie haben Putin unterschätzt. Völlig überraschend übernehmen russisch sprechende Rebellen die Krim.
Sie toben und wollen sofort Putin sprechen
Sie warten erstmal ab
Sie nehmen Kontakt zum Kreml auf, um mit Präsident Putin über die Ukraine und die EU-Politik der Östlichen Partnerschaft zu reden.
Er soll den Willen des Volkes respektieren
Sie räumen ein Missverständnis ein
Eine Teilung der Ukraine kommt für Sie nicht in Frage. Sie schlagen stattdessen Verhandlungen vor. Auf dem Maidan eskaliert inzwischen die Lage zwischen EU-Befürwortern und Staatsmacht. Dutzende Menschen sterben. Am Ende flüchtet Präsident Janukowytsch, Vertreter der Protestbewegung übernehmen die Macht. Sie sehen sich eigentlich schon als Siegerin. Doch Sie haben Putin unterschätzt. Völlig überraschend übernehmen prorussische Rebellen die Krim.
Sie toben und wollen sofort Putin sprechen
Sie warten ab
Sie haben in letzter Minute viel Blutvergießen verhindert. Sie setzen auf einen neuen Kalten Krieg mit einer vom Westen unterstützten Westukraine und einem letztlich ökonomisch zusammenbrechenden Russland.
Was ist die politische Konsequenz?
Ihre Umfragewerte sind im freien Fall. Erste Rücktrittsforderungen werden laut. Ihre Partei geht auf Distanz.
Was ist die politische Konsequenz?
Das geht nicht gut für Sie aus! Ihre Entscheidung von Vilnius überschattet all Ihre Verdienste in der Regierungsverantwortung. Sie sind politisch am Ende.
Das haben Sie nicht gewollt? Versuchen Sie es nochmal!
Politisch sind Sie als durchsetzungsschwach gebrandmarkt. Ihre Wiederwahl ist schwer gefährdet.
Das haben Sie nicht gewollt? Versuchen Sie es nochmal!

Bei dieser Anwendung handelt es sich um eine Strategiesimulation. Sie bildet nicht die tatsächlichen Ereignisse ab und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 266 Beiträge
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Seite 1
coyote38 05.05.2015
1. Blödsinn.
Das ist ja wohl mit ABSTAND der größte Quatsch, den ich JEMALS gesehen habe. Als ob Außen- und Sicherheitspolitik ein "Wenn-Dann-Szenario" wäre ...^^
reinhard_becker 05.05.2015
2. .
Das ist keine Strategesimulation, sondern eine Ideologiesimulation.
soalso 05.05.2015
3.
schönes spiel, aber die entscheidungen, welchen weg man eingeht, werden/wurden vorher getroffen, was spätestens mit der syrienfrage klar wurde. wär schön, wenn das berücksichtigt wäre, aber trotzdem sehr lehrreich.
dasdondel 05.05.2015
4. neue Bedingungen ?
welche sind das ?
joG 05.05.2015
5. Ich finde die Idee einer solchen
..... In diesem Fall setzen Sie aber viel zu spät ein, indem der Assoziierungs- bzw Handelsvertrag schon die Weichen stellte auf den späteren Verlauf. Zu dem Zeitpunkt war der Schaden schon eingeleitet und der Ukrainische Präsident reagierte bereits auf die Reaktionen, die man hätte bei Kenntnis des Vertrags und der russischen Einstellungen dazu voraussehen müssen.
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