AfD-Machtkampf Eine schrecklich intrigante Partei

Der Streit um die Macht in der AfD wird zur Schlammschlacht. Die Parteispitze droht auseinanderzubrechen. Aber: Wer stänkert eigentlich gegen wen? Und worum geht es den Akteuren wirklich? Der Überblick.

AfD-Politiker Adam (l.), Lucke: Böse Mails, wütende Briefe
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AfD-Politiker Adam (l.), Lucke: Böse Mails, wütende Briefe

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Berlin - Bernd Lucke hat einen Plan: Statt wie bisher drei Vorstandssprecher soll seine Alternative für Deutschland (AfD) künftig nur noch einen Chef haben. Wer den Job übernehmen soll, weiß er natürlich auch schon: er selbst. Der Streit über die Reform begleitet die Eurokritiker seit Monaten. Doch nun, vier Wochen vor dem Bundesparteitag in Bremen, wird daraus ein gnadenloser Machtkampf. Es wird schmutzig: Die Parteioberen greifen sich gegenseitig in E-Mails an, es wird intrigiert und gestänkert. Der Parteispitze der Eurokritiker droht die Spaltung.

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Heft 2/2015
Warum wir träumen

Wer will was in der AfD? SPIEGEL ONLINE zeigt die wichtigsten Akteure und ihre Motive.

Der heimliche Vorsitzende

  AfD-Vorstandssprecher Bernd Lucke: Stets ambitioniert
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AfD-Vorstandssprecher Bernd Lucke: Stets ambitioniert

Bernd Lucke, beurlaubter Wirtschaftsprofessor aus Hamburg, ist Mitgründer der AfD und das wohl bekannteste Gesicht der Partei. Seit dem Einzug der AfD ins Europaparlament lebt er mit seiner Familie in Brüssel, versucht die Partei von dort aus zu führen. Ein schwieriges Unterfangen. Seit Monaten betreibt der ehrgeizige Lucke, früher CDU-Mitglied, seinen Reformplan für die Parteispitze. Er will die ganze Macht für sich. Dagegen stemmen sich Teile der AfD-Führungsmannschaft. Sie fürchten, Einfluss zu verlieren. Besondere Empörung löste ein Schreiben Luckes aus, mit dem er für den 18. Januar zu einer Funktionärskonferenz nach Frankfurt am Main einlud, um für seinen Reformplan zu werben. Die anderen Spitzenleute behaupten, nichts davon gewusst zu haben. Nun fühlen sie sich übergangen. Durch die Einladung entstehe der Eindruck, Lucke handele nach "Gutsherrenart", so die harsche Kritik von prominenten AfD-Akteuren wie Konrad Adam, Alexander Gauland, Frauke Petry, dem NRW-Landesvorsitzenden Marcus Pretzell und der Europaabgeordneten Beatrix von Storch in einem gemeinsamen Schreiben an Lucke.

Die Nebenvorsitzende

AfD-Vorstandssprecherin Petry: Vorne mit dabei
REUTERS

AfD-Vorstandssprecherin Petry: Vorne mit dabei

Frauke Petry ist die einzige Frau in dem Dreiergremium neben Lucke und Konrad Adam, das bislang an der Spitze der Partei steht. Im internen Streit über eine Parteireform hat die Chemikerin sich bislang gegen Luckes Plan gestemmt. Petry schlingert jedoch in ihrem Kurs - zeitweilig brachte sie eine Tandemlösung ins Gespräch, für die sie selbst auch kandidieren wollte. Weil sich die sächsische Landes- und Fraktionschefin bei öffentlichen Auftritten gut schlägt, halten manche sie sogar für befähigt, in einer Kampfkandidatur gegen Lucke anzutreten, sollte es nur noch eine Spitze in der AfD geben. Doch das lehnte sie bislang strikt ab. Ihr Verhältnis zu Lucke ist belastet - sie warnt vor einer One-Man-Show.

Der konservative Pegida-Versteher

AfD-Vize Gauland: Die konservative Rolle spielen
REUTERS

AfD-Vize Gauland: Die konservative Rolle spielen

Alexander Gauland war einst CDU-Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei, später Herausgeber der "Märkischen Allgemeinen". Der 73-jährige Landes- und Fraktionschef aus Brandenburg ist gegen Luckes Reformplan. Der AfD-Vize fürchtet unter anderem, dass die Partei sich thematisch zu stark auf die Kritik am Euro ausrichtet. Gauland repräsentiert den konservativen Flügel der AfD und vertritt diese Rolle offensiv. Im Gegensatz zu Lucke, der in seiner Haltung gegenüber den Pegida-Demonstrationen schwankt, besuchte der brandenburgische Landes- und Fraktionschef vor Weihnachten demonstrativ eine Pegida-Demonstration in Dresden. Sein persönliches Verhältnis zu Lucke ist angespannt - er nannte ihn schon einmal per Interview einen Kontrollfreak.

Der irritierende Publizist

Journalist und Publizist Adam: Will AfD-Vorstandssprecher bleiben
DPA

Journalist und Publizist Adam: Will AfD-Vorstandssprecher bleiben

Konrad Adam ist neben Lucke und Petry einer der drei Vorstandssprecher der AfD. Der Publizist, einst im Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Welt" zu Hause, gilt seit Langem als einer der vehementesten Gegner der Parteireform. Der 72-Jährige Adam ist wie Gauland ein Vertreter des konservativen Flügels, er verteidigt die Pegida-Demonstrationen. Auch Adam gilt als ehrgeizig, will sich von der Spitze nicht verdrängen lassen. Ein Vize-Posten unter Lucke wäre ihm wohl zu wenig, zumal er wie Lucke von sich behaupten kann, einer der Mitbegründer der AfD zu sein. Er gilt als ein aufbrausender Typ, der in Diskussionen auf viele Parteifreunde arrogant wirkt.

Die konservative Netzwerkerin

Beatrix von Storch (rechts), Ehemann: Konservative Netzwerker
REUTERS

Beatrix von Storch (rechts), Ehemann: Konservative Netzwerker

Beatrix von Storch sitzt wie Lucke seit 2014 im Europaparlament. Die Juristin, kurzzeitig in der FDP, ist seit Jahren zusammen mit ihrem Mann Sven von Storch eine eifrige Netzwerkerin in rechtskonservativen, zum Teil auch streng konservativ-christlichen Zirkeln. So ist die Protestantin gegen die Homo-Ehe, nahm 2014 an der Spitze einer Demonstration in Berlin teil, die sich grundsätzlich gegen Abtreibungen und Sterbehilfe wandte. Im AfD-Machtkampf hatte sich die 43-Jährige von Storch bislang öffentlich zurückgehalten. Nun gehört sie zu den fünf Unterzeichnern des Anti-Lucke-Briefs.

Der zornige Ex-Manager

Ex-BDI-Chef Henkel: Zunehmendes Unwohlsein in der AfD
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Ex-BDI-Chef Henkel: Zunehmendes Unwohlsein in der AfD

Der frühere BDI-Chef und Ex-Manager Hans-Olaf Henkel wirkt, als fühle er sich zunehmend unwohl in der AfD. "Ideologen, Goldgräber, Karrieristen" gebe es in der AfD, wenn er auf Parteitagen Verschwörungstheorien höre, schäme er sich in Grund und Boden, so Henkel. Inzwischen gilt Henkel, der für die AfD im Europaparlament sitzt, als offener Gegner von Vorstandssprecher Adam. "Sie sind total 'von der Rolle' und merken es offensichtlich nicht einmal. Sie scheinen von Enttäuschung über Ihre Bedeutung in der Partei und von Ihrem Ehrgeiz zerfressen zu sein", schrieb Henkel in einem Brief an Adam, den der SPIEGEL diese Woche dokumentiert. Henkel, der einst mit der FDP sympathisierte, versteht die Kritik der anderen AfD-Oberen an Luckes Reformplan nicht. Es gebe ja auch in den 15 von 16 AfD-Landesverbänden nur jeweils einen Vorsitzenden, lautet eines seiner Argumente.

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thomas.b 05.01.2015
1.
Nanu, die Ausgrenzer grenzen sich nun gegenseitig aus? Das wird unterhaltsam!
interessierterleser1965 05.01.2015
2. Und sie wird doch gewählt....
Egal was die Medien auch versuchen, die AfD wird weiter gewählt werden, solange keine der etablierten Parteien die Probleme aufgreift, die von der AfD angesprochen werden.
icheb66 05.01.2015
3. Ist doch toll....
....mit solchen internen Scharmützeln haben sich die Piraten doch auch in die Bedeutungslosigkeit katapultiert. Vielleicht haben wir dieses Glück nochmal, obwohl das bei der Grundidee der Piraten ja eher zu bedauern war.
Cardinal62 05.01.2015
4. Geht's wieder los?
Die Tendenz der Berichterstattung über die AfD erinnert mich stark an jene über die Piraten, für dessen Demontage SPON wirklich alles gegeben hat. Schade.
GoaSkin 05.01.2015
5. Piraten 2.0
Die AfD scheint das selbe Schicksal zu treffen, wie vor wenigen Jahren die Piraten. So läuft das eben, wenn Leute zusammen eine neue Partei gründen, weil sie zu ein paar Themen die gleiche Meinung haben, aber dann feststellen müssen, dass die Meinungen weit auseinander gehen, wenn man weitere politische Themen besetzen möchte.
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