Streit in der CDU Laschet kritisiert Merkels Umgang mit Sarrazin

Der CDU-Politiker Armin Laschet distanziert sich von seiner Parteichefin: Merkels Kritik an Thilo Sarrazin sei "nicht hilfreich". Das umstrittene Buch nennt der ehemalige NRW-Integrationsminister im SPIEGEL einen wichtigen Diskussionsbeitrag - der frühere Bundesbanker sei "kein Rechtsradikaler".

Armin Laschet: "Sarrazin ist kein Geert Wilders"
dapd

Armin Laschet: "Sarrazin ist kein Geert Wilders"


Berlin - Armin Laschet greift Kanzlerin Angela Merkel wegen ihres Umgangs mit Thilo Sarrazin an: "Ich halte es nicht für hilfreich, wenn man ein Buch verurteilt und gleichzeitig sagt, man habe es nicht gelesen", sagte Laschet, der in der mächtigen CDU Nordrhein-Westfalens Landesvorsitzender werden will, dem SPIEGEL. "Vor allem, wenn es ein Buch ist, das viele Millionen Menschen in Deutschland bewegt." Man müsse es zumindest "so ernst nehmen, dass man es liest".

Sarrazins Buch sei ein "wichtiger Diskussionbeitrag", der sich innerhalb des zulässigen Meinungsspektrums bewege. "Er ist kein Rechtsradikaler oder Verfassungsfeind oder was auch immer. Ich würde mich mit ihm intellektuell und klar auseinandersetzen. Das ist kein Geert Wilders, es ist auch keine extremistische politische Position."

Auch insgesamt gibt sich Laschet unzufrieden mit der Arbeit der Kanzlerin. Er bemängelt, dass die CDU ihre "Politik nicht aus unseren Grundsätzen" erkläre, sondern vieles als "alternativlos" bezeichne. Das gelte auch für das neue Energiekonzept der Bundesregierung, an dem sein Gegenkandidat Norbert Röttgen beteiligt war: "Ich habe nicht das Gefühl, dass wir es mit einem Meisterwerk politischer Kommunikation zu tun haben."

In Nordrhein-Westfalen setzt Laschet auf ein Scheitern der rot-grünen Minderheitsregierung. Seine Partei werde Neuwahlen nicht im Wege stehen: "Wenn eine Regierung am Ende ist und erklärt, sie wolle Neuwahlen, dann sind wir dazu bereit. Alles ist besser als eine von der Linken abhängige rot-grüne Minderheitsregierung."

Außer mit der Linken will Laschet keine Bündnisoption für die Zukunft ausschließen. Auch nach dem schwarz-gelben Ausstieg aus dem Atomausstieg sei ein schwarz-grünes Bündnis möglich: "In Hamburg wird Schwarz-Grün doch ebenso wenig aufgelöst wie das Jamaika-Bündnis im Saarland."

cte

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Klapperschlange 02.10.2010
1. Armin Laschet
Zitat von sysopDer CDU-Politiker Armin Laschet distanziert sich von seiner Parteichefin: Merkels Kritik an Thilo Sarrazin sei "nicht hilfreich". Das umstrittene Buch nennt der ehemalige NRW-Integrationsminister im SPIEGEL einen wichtigen Diskussionsbeitrag - der frühere Bundesbanker sei "kein Rechtsradikaler". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,720905,00.html
Na, endlich mal Einer der Flagge zeigt!
MeineMeinungist... 02.10.2010
2. ein Schelm, wer Böses dabei denkt
Was tut man nicht alles für ein Wahl zum Ministerpräsidenten.
Emil Peisker 02.10.2010
3. Trittbrettfahrer
Zitat von KlapperschlangeNa, endlich mal Einer der Flagge zeigt!
Ein wenig spät, der? Erst mal sehen, was die "Volksmeinung sagt. Und dann auf den Zug aufspringen. Sowas nennt man Trittbrettfahrer.:-))
hatem1 02.10.2010
4. Wendehals
Laschet gehört als Integrationsminister genauso zum Kartell der Verschweiger und Schönredner wie fast alle anderen Politiker auch. Nun, da er merkt, dass viele CDU-Wähler Sarrarzins Thesen befürworten, sieht er seine Chance, aus Merkels Ignoranz seinen Vorteil zu schlagen. Vielleicht sollten Sigmar Gabriel und Laschet einen Wendehals-Club gründen?
bergfreundin 02.10.2010
5. Geistiges Kind
Und wieder ein Beleg dafür, welch geistiges Kind die Konservativen sind. Der Konservatismus war schon immer mit seiner Engstirnigkeit, Nachtwächtermentalität und Selbstherrlichkeit Keimzelle für Konflikte - in Deutschland für Kriege. 1. Weltkrieg, 2. Weltkrieg. Gut, nach dem letzten, verlorenen Krieg muss man sich moderater geben, aber an abstrusen Vererbungs- und Rasselehren kann man ja insgeheim noch festhalten, oder? Ach ja, und "dem Polen" den Grund für den Einmarsch 1939 zuschreiben - das ist ja klar. Beruhigend ist, dass sich die Menschheit weiterentwickelt und genau so wie die mittelalterliche Inquisition heute nur noch mit Kopfschütteln wahrgenommen wird, wird in einer unbestimmten Zukunft von einer liberalen, offenen und friedlichen Gesellschaft diese Gruppe verknöcherter Menschen bewertet werden.
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