SMS-Streit in der Piratenpartei: "Die Atmosphäre ist vergiftet"

Piraten-Geschäftsführer Ponader: "Mir ist klar, dass ich Vorstandskollegen irritiert habe" Zur Großansicht
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Piraten-Geschäftsführer Ponader: "Mir ist klar, dass ich Vorstandskollegen irritiert habe"

Bei den Piraten wird die Stimmung zunehmend aggressiv. Der Zorn richtet sich vor allem gegen Geschäftsführer Johannes Ponader. Der Berliner Fraktionschef Christopher Lauer räumt im SPIEGEL ein, Ponader per SMS zum Rücktritt aufgefordert zu haben.

Hamburg - Der Berliner Piraten-Fraktionschef Christopher Lauer hat im Interview mit dem SPIEGEL erstmals eingeräumt, dass er den Politischen Geschäftsführer der Piraten, Johannes Ponader, per SMS zum Rücktritt aufgefordert hatte. Er habe Ponader "aus Ohnmacht und Verzweiflung" folgende Nachricht geschickt: "Wenn Du bis morgen 12.00 Uhr nicht zurück getreten bist, knallt es gewaltig."

Lauer sagte: "Man kann darüber streiten, ob meine Formulierung so geschickt war. Aber mir reicht es einfach." Ponader bringe immer wieder Vorstandsneuwahlen ins Spiel und befeuere damit Personaldebatten, obwohl die Partei sich auf Inhalte konzentrieren wolle. "So kann man nicht Politik machen. Das scheint auch jeder Pirat zwischen Hamburg und München Herrn Ponader schon mal gesagt zu haben. Aber er ist da offenbar beratungsresistent."

Indirekt forderte Lauer Ponader erneut zum sofortigen Rückzug auf. "Er will ja offenbar nicht zurücktreten. Wenn wir also im Mai keinen neuen Bundesvorstand wählen, begleitet uns Herr Ponader auch durch die Bundestagswahl. Ich weiß nicht, wie das funktionieren soll", sagte Lauer.

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Christopher Lauer: "Mir reicht es einfach"

Ponader hatte am Dienstag angekündigt, bei Neuwahlen nicht mehr anzutreten. Bis dahin will er jedoch im Amt bleiben. Zuvor hatten seine Vorstandskollegen eine Basisbefragung angekündigt. Sie soll darüber entscheiden, ob im Mai ein neuer Vorstand gewählt werden soll - und wem ein Rücktritt nahegelegt werden sollte.

Lauer bezweifelt, dass Ponader im Sinne der Parteibasis handelt: "Ich kritisiere Herrn Ponader dafür, dass er sich 'Sprachrohr der Basis' nennt. Allerdings weiß ich nicht, wann ihm die Basis aufgetragen hat, in Interviews über seinen ALG-II-Bezug, Polyamorie oder die kleine Maus Frederick zu sprechen."

Ponader selbst bereut nicht, den SMS-Wechsel mit Lauer veröffentlicht zu haben. "Mir ist klar, dass ich damit einige Vorstandskollegen irritiert habe. Aber wenn man in einer solchen Handlung ein systematisches Muster erkennt, ist es meine Pflicht, dieses öffentlich zu machen", sagte er dem SPIEGEL.

"Ich habe mir Politik anders vorgestellt"

Führende Piraten zeigten sich entsetzt über die andauernden Streitigkeiten innerhalb der Partei. "Die Atmosphäre ist so vergiftet, dass es kaum noch konstruktive Zusammenarbeit gibt", sagte Udo Vetter, einer der Spitzenkandidaten der NRW-Piraten für die Bundestagswahl.

Auch Parteichef Bernd Schlömer fühlt sich vom rüden Umgangston bei den Piraten angegriffen. "Auf Twitter bin ich ein Kriegsbeamter und Sexist", sagte er. "Man ist extremen Verletzungen ausgesetzt und bekommt kaum Bestätigung. Es hagelt laufend Kritik unterhalb der Gürtellinie, das allermeiste anonym. Ich habe mir Politik anders vorgestellt."

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insgesamt 141 Beiträge
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1. Ponader unmöglich
WilhelmhHoppenstaedt 17.02.2013
Zitat von sysopDPABei den Piraten wird die Stimmung zunehmend aggressiv. Der Zorn richtet sich vor allem gegen Geschäftsführer Johannes Ponader. Der Berliner Fraktionschef Christopher Lauer räumt im SPIEGEL ein, Ponader per SMS zum Rücktritt aufgefordert zu haben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/streit-in-der-piratenpartei-ponader-und-lauer-gehen-aufeinander-los-a-883846.html
Ponader, der Beratungsresistente, der selbsternannte Sprecher der Basis, klebt an seinem Posten. Leider nur zum Schaden der Partei, nicht zum eigenen.
2. optional
o.b.server 17.02.2013
Bernd Schlömer sagt: "Ich habe mir Politik anders vorgestellt". Ich sage: "Ich habe mir die Piraten anders vorgestellt". Für mich sind die Piraten leider nicht mehr wählbar, obwohl sie mit den ersten Erfolgen, z.B. in Berlin, sehr große Sympathien in mir geweckt haben. Schade.
3. Arme Wichte!
soubrettel 17.02.2013
Angetreten, um alles besser zu machen als die Alten... Oh je! Wer sich über anonymes Mobbing im Netz beschwert, sollte mal seine Grundsätze auf den Prüfstand stellen! Und bei Kritik ist natürlich immer der Andere schuld. Es wird sich nichts ändern in den Generationen, zumindest nicht in DIESER Hinsicht. Traurig.
4. Schade
aramcoy 17.02.2013
Würde gerne Piraten wählen - die Grundidee ist klasse. Aber Typen wie Ponader, sorry der ist ja als Politikneuling schon schmieriger und widerlicher wie die schlimmsten Auswüchse aller etablierten Parteien zusammen.
5.
Vergil 17.02.2013
Zitat von sysopDPABei den Piraten wird die Stimmung zunehmend aggressiv. Der Zorn richtet sich vor allem gegen Geschäftsführer Johannes Ponader. Der Berliner Fraktionschef Christopher Lauer räumt im SPIEGEL ein, Ponader per SMS zum Rücktritt aufgefordert zu haben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/streit-in-der-piratenpartei-ponader-und-lauer-gehen-aufeinander-los-a-883846.html
Tja, liebe Piraten, vielleicht hat eine traditionelle Partei mit ihren organisierten Strukturen doch einige Vorteile... Und vielleicht hat, ganz nebenbei, auch eine repräsentative Demokratie einige Vorteile gegenüber einer direkten Demokratie.
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