Streit über Irak-Krieg Schröder bezichtigt Bush der Lüge

Sie waren nie Freunde - jetzt leben sie ihre alte Gegnerschaft mit ungekannter Schärfe aus. George W. Bush wirft Gerhard Schröder vor, versprochene Hilfe beim Irak-Krieg verwehrt zu haben. Der Altkanzler schlägt zurück: "Der frühere Präsident sagt nicht die Wahrheit."

Schröder (l.) und Bush (im September 2003): Streitthema Irak-Krieg
REUTERS

Schröder (l.) und Bush (im September 2003): Streitthema Irak-Krieg


Berlin - Gerhard Schröder lässt die Vorwürfe von George W. Bush nicht auf sich sitzen. "Der frühere amerikanische Präsident Bush sagt nicht die Wahrheit", sagte der Ex-Bundeskanzler am Dienstag in Berlin. Er reagierte damit auf Anschuldigungen Bushs in dessen soeben erschienenen Memoiren "Decision Points" ("Entscheidungspunkte").

Konkret geht es um eine Passage über die Vorbereitungen zum Irak-Krieg. Dort ist von einem Treffen im kleinen Kreis im Weißen Haus am 31. Januar 2002 die Rede. Der damalige Kanzler Schröder habe ihm dabei die volle Unterstützung für seine Irak-Politik zugesagt, schreibt Bush.

Schröder erklärt dagegen nun, dass es in dem Gespräch um die Frage gegangen sei, ob die Terroristen, die für die Anschläge des 11. September 2001 in den USA verantwortlich waren, von Saddam Hussein unterstützt würden. "Wie auch bei meinen späteren Treffen mit dem US-Präsidenten habe ich damals deutlich gemacht, dass Deutschland, sollte sich der Irak wie zuvor Afghanistan tatsächlich als Schutzraum und Zufluchtsort für al-Qaida-Kämpfer erweisen, zuverlässig an der Seite der USA stehen würde", heißt es in der Erklärung. "Dieser Begründungszusammenhang war jedoch, wie sich im Laufe des Jahres 2002 herausstellte, falsch und konstruiert."

Die Wahrheit liegt wohl näher bei Schröder als bei Bush

Bush seinerseits schreibt, er fühle sich von Schröder getäuscht. Demnach soll der damalige Kanzler ihm geantwortet haben: "Was für Afghanistan richtig ist, ist auch für den Irak richtig. Nationen, die den Terrorismus unterstützen, müssen mit Konsequenzen rechnen. Wenn Sie es schnell und entschieden erledigen, dann bin ich mit Ihnen." Dies habe er als "Erklärung der Unterstützung" aufgenommen, schreibt Bush.

Einige Monate später sei Schröder dann von der Zusage abgerückt, beklagt der frühere US-Präsident. Grund sei offenbar der Bundestagswahlkampf gewesen.

Tatsächlich hat Schröder im Wahlkampf von seinem Anti-Kriegskurs profitiert. Allerdings haben sich seine Bedenken im Nachhinein als begründet erwiesen: Anders als von der US-Regierung propagiert, war der Irak bei weitem kein Hort des internationalen Terrorismus und in keinem Fall mit Afghanistan vergleichbar. Erst nach der US-Invasion versank das Land im Chaos. Die historische Wahrheit dürfte damit näher bei Schröder liegen als bei Bush.

als/AFP



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DefTom 09.11.2010
1. In diesem Fall...
Zitat von sysopSie waren nie Freunde - jetzt leben sie ihre alte Gegnerschaft mit ungekannter Schärfe aus. George W. Bush wirft Gerhard Schröder vor, versprochene Hilfe beim*Irak-Krieg verwehrt zu haben. Der Altkanzler schlägt zurück: "Der frühere Präsident sagt nicht die Wahrheit." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,728205,00.html
...da wird er wohl Recht haben, der Herr Ex-Kanzler. Dem glaube ich mehr (aber auch nicht alles) als dem verrückten texanischen Schauspieler.
Hilfskraft 09.11.2010
2. Schröder bezichtigt Bush der Lüge
da wären wir ja beim Thema: auch wir Bürger werden andauernd belogen, betrogen, besch..., auf´s Kreuz gelegt. Auch Schröder hat uns belogen. Aber eines muß man ihm zu Gute halten, er ist nicht auf Bush Geheiß einmarschiert. Vielleicht hatte er gute Berater, vielleicht hatte er vergessen, ein Schriftstück zu unterschreiben. Es war auf jeden Fall das Richtige. Über Madam M. brauchen wir nicht weiter zu philisophieren. Die findet einfach die Türklinke nicht. H.
Haio Forler 09.11.2010
3. ..
Zitat von sysopSie waren nie Freunde - jetzt leben sie ihre alte Gegnerschaft mit ungekannter Schärfe aus. George W. Bush wirft Gerhard Schröder vor, versprochene Hilfe beim*Irak-Krieg verwehrt zu haben. Der Altkanzler schlägt zurück: "Der frühere Präsident sagt nicht die Wahrheit." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,728205,00.html
In diesem speziellen Falle glaube ich eher Schröder. Bush stand und steht wohl seines Erachtens immer noch unter Rechtfertigungsdruck, muss wohl die Schuld auf andere schieben. Eine Nullnummer in der Außen- und Innenpolitik, auch in der Sozialpolitik. Wäre 9/11 nicht gewesen, hätte Bush vermutlich niemand bemerkt.
Haio Forler 09.11.2010
4. ..
Zitat von sysopSie waren nie Freunde - jetzt leben sie ihre alte Gegnerschaft mit ungekannter Schärfe aus. George W. Bush wirft Gerhard Schröder vor, versprochene Hilfe beim*Irak-Krieg verwehrt zu haben. Der Altkanzler schlägt zurück: "Der frühere Präsident sagt nicht die Wahrheit." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,728205,00.html
"Tatsächlich hat Schröder im Wahlkampf von seinem Anti-Kriegskurs profitiert. Allerdings haben sich seine Bedenken im Nachhinein als begründet erwiesen: Anders als von der US-Regierung propagiert, war der Irak bei weitem kein Hort des internationalen Terrorismus und in keinem Fall mit Afghanistan vergleichbar. Erst nach der US-Invasion versank das Land im Chaos. Die historische Wahrheit dürfte damit näher bei Schröder liegen als bei Bush." Wie sagte Joschka Fischer Herrn Rumsfeld öffentlich rotzfrech ins Gesicht ob der Massenvernichtungswaffen. "Mr. Rumsfeld ... i am _not_ convinced!" Ich möchte mal die Merkel sehen, ob die soviel Arsch in der Hose hat. Nicht mal 20% davon. Hut ab.
intenso1 09.11.2010
5. ...
Zitat von sysopSie waren nie Freunde - jetzt leben sie ihre alte Gegnerschaft mit ungekannter Schärfe aus. George W. Bush wirft Gerhard Schröder vor, versprochene Hilfe beim*Irak-Krieg verwehrt zu haben. Der Altkanzler schlägt zurück: "Der frühere Präsident sagt nicht die Wahrheit." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,728205,00.html
Das die USA mit gezinkten Karten im Bezug zu Irak gespielt hat war schon vor Kriegsbeginn bekannt. Die Verlogenheit des Herrn Bush hat sich ja in vielen Punkten bestätigt. Wenn Herr Schröder auch viele Fehler in seiner Amtszeit als Bundeskanzler gemacht hat, in seiner Haltung zum Irak lag er richtig und fand damit auch die Zustimmung der meisten Deutschen. In der Hinsicht kann Deutschland froh sein, dass nicht Frau Merkel an der Macht war, sonst wären wir auch in diesen Krieg hinein geraten.
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