Streit über SPD-Kanzlerkandidatur Beck soll für Linksschwenk büßen

Als "Debatte zur falschen Zeit" rügte SPD-Generalsekretär Heil die Diskussion über eine Kanzlerkandidatur von Kurt Beck. Doch es half nichts: Der Parteichef komme nicht mehr in Frage, verkündete Johannes Kahrs vom konservativen Seeheimer Kreis - und wird dafür bereits kritisiert.


Berlin - Eine Kanzlerkandidatur von Kurt Beck hat sich nach Meinung von Johannes Kahrs schon erledigt. Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises geht wegen des Linksschwenks des SPD-Chefs nicht mehr davon aus, dass dieser gegen Angela Merkel antreten wird. "Dafür muss er büßen. Damit hat sich die Kanzlerfrage schon erledigt", wird Kahrs vom "Flensburger Tageblatt" zitiert.

Beck: "Dafür muss er büßen"
DDP

Beck: "Dafür muss er büßen"

Kahrs wirft dem Parteivorsitzenden vor, die Sozialdemokraten mit der Öffnung zur Linken in Hessen in eine schwere Glaubwürdigkeitskrise gestürzt zu haben. Der Linksschwenk habe die Hamburg-Wahl negativ beeinflusst. "Das hat uns in Hamburg das Genick gebrochen", sagte Kahrs.

Vorstandsmitglied Niels Annen wies die Äußerungen von Kahrs zurück. "Beck hat die klare Unterstützung der Partei", sagte er im Deutschlandfunk. Die Formulierung, Beck müsse für die Öffnung der SPD zur Linkspartei büßen, sei "unangemessen". Annen bemühte sich, die Debatte zu dämpfen: "Die häufig wechselnde Meinung meines Kollegen Kahrs zu der Frage der Führungsqualitäten von Kurt Beck ist nun wirklich nicht wesentlich." Annen mahnte seine Partei, Ruhe einkehren zu lassen und die Diskussion über eine Urwahl des Kanzlerkandidaten zu beenden.

Die SPD werde sich nicht von ihrem Zeitplan abbringen lassen. Beck werde einen Vorschlag für den Kanzlerkandidaten unterbreiten. "Ich habe keinen Zweifel, dass der Vorschlag, den Kurt Beck machen wird, auf große Akzeptanz stoßen wird. Und es bleibt dabei: Der Vorsitzende hat das erste Zugriffsrecht, er hat das Vertrauen."

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil hatte zuvor vergeblich an seine Partei appelliert, die Diskussion über eine Urwahl des Kanzlerkandidaten zu beenden. "Die Diskussion über Verfahren und Kanzlerkandidaten ist eine Debatte zur falschen Zeit", sagte Heil dem Berliner "Tagesspiegel". Beck werde zum richtigen Zeitpunkt einen Vorschlag machen. "Das ist in der Parteispitze einvernehmlich vereinbart." Bremens Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD) sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung": "Die Diskussion ist völlig überflüssig und für die Partei nicht hilfreich."

Bei einer Umfrage hatten sich 91 Prozent der SPD-Wähler dafür ausgesprochen, dass die Parteibasis über den Herausforderer von Angela Merkel (CDU) in einer Urwahl entscheidet.

Auch der SPD-Fraktionsvize im Bundestag, Klaas Hübner, kritisierte die innerparteiliche Debatte um eine möglich Urwahl scharf. "Das ist eine Debatte zur Unzeit. Es steht derzeit gar keine Kandidatennominierung an", sagte Hübner der "Berliner Zeitung". Beck will frühestens im Herbst erklären, ob er gegen Merkel antritt. Hübner sagte dazu: "Ich bin mir sicher, dass Kurt Beck einen Vorschlag machen wird, hinter dem wir uns alle vereinen können."

Im Gegensatz zur Basisbefragung von 1993, bei der sich Rudolf Scharping gegen Gerhard Schröder und Heidemarie Wieczorek-Zeul als Parteichef durchsetzte, gebe es heute kein Machtvakuum in der SPD, sagte Hübner.

als/dpa/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.