Streit über Volljährigkeit 16, 18, 21 oder 25?

Unter den Parteien ist ein heftiger Streit über die Volljährigkeit und das Waffenrecht entbrannt. Nach dem Massaker von Erfurt fordert Bundesinnenminister Otto Schily, die Altersgrenze auf 21 Jahre anzuheben. Union und Grüne sind dagegen.


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Die V-Frage

Volljährig erst mit 21 Jahren - stimmen Sie Otto Schilys Vorschlag zu?

Berlin - 1975 war die Altersgrenze zur Volljährigkeit von 21 auf 18 Jahre abgesenkt worden. Dem Bundesinnenminister war von vornherein klar, dass er wenig Unterstützung dafür finden würde, das wieder rückgängig zu machen. "Nach meiner persönlichen Auffassung wäre die richtige Altersgrenze zur Volljährigkeit 21 Jahre. Dafür werde ich aber bei der Mehrheit kaum Zustimmung finden", so der SPD-Politiker in der "Bild"-Zeitung. "Die Entwicklung eines Jugendlichen zum Erwachsensein ist bis zum Alter von 18 Jahren in der Regel noch nicht abgeschlossen." Und es kam, wie es kommen musste: Aus der Koalition und der Opposition hagelte es Widerspruch.

Grünen-Chef Fritz Kuhn lehnte den Vorschlag Schilys ab. "Das hielte ich für übertrieben", sagte er. Heute gehe man davon aus, dass Jugendliche eher früher reif seien. Deswegen halte er Schilys Idee "im Kern eher für einen Altvorderen-Vorschlag". Seine Parteikollegin Claudia Roth sieht das genauso. Sie erinnerte daran, dass ihre Partei das Wahlalter von jetzt 18 Jahren heruntersetzen wolle.

Roth warnte davor, nach den Ereignissen von Erfurt zwei unterschiedliche Diskussionen miteinander zu vermischen. Die Altersgrenze für Waffenerwerb von 18 auf 21 Jahre heraufzusetzen, sei in Ordnung. Kühn könnte sich dafür sogar ein Altersgrenze "über 21 Jahre hinaus" vorstellen. Das vom Bundestag gerade beschlossene Waffenrecht lasse sich relativ kurzfristig im Bundesrat verschärfen. Es sei auch zu überlegen, ob es nicht häufigere Zuverlässigkeitsprüfungen für den Waffenerwerb geben sollte statt nur einmal: "Das Waffenrecht sollte restriktiver werden."

Dem schließt sich auch Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber an. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir die Verschärfung des Waffengesetzes gemeinsam hinbekommen," sagte er am Dienstag. Ein solcher Schritt könne über eine Initiative der Länder geschehen. Die Änderung des Waffenrechts könne auch eine strengere Zuverlässigkeitsprüfung für Schützen enthalten, sagte Stoiber. Er schlug auch vor, in Schützenvereinen die Munition nur noch am Schießstand aushändigen zu lassen. Stoibers Innenminister Günther Beckstein plädiert dafür, die Altersgrenze für den Erwerb großkalibriger Waffen sogar auf bis zu 25 Jahre heraufzusetzen. Die Ausbildung im so genannten Kampf- und Verteidigungsschießen müsse verboten werden. Schilys Vorstoß, die Volljährigkeit künftig erst wieder mit 21 Jahren zu erreichen, findet in Bayern keine Unterstützung: Das sei kein sinnvoller Vorschlag, meinte Stoiber.

Auch die CDU-Familienpolitikerin Anke Eymer tat den Vorschlag als "Schnellschuss" ab. Bei Vorgängen, die die Öffentlichkeit aufwühlten, brächten dieselben Politiker jedes Mal solche populistischen Vorschläge. "Morgen fordern dieselben wieder eine Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre, ab 14 Jahre bis Mitternacht in die Disco und damit erleichterten Zugang zu Suchtmitteln." Die Abgeordnete fügte hinzu: "Wir wollen Werteerziehung schon im Kindergarten und in der Grundschule. Unsere Kinder müssen wieder lernen, was man darf und was man nicht darf."



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