Streit um Erziehungsformen Mehr Mitleid als Coolness

Mitleidsfähigkeit, Moral, aber auch mehr Autorität? Nach dem Blutbad von Erfurt streiten Politiker über neue Erziehungsmethoden.


Stuttgart/Hannover - Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm forderte eine Debatte über die Folgen antiautoritärer Erziehung. Der CDU-Politiker kritisierte in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung", dass repressionsfreie Erziehung "die Leistung nicht mehr betont". Mit Blick auf den Amoklauf von Erfurt stellte Schönbohm die Frage, "ob die Saat derer, die antiautoritäre Erziehung gefordert haben, anders aufgegangen ist, als sie es sich erhofft haben".

Der niedersächsische Justizminister Christian Pfeiffer forderte dagegen als eine Konsequenz aus dem Massaker eine neue Männlichkeitserziehung. Jungen müssten nach dem Vorbild von Mädchen stärker zum Mitleid erzogen werden, sagte der SPD-Politiker in einem Interview der "Neuen Presse" (Hannover). Während Mädchen weinen dürften, würden Jungen dagegen angehalten, cool zu sein. Daher empfänden Frauen eher Mitleid als Männer, die sich gegen Schmerz "panzern" würden.

Man müsse überlegen, "was bei der Erziehung von Jungen und Mädchen unterschiedlich läuft". Der Minister forderte eine gewaltfreie Erziehung, denn "die fördert den aufrechten Gang". Liebevolle Erziehung fördere Mitleidsfähigkeit und eine innengesteuerte Moral. Eine andere Erziehung könne eine wichtige Form der Gewaltprävention sein, sagte Pfeiffer.



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